ein neues kellion

junge meditierer

Juli 3, 2009 · 1 Kommentar

Bereits an anderen Stellen, habe ich vom vergangenen Wochenende erzählt, wo einige Jugendliche und junge Menschen bei uns im Haus mit Br. Johannes (Kloster Nütschau) und mir meditiert haben. Ich habe sonst immer gesagt, dass Meditation bzw. Kontemplation wahrscheinlich eine Sache ist, die erst in einem späteren Lebensalter eine Rolle spielt, aber das Wochenende hat mir gezeigt, dass auch junge Menschen die Fähigkeit besitzen, über verschiedene Wege (in der Natur, in Körperübungen, im Atem, im Gehen, im Hören) Türen zur Gegenwart aufzustossen, und dabei ganz kreativ sind.

Hier kann man einige Photos sehen.

Ausserdem haben Br. Johannes und ich im Vorwege, vor dem Meditationswochenende ein Interview gegeben, das in der aktuellen Ausgabe von “Cayenne Pepper”, dem Magazin der Jugend im Erzbistum Hamburg, abgedruckt ist. Wer das nachlesen mag: Hier ist ein Scan von der entsprechenden Seite.

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transformation statt mission

Juni 26, 2009 · 5 Kommentare

P. Richard Rohr hörte ich letztens bei einem Studientag in Hamburg (übrigens über das Thema “Emerging Church”) sagen:

“Transformed people transform people just by who they are.” [Richard Rohr]

So lautet jedenfalls die Notiz in meinem Block. In meinen Worten: Menschen in einem (kontemplativen) Transformationsprozess halten immer die Klappe – sei es auf dem Meditationskissen als auch ihren Mitmenschen gegenüber. Ist das so gemeint?

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gott verlernen

Juni 19, 2009 · 2 Kommentare

Ja, durchaus könnte es einen fruchtbaren Austausch von Agnostikern und Kontemplativen geben. Beiden ist gemeinsam, dass sie sich enthalten, etwas über Gott zu sagen. Ja, im Sinne der “Wolke des Nichtwissens”, einer schriftliche Unterweisung zum kontemplativen Gebet aus dem England des 14. Jahrhunderts, besteht “das Geschäft” des Kontemplativen eigentlich darin, das Wissen um Gott oder alles andere Wissen, alle “Gnosis”, zu vergessen. Jemand schrieb mir in einer E-Mail, dass man bei dem englischen Titel “The Cloud of Unknowing” das Wort “unknowing” besser als “ent-wissen” verstehen könnte, die Vorsilbe “ent-” im gleichen Sinne verstanden wie in “ent-wirren”, “ent-leeren” etc. Man könnte es mit der Vorsilbe “ver-” vielleicht noch zuspitzen: Das Tun des Kontemplativen besteht darin, Gott zu verlernen.

Zum Zusammenhang mit dem Atheismus: Ein Kontemplativer ist – das ist nur meine eigene Meinung – weder bekennend gottgläubig noch bekennender Atheist. Während er “Gott verlernt” ist er zwar auf dem Weg zu einem Atheismus, aber er kommt niemals bei der atheistischen Position an, sondern bleibt im Niemandsland, im Zwischenland, dort, wo er abends nicht weiss, wo er sein Haupt betten soll. Ein Kontemplativer lässt Gott los, aber er lässt auch die Idee, dass es Gott nicht gäbe, los.

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ein agnostiker zweifelt und schweigt

Juni 12, 2009 · 18 Kommentare

Selbst die, die “an nichts” glauben, fangen jetzt an, z.B. mit Busplakaten, zu missionieren. Wo Heilsverkünder jeglicher Spielart vom amerikanischen Fernsehevangelisten bis zum exotischen Guru eine Sinn-Inflation in Betrieb halten (so penetrant, dass man auf der Seite von uns “Betreuten” “Be-missionierten” bald von einer Sinn-Langeweile sprechen kann), hätte ich mir von den Atheisten vornehmes Schweigen als Ausdruck ihres Zweifels gewünscht. Ja, bedeutet Agnostizismus nicht, dass man nicht entschieden hat, wie es um Gott steht? Und wäre es da nicht angebracht – in der fast unbekannten Tradition der antiken Skeptiker – sich jeglicher Meinung zu enthalten? Kein Agnostizismus kann bekennenden Charakter haben. Man tue es dem sprichwörtlichen Gentleman gleich: Ein Agnostiker zweifelt und schweigt.

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rausgeflogen

Juni 3, 2009 · Kommentar schreiben

Inzwischen ist eine Audio-Datei meines Kurzimpulses “Spiritualität der Exilanten versus monastische Spiritualität” bei emergent-deutschland.de abrufbar. Dort geht es ausgehend von einem Text von Madeleine Delbrêl (1904-1964) um die Unmöglichkeit, monastische Spiritualität einem urbanen Kontext einzupflanzen. Das erläutere ich anhand von vier Gegensatzpaaren, nämlich

  • Ungleichgewicht vs. Rhythmus
  • Geschwindigkeit vs. Verlangsamung
  • Risiko vs. Sicherheit
  • Banalität vs. Liturgie

Ich habe auch schon ein paar Reaktionen erhalten. So fragte Walter in einem Kommentar unten, ob die Selbstbezeichnung “Exilant” nicht auch positiven Klang bekommen könnte. Von einer anderen Freundin (die übrigens ganz schnodderig von “uns Rausgeflogenen” sprach, einerseits auf die Selbstbezeichnung “Exilant” bezugnehmend, andererseits auf das Risiko mit dem Fahrrad aus der Kurve rauszufliegen) unterstrich den Sicherheitsfaktor eines geregelten (monastischen) Lebens, mit dem eine Entmündigung einhergehe. Inzwischen aus dem monastischen System ausgestiegen, erlebe sie aber im “normalen” Leben einen anderen Zwang, nämlich den Zwang zur Dauer-Kommunikation. In diesem Spiel gehe es darum, sich immer mal wieder “zu melden”. Geschieht das nicht, verliert man den Anschluss und wird erneut zum Rausgeschmissenen. Einmal rausgeflogen, immer wieder rausfliegen? Niemals Zugehörigkeit?

Übrigens liesse sich hier ein weiteres Gegensatzpaar fassen:

  • Kommunikation vs. Stille

Ja, tatsächlich! In diesem Leben – “extra claustrum”, ausserhalb der Klostermauern – müssen wir kommunizieren! Und das geht manchmal bis ins Extreme, okay. Und dabei fällt auch mal Banales  und Unnötiges bei ab, na gut. Aber immerhin tun wir unser Bestes und es gibt damit eine Chance der Verständigung.

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das heilige im exotischen

Mai 29, 2009 · 3 Kommentare

Auf Kirchentagen findet man sie ganz leicht: die Obertonchöre, Didgeridoo-Spieler und Multi-Instrumentalisten mit ihrem Ethno-Repertoire – das ist der Kirchentags-Soundtrack der Suchenden, die einem gestaltlosen OM mehr Durchlässigkeit zum Heiligen zutrauen als einem vielstrophigen evangelischen Choral. (Ähnlich auch eine Wortmeldung eines Abiturienten beim Podium mit Star-Theologen am Freitag.) Das Heilige im Fremden, im Nicht-Ich zu verorten, hat allerdings Tradition, etwa wenn von Gott als “totaliter aliter”, als vom “Ganz Anderen” gesprochen wird. Es fängt beim Nächsten an – in denen man Christus diene -, erweitert sich im Fremden und streckt sich hin bis zum Exotischen. Überall scheint das Heilige “erlaubt” auffindbar, jedoch nie im Eigenen oder bei einem selbst, im Ich. Was lernen wir daraus?

Was “erscheint” dir, wenn du meinst, dem Heiligen zu begegnen? Gott? Oder doch erst einfach nur etwas Aussergewöhnliches? Ein – totaliter aliter – Alien? Ein Exotismus?

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spiritualität ohne zugehörigkeit

Mai 10, 2009 · 5 Kommentare

Einige Notizen:

[1] Ein kleines Treffen der “Initiative Nord” von Emergent Deutschland in Bremen letzte Woche öffnete mir die Augen dafür, was für eine spezielle Spiritualität von mir und auch im Haus teilweise gelebt wurde und wird. Von einem Text von Madeleine Delbrêl ausgehend, der üblicherweise mit “Fahrradspiritualität” überschrieben wird, versuchte ich monastische Spiritualität und Exil-Spiritualität (so nenne ich mal unsere Spiritualität) in vier Gegensatzpaaren zu sizzieren. Was ich aber durch den anschliessenden Austausch erst so richtig kapierte war, dass die “Exil-Spiritualität” nicht vergleichbar ist mit einer herkömmlichen “Gemeinde-Frömmigkeit”.

Im Bereich Meditation und Kontemplation begegnet man immer wieder Menschen, die “mehr” suchen, mehr als was sie in ihrer Gemeinde oder Pfarrei finden können. Wenn sie katholisch sein sollten und noch nicht gebunden, würden solche Menschen vielleicht überlegen, ob sie vielleicht zum Ordensleben berufen sind. Evangelische Christen werden da eher heimatlose Nomaden bleiben, weil sie keinen schon fertigen Weg gehen können. Wieviele Menschen mit diesem Zug zum “Mehr” werden Heimat überhaupt finden? Oder wird es eine Aufgabe für sie sein, als Exilanten mit den anderen Menschen in ihrer Umgebung zu leben?

Demnächst wird sicherlich mein kurzer Impuls bei Emergent Deutschland zum Hören zur Verfügung stehen, bislang ist da nur Simons Bericht von unserem Treffen. Hier ist aber auch eine schriftliche Version meines Themas: ex_tempore. Spiritualität der Exilanten versus monastische Spiritualität [pdf-Datei]

[2] Ich habe lange keine Notizen zur Lektüre der “Wolke des Nichtwissens” mehr veröffentlicht. Heute schrieb ich aber wieder was: es geht gar nicht um ‘gott’”

[3] Facebook sagt mir, ich sei nicht zum Ordensleben berufen:

not a monastic

Hätte ich den Test doch vor fünf Jahren schon gemacht!

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“we have what we seek”?

April 25, 2009 · Kommentar schreiben

Während die Grundregung christlicher Spiritualität die Sehnsucht ist, wäre sie im buddhistischen Zusammenhang problematisch in ihrer Nähe zum Durst, der zum Anhaften und so zur Erfahrung von Leid führt. Der christlichen Grundfigur der Sehnsucht steht aber im Buddhistischen die Einsicht gegenüber, dass das gewöhnliche Bewusstsein bereits Buddhabewusstsein ist, ja, dass in der Welt des Relativen (unwissende Verstrickung mit den Dingen der Welt) das Absolute (traditionell: “Nirvana”) berührt wird. Man denke an den Merkvers der Plum Village Tradition (Thich Nhat Hanh):

I have arrived.
I am home.
Dwelling in the here,
dwelling in the now.
In the ultimate I dwell.

Freilich – auch im Christlichen gibt es die Hochachtung des Augenblicks, des kairos, der überraschenden Offenbarung des Messias “Ich bin’s” etc., aber mir scheint die Betonung des Fragmentarischen stets stärker zu sein. Besonders unter Evangelischen ist die Redefigur des “gleichzeitigen Schon-Jetzt und Noch-Nicht” beliebt. Man kann im Christlichen irgendwie nicht ohne das “Noch-Nicht”, nicht ohne das “noch Ausstehende”. So spannt sich die Erwartung bis zu einem verheissenen Irgendwann. Ziel und Heimat wird prophetisch vertagt, in die Zukunft outgesourced.

So lange kann ich aber nicht warten. Leben muss ich jetzt. Sehnsucht erweist sich oft genug als trügerisch. Sie ist nur hilfreich im Verein mit der Zuversicht, dass es “gibt, was ich suche”. Blosse Sehnsucht ohne die Hoffnung, dass sie mich nach Hause führt, treibt ein perfides Spiel mit meinen Kräften und meiner Belastbarkeit. Wenn einer dieses Vertrauen nicht hat, dass sich erfüllen wird, wozu man gerufen ist, sollte dieser auch seine Sehnsucht fahren lassen. So lässt es sich nicht leben. Es wäre besser für so einen, in den Alltäglichkeiten ein Zuhause zu finden, anstatt seine Arbeit schlampig zu machen und auf das ewige Wochenende zu warten, das niemals kommt. Ja, das nenne ich Respekt gegenüber meinen Aufgaben und gegenüber den Gegebenheiten des Tages, wenn ich sie nicht als störende Unvermeidlichkeit auffasse, sondern – auch wenn es schwer ist – mich wirklich um sie kümmere. Wer von der Ewigkeits-Sehnsucht befallen ist, ist wie einer, der telephoniert und gleichzeitig im Internet rumsurft. Er tut nichts ganz in der Gegenwart. Er schielt schon auf das, was als nächstes kommt. Er ist wie einer, der nicht zuhört, sondern schon überlegt, was er sagen könnte, während der andere noch redet.

Um am Schluss alle noch einmal zu verwirren, ein Zitat von Thomas Merton. Ist es nach dem, was ich oben sagte “christlich” oder “buddhistisch”?

“We have what we seek. We don’t have to rush after it. It was there all the time, and if we give it time it will make itself known to us.” (Thomas Merton) [Quelle]

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neues trend-hobby: allein sein

April 16, 2009 · 7 Kommentare

Ich schätze es, allein zu sein. Es ist aber nur angenehm, wenn man nicht drunter leidet. Wen es beklommen macht, sollte sich lieber drum kümmern, irgendwie beschäftigt zu sein. Ums Alleinsein jedoch braucht man sich gar nicht zu kümmern: es kommt ganz von allein. Ja, man könnte sagen, Alleinsein ist der natürliche Zustand eines Menschen.

Wieviel Zeit und Energie muss man aufbringen, um nicht allein zu sein, indem man etwas mit Freunden unternimmt, eine Partnerschaft pflegt, einer ideologischen oder religiösen Institution seine Zeit schenkt oder gar gleich eine Familie gründet. Fürs Alleinsein brauchst du aber gar nichts zu machen. Es ist kostengünstig, verursacht keinen Müll, hat keine Nebenwirkungen und ist wahrscheinlich sowas von bio und bestimmt auch klimaneutral und so. Ziemlich unschlagbar cooles Hobby, oder?

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wir schulden gott nichts

April 15, 2009 · Kommentar schreiben

Nachtrag zu den letzten Tagen:

Freilich, die Improperien sind ein alt-ehrwürdiges Stück in der Liturgie des Karfreitags. Inhaltlich sind sie allerdings nicht ein nur Musterbeispiel von Antijudaismus in christlicher Liturgie, sie vermitteln auch eine fragwürdige Haltung des Gekreuzigten. Es handelt sich um ein Stück Fiktion, was uns die Improperien bieten. Und diese Fiktion malt sich aus, wie der Gekreuzigte das Volk anspricht im Sinne von “Vierzig Jahre lang habe ich dich durch die Wüste geführt. Du aber bereitest das Kreuz deinem Erlöser. Was habe ich dir getan? Antworte mir! etc.” Schulden wir Gott etwas?

Zum ersten Mal hörte ich dieses Jahr die Improperien in einem Gottesdienst am Karfreitag gelesen. Ich war irritiert, auch wenn ich den Inhalt ja schon – wenn auch nur als eine Art musikhistorisches Museumsstück – kannte. Ist er diesen Weg freiwillig gegangen oder nicht? Wenn ja, was sollen dann solche Vorwürfe?

Eine gnadenhafte, freiwillige Gabe aber verpflichtet uns zu nichts. Oder was für Hintergedanken sollten da doch noch vorhanden sein? Wir wissen, wie schmerzlich es ist, Liebe zu schenken, wenn sie nicht erwidert wird. Aber durch die Enttäuschung hindurch wissen wir auch, dass es genügt, zu lieben. Denn wer möchte schon mit einer Liebe geliebt werden, die man sich selbst durch Geschenke erkauft hätte? Es wäre besser, gar nicht geliebt zu werden, als Zuwendung zu erfahren, zu der man den anderen erst überreden musste, zu der er sich “verpflichtet” fühlte. Wir schulden Gott nichts. Diese Freiheit ist seine Gabe.

Aber auch folgendes gilt es zu erwägen: Gott schuldet uns nichts. Wie sind wir bloss auf die Idee gekommen, es sei seine Aufgabe, uns vor leidvollen Erfahrungen zu schützen und uns Lebenssorge und zermürbenden Alltag zu ersparen? Was zeigt uns die Geschichte vom leidenden Gott anderes, als dass er auch nur ein Mensch ist, dem nichts erspart bleibt? Was also sollten wir von ihm erwarten?

Es genügt, zu leben. Und diese Freiheit zum Ausgangspunkt zu nehmen, dass wir Gott nichts schulden und dass er uns nichts schuldet. Vielleicht können wir uns so neu begegnen und versöhnen – mit dem Leben, das wir haben, und vielleicht auch mit dem Gott, den wir nie gekannt haben.

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