ein neues kellion

Beiträge vom Mai 2007

Aleksander Wat, Japanese Archery

Mai 31, 2007 · Kommentar schreiben

es gibt ja nicht wirklich viele sachen, die ich beim umzug zu diesem neuen blog mitgenommen habe. aber folgende verse gehören unbedingt dazu. aus: tongues of fire. an anthology of religious and poetic experience. introduced and edited by karen armstrong, (penguin books) 1987.

Aleksander Wat, Japanese Archery (translated by Richard Lourie)

    I

The hand tells the bowstring
Obey me.

The bowstring tells the arrow:
O arrow, fly.

The arrow answers the bowstring:
Speed my flight.

The arrow tells the target:
Be my light.

The target answers the arrow:
Love me.

    II

The target tells arrow, bowstring, hand and eye:
Ta twam asi.

Which means in a sacred tongue:
I am Thou.

    III

(Footnote of a Christian:
O Mother of God,

watch over the target, the bow, the arrow
and the archer).

Kategorien: bücher, musik etc.

sankt arvo

Mai 29, 2007 · 3 Kommentare

post aus freiburg, der komponist arvo pärt erhielt die theologische (!) ehrendoktorwürde:

„ich musste neulich an dich denken, denn arvo paert war hier und hat die ehrendoktowuerde bekommen, da habe ich mich erinnert, dass das doch diese coole te deum musik war, die du mal gezeigt hast. es war echt beeindruckend! zuerst das ganze verformte lateinische magnificienzen und respectabili laudatio gewitter und dann kam dieser super bescheidene, einfache baertige mann auf die buehne. er hat so eine ganz ruhige schelmische und weise art. ein richtiger starez … er fragte ob er jetzt ein theologe sei oder ein doktor und lachte jedesmal und sagte nein. dann hat er gefragt was denn ein theologe sei und erzaehlte wie er als junger mann nicht mehr wusste, wie er musik machen soll und in seiner verzweiflung jeden gefragt hat, wie man eigentlich noch musik machen kann. er hat irgendwo wohl auch mal einen strassenfeger gefragt und der soll ihm gesagt haben: keine ahnung, aber wahrscheinlich musst du jeden einzelnen Ton lieben. das hat ihm dann wohl geholfen und dazu gebracht musik als religiös zu verstehen… und in dem strassenkehrer einen theologen zu erkennen … dann erzaehlte er noch eine andere geschichte von tolstoi […] und rief schliesslich drei jungens auf die buehne, setzte sich ans klavier und die kinder sangen ein vaterunser … am sonntag kam er dann noch zum gottesdienst und seine berliner messe wurde gespielt.“

schon einmal von mir verlinkt: ein youtube-video, in welchem björk was über pärt erzählt (ab 2‘20‘‘) und sich auch mit ihm unterhält. u.a. sagt er da über seinen sogenannten tintinnabuli-stil: „… my … this new style it consists two … ways, two sides, so that one line … is … my sins … and another line is forgiveness of the sins …“

Kategorien: bücher, musik etc. · liturgie
Mit Tag(s) versehen:

warum ist mein gott bloss so ein fürchterlich launischer sanguiniker?

Mai 28, 2007 · 2 Kommentare

ich liebe das durschnittliche und normale. und das unaufgeregte und bescheidene ist mir äusserst angenehm. warum ist mein gott aber bloss so ein fürchterlich launischer sanguiniker, für den man sich ja fast schämen muss, wie teenager sich für ihre schnodderigen eltern schämen?

doch moment! ist dies doch bloss so ein vorurteil, das alle haben. ich las letztens die abschiedsvorlesung von erich zenger, einem alttestamentler (und dem psalmen-ausleger schlechthin). da habe ich (in seiner auslegung von exodus 34,6f.) gelernt, dass die prädikation „reich an güte und treue“ und „langsam zum zorn“ gott richtig profilieren, wenn man ihn neben andere altorientalische götter hält. soll heissen: im altorientalischen religiösen markt der möglichkeiten ist „reich an güte und treue“ und „langsam zum zorn“ der unique selling point dieses nomadengottes.

zenger nennt das „asymmetrie von gnade und zorn“, weil die gnade hier stets überwiegt. er betont auch, dass diese asymmetrie kein randphänomen im ersten (alten) testament darstelle und führt u.a. als beispiel an: „einen augenblick ist er im zorn, ein leben lang währt seine güte.“ (psalm 30,6)

naja. da bin ich aber froh. ich weiss, zahm ist er nicht. aber die leute, die immer so viel staub aufwirbeln und dann immer auf ihren haudrauf-gott verweisen (gott sei ja auch nicht immer lieb etc.), sollen wissen dass sie damit von einem billig-gott reden, den man im altorientalischen religiösen markt von der stange kaufen kann. jaja, unser gott ist ein leidenschaftlicher gott: er hat eine echte schwäche für „langsam zum zorn“. vielleicht ist er ja buddhist?

[nachtrag: auch freund christian Kategorien: kontemplativ

meine reformierten freunde fallen in ohnmacht

Mai 27, 2007 · 2 Kommentare

nicht jeder hat im keller eine krypta, wie wir hier im ansverus-haus (aumühle, bei hamburg). aber fast alle menschen besitzen einen computer, oder? wahrscheinlich ist auch das wieder etwas, was ich erst jetzt mitkriege, während alle anderen schon seit jahren so was auf ihrem desktop haben: einen altar. aber hier ist endlich meiner:

wie man sehen kann, kann man ihn individuell gestalten, z.b. ihn mit blumen schmücken (weitere auswahl: hintergrund, altar, heilige, objekte und kerzen). aber ich hab irgendwo mal gelernt „blumen gehören nicht auf den altar!“ und mit liturgie-besserwissis möchte ich mich keinesfalls anlegen. überhaupt sieht das doch recht protestantisch aus, was? naja, ich mag halt das schlichte. und um meine reformierten freunde in ohnmacht fallen zu lassen, reicht es alle mal.

selber einen haben wollen? bei http://www.pocketchapel.com/index.html das programm herunterladen. aber dann auch bitte mal eure eigenen zeigen! (ihr habt ja über pfingsten sowieso nichts besonderes zu tun, oder?) fr. christan scheint ja total vom pocketchapel und anderen sachen begeistert zu sein, die in den kommentaren zum ur-vers-eintrag verlinkt waren.

Kategorien: kirche

dynamische doxologie

Mai 27, 2007 · 1 Kommentar

ein anderes grundelement, eine andere formel, die unverbrüchlich zum stundengebet gehört, ist die sogenannte kleine doxologie, der trinitarische lobpreis, der z.b. dem psalm angefügt wird:

Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit *
und in Ewigkeit. Amen.

allerdings kann man hier nicht so recht von einem ur-vers sprechen, denn man hat viel herumexperiementiert, bis man auf diese formel kam. zum beispiel an den konjunktionen (heisst das so?), die zwischen „vater“, „sohn“ und „geist“ stehen.

so empfiehlt origenes (3. jh.) das gebet zu schließen, „indem man den Vater des Alls preist durch Jesus Christus im Heiligen Geist“. ich finde das sehr ansprechend. durch die konjunktionen „durch“ und „in“ kommt eine dynamik in das sprechen von dem dreifaltigen gott hinein.

leider ist im zuge christologischer streitigkeiten diese formel in verruf gekommen, da ja eine unterordnung der personen heraus zu hören möglich sei. so wurde es zu einem kennzeichen rechtgläubigen betens die – bis heute gebräuchliche – form zu verwenden „ehre sei dem vater und dem sohn und dem heiligen geist“. leider wirkt das starrer als das „durch den sohn im heiligen geist“. [1]

auch der nachsatz („wie im anfang …“) wurde verschieden gestaltet. in unserer zeit ist in der deutschsprachigen dormitio-abtei in jerusalem folgende form zu finden:

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, *
dem einen Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

[quelle]

verständlich, dass, wenn man im heiligen land betet, besonders die einzigkeit gottes hervorgehoben wird. dies wurde auch in einer publikation von responsorialen psalmen [2] (ohne das „amen“) als vorschlag übernommen.

in der nachfolgepublikation von responsorialen cantica [3] gibt es nun einen weiteren vorschlag, der die „dynamische doxologie“ mit dem nachsatz der dormitio-abtei verbindet:

Ehre sei dem Vater durch den Sohn im Heiligen Geist, *
dem einen Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.

vielleicht könnte man in dieser woche, bis zum dreifaltigkeitssonntag, diese alternativen formen probehalber mal verwenden.

[1] zum vorgangeganenen siehe: Erich Heck, Segen des dreieinigen Gottes, Stuttgart 1990, S.65f.

[2] Godehard Joppich u.a., Preisungen – Psalmen mit Antwortrufen, Münsterschwarzach (Vier-Türme-Verlag) 2005 (3. erweiterte Neuauflage).

[3] Godehard Joppich u.a., Cantica – Biblische Gesänge mit Antwortrufen, Münsterschwarzach (Vier-Türme-Verlag) 2007.

Kategorien: liturgie

der ur-vers

Mai 23, 2007 · 6 Kommentare

ich beginne so langsam wieder mit dem stundengebet. ich tu so, als wüsste ich gar nichts davon und nähere mich fast stammelnd einer passenden form wieder an. erstaunlich ist, dass zwei ur-verse unverwüstlich sind:

o gott, komm mir zu hilfe. – herr, eile mir zu helfen.

und der andere:

herr, öffne meine lippen, – damit mein mund dein lob verkünde.

zwei psalmverse (aus psalm 70 und aus psalm 51), in denen das ganze stundengebet zusammengefasst ist. wenn ich alt werde und nicht mehr viel tun kann, werde ich ganz bestimmt diese beiden verse noch können, und diese murmelnd das stundengebet als gebetet ansehen.

auf besondere weise ist der erstgenannte vers tatsächlich ein ur-vers christlicher übung. in den collationes teilt uns johannes cassian (4. jh.) eine formel mit, mit der man sich „in das ständige denken an gott“ einüben kann. er sagt:

„Wie diese Formel uns von den wenigen, die von den Vätern übrigblieben, überliefert worden ist, so wird sie auch von uns nur ganz wenigen und den wahrhaft Dürstenden anvertraut.“

und nennt dann den vers „o gott, komm mir zu hilfe – herr, eile mir zu helfen“. dieses gebetswort passt sich cassian zufolge jeder lebenslage an und ist deswegen geeignet, zu jeder tätigkeit gebetet zu werden. hier kommt vor allem die haltung zum tragen, dass der übende immer auf gott bezogen ist und von ihm alles erwarten muss, da er als armer und hilfesuchender vor ihn tritt. bestechend scheint für cassian ausserdem zu sein, dass diese übung „knapp“ ist, d.h. einfach in der methode und anweisung. (das finden wir auch nicht schlecht.)

von dort her ist der vers in das stundengebet gekommen. die benediktsregel (6. jh.), die ja voll bewunderug für die „väter“ ist, sieht ihn zu beginn der vier kleinen horen vor (RB 17), aber nicht nur dort: auch die, die den wöchentlichen küchendienst beginne, sollen ihn dreimal wiederholen (RB 35,17f.). so taucht also das wiederholungsgebet, die gebetsformel ägyptischer christlicher mönche als eröffnungsruf in der liturgie des stundengebetes im abendland wieder auf.

diese herkunft des ur-verses des stundengebets und christlicher gebetsübung, ist wohl nicht so bekannt. man kennt als wiederholungsgebet ja eher das herzensgebet oder jesusgebet aus der orthodoxen tradition. (dazu kann aber fono mehr sagen, glaub ich.)

  • der betreffende abschnitt von cassian in einer englischen übersetzung: The Formula of Prayer (Conference X, §10).
  • nachtrag: eine weitere englische übersetzung.
  • grundlegende ausführungen dazu sind in dem aufsatz zu finden: Bernhard Sirch [OSB], „Deus in adiutorium meum intende“. Psalmenmeditation und Psalmodie im Zusammenhang mit dem monastischen Ideal des immerwährenden Gebetes, in: H. Becker/R. Kaczinski ed., Liturgie und Dichtung, St. Ottilien 1983, S. 315-343. es gibt eine kurzfassung dieses aufsatzes im netz, leider nicht in übersichtlich gestaltetem textfluss.
  • auch bryan sherwood preist in seinem blog diese gebetsformel: The Invocation. ["That’s an invocation that never becomes void of meaning for me, no matter how many times I pray it. I pray those words several times each day. The monks at Gethsemani pray those words several time a day. Catholic Christians pray those words throughout the day."]

Kategorien: kontemplativ · liturgie · monastic

thich merton

Mai 22, 2007 · 2 Kommentare

ja, thomas merton und thich nhat hanh haben sich einmal kennen gelernt. ich komm da nur drauf, weil jemand in die suchmaschine „thich merton“ (tolle kombination! und gar nicht mal verkehrt, denn „thich“ ist ein vietnamesischer titel für mönche) eingegeben hat und auf diesem blog landete. in einem interview (1999) erzählt thich nhat hanh von seiner begegnung mit thomas merton:

„I spent two days with him, and he took me to visit the childhood home of Lincoln. After I left, he gave a talk to his monks and said, ‘Just looking at how he closes the door, you know that he’s a true monk.’ [laughs] That’s funny, because in Plum Village one day we saw a Catholic lady from Germany who came for three weeks of practice. Before she left us, she said, ‘I came because I read something from Thomas Merton about Thich Nhat Hanh’s closing the door. I was curious. I wanted to come just to see how you close the door. I stayed three weeks for the practice, and I am very glad that I have come. I also have learned how to close the door!’“
[quelle: cultivating the flower of nonviolence. an interview with thich nhat hanh]

und thomas merton soll auch über thich nhat hanh gesagt haben:

“Nhat Hanh is more my brother than most of my Catholic monks.”
[quelle: ibidem]

darum heute mal eine liste meiner erkundungen auf buddhistischem terrain.

Thich Nhat Hanh, Jesus und Buddha. Ein Dialog der Liebe, Freiburg i. Br. (Herder) 2006 (2. Auflage) | es fing alles mit diesem büchlein an, von dem bernardin schellenberger in seiner amazon-rezension schon anmerkte, dass das buch kein material für einen diskursiven interreligiösen dialog bereit hält. aber letztlich fällt diese kritik auf die deutschen verleger, die diesen titel gewählt haben. es sind transkriptionen von dharma-vorträgen, die thich nhat hanh in seinem übungs-zentrum plum village in frankreich in verschiedenen jahren (1995-1997) um die weihnachtszeit herum gehalten hat. mich persönlich haben seine ausführungen sofort angesprochen. vielleicht wegen ihrer „leichtigkeit“ (anders als beim zen, in hiesigen – christlichen und vor allem katholischen – exerzitienhäusern verbreitet, das einem doch elitär und über-anspruchsvoll vorkommen kann). und einfach auch wegen der grossen erfahrung in einem spirituellen leben in der alltäglichkeit, von der ich lernen kann.

Thich Nhat Hanh, Das Herz von Buddhas Lehre. Leiden verwandeln – die Praxis des glücklichen Lebens [The Heart of the Buddha’s Teaching. Transforming Suffering into Peace, Joy and Liberation, 1998], Freiburg i. Br. (Herder) 2005 (2. Auflage) | ich wollte daraufhin eigentlich eine allgemeine einführung zum buddhismus lesen, weil ich auch nicht einschätzen konnte, in was für einer tradition thich nhat hanh steht (gehört das zum mainstream-buddhismus oder ist das schon was eigenes?). aber ich landete wieder bei thich nhat hanh, der in diesem titel beweist, dass er auch systematisch den buddhistischen weg darlegen kann. allerdings ohne die praxis aus dem blick zu verlieren. und das macht seine plum village tradition auch so sympathisch. weltbilder und gedankenkonzepte können uns nicht helfen auf unserem konkreten weg.

Bernard [Bernie] Glassman, Das Herz der Vollendung. Unterweisungen eines westlichen Zen-Meisters [Infinite Circle, 2002], München (dtv) 2002 | zwischenzeitlich gab es diesen ausflug zum zen: bernie glassman kommentiert verschiedene grundlagen-texte des buddhismus bzw. des zen: das sogenannte herz-sutra, das sandokai und die bodhisattva-gelübde. das ist denkmässig abgedreht, wie man sich zen halt vorstellt, aber zwischendurch kurzweilig geschrieben und vermittelt.

Dharma-Talks by Zen Master Thich Nhat Hanh [Audio] | regelmässig hörte ich mir dharma-vorträge von thich nhat hanh an, die in plum village aufgenommen wurden (in vietnamesisch, französisch oder englisch). das bestätigte meinen eindruck von herzlicher wärme dieses lehrers. und man lernt seinen humor kennen.

Thich Nhat Hanh, Ärger. Befreiung aus dem Teufelskreis destruktiver Emotionen, München (Goldmann) 2007 | okay, sieht ganz nach der so verpönten lebenshilfe-literatur aus. aber die menschen wollen wirklich wissen, wie sie mit ihren gefühlen umgehen können, vor allem mit ihren aggressiven gefühlen. ich auch. in buddhistischer tradition ist das ein grosses thema und das seit 2500 jahren. da muss doch einfach erfahrung vorhanden sein, um uns einen akkuraten umgang mit unangenehmen gefühlen beibringen zu können.

Thich Nhat Hanh and the Monks and Nuns of Plum Village, Chanting from the heart. Buddhist Ceremonies and Daily Practices, Berkeley CA (Parallax Press) 2007 | als liturgie-interessierter fragt man sich doch: wie sieht das monastische leben in plum village wohl konkret aus? chanting from the heart versammelt in englischer sprache buddhistische „liturgien“ wie z.b. texte für die erdberührungen („touching the earth“), achtsames essen, eine sammlung von gathas, rezitationen und anderer zeremonien. im anhang gibt es eine reihe von sutren, die für die plum village tradition von bedeutung sind und noten für eine handvoll gesänge.

[Gil Fronsdal,] Audio Dharma | da mir die dharma-vorträge (lehr-vorträge) von thich nhat hanh gefielen und mir hilfreich für meine eigene praxis vorkommen, stiess ich bei meiner suche nach mehr auf gil fronsdal, der zuerst zen gelernt hat und dann vipassana, eine meditationstechnik, die mit einem ursprünglichen buddhismus verknüpft ist. hier hört man einen westlichen lehrer, der humor hat und (frei) zu sprechen versteht.

Dhammapada. Die Weisheitslehren des Buddha. Aus dem Pali ins Deutsche neu übertragen und kommentiert von Munish B. Schiekel. Vorwort von Thich Nhat Hanh, Freiburg i. Br. (Herder) 2007 (2. Auflage) | gil fronsdal hat das dhammapada ins amerikanische übersetzt, da wollte ich mir doch auch mal eine ausgabe besorgen. zumal ich irgendwo gehört habe, dass das dhammapada ein sehr beliebter text in verschiedensten buddhistischen traditionen ist. es ist inspirierend und macht mut, sich auf den übungsweg zu machen.

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sancti spiritus assit nobis gratia

Mai 20, 2007 · 2 Kommentare

im kontext mittelalterlicher musik ist eine sequenz eine textierung eines alleluia-melismas (melisma = mehrere noten für eine silbe). man sagt, dass notker der stammler der erfinder dieser technik ist. auch der abtprimas erzählt davon: notker (wolf) über notker (den stammler) bei erzabtei.de (zum sechsten absatz scrollen).

da nächste woche pfingsten ist, hier die pfingstsequenz von notker: sancti spiritus assit nobis gratia gesungen von der schola gregoriana monostorinensis (letzter track), die

  • das repertoire nicht als „kunst“, sondern als „funktionelle liturgische musik“ erfahrbar machen will, und
  • die neuesten forschungen zur gregorianik ernst nimmt (semiologie, neumen und so’n zeugs). mehr zu der schola unter hhrf.org/schola.

und hier gibt es sogar noten dazu: von einem musikhistorischen appendix (auf den seiten 3-4 der pdf-datei). deutsche übertragung dazu („des heiligen geistes gnade sei mit uns“) siehe der letzte eintrag auf diesem blog.

und noch ein tipp an die sangesfreudigen menschen da draussen: singt jetzt selber schon mal pfingstlieder, denn nach pfingsten plumpst man (sogar schon gleich am „pfingstmontag“) in die sogenannte „zeit im jahreskreis“ hinein. nix da, pfingsten hat im liturgischen kalender keine eigene festwoche! und wofür gibt es denn dann all die vielen pfingstlieder, wenn man sie nur einen tag im jahr singen kann? also: einfach früher damit anfangen. dann hat man was davon. (mein favorit: veni creator spiritus in der übertragung von friedrich dörr, 1969: „komm, heilger geist, der leben schafft“, im gotteslob nr. 241.)

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Notker der Stammler: Des Heiligen Geistes Gnade sei mit uns [Sancti Spiritus assit nobis gratia]

Mai 20, 2007 · 1 Kommentar

Notker der Stammler: Des Heiligen Geistes Gnade sei mit uns [Sancti Spiritus assit nobis gratia]

Des Heiligen Geistes
Gnade sei mit uns.

[1]

Sie treibe
Aus unseren Herzen
Alle geistige Fehle,

Dass unser Innres
Ihm
Tempel werde.

[2]

Segnender Geist,
Erleuchter der Menschen,

Reinige unsrer Seele
Grausige Finsternis.

[3]

Liebender Geist,
Freund der Frommgesinnten,

Giess Deine Salbung
Uns gütig ins Herz.

[4]

Grosser Läuterer
Aller Schändlichkeiten,

Läutere,
Heiliger Geist,
Unsres Geistes Auge,
Dass es klar erkenne,

[5]

Dass es den Schöpfer,
Den Höchsten,
Zu schauen vermöge,

Den nur die Reinen
Erneuerten Blickes
Selig erschauen.

[6]

Propheten hast Du begeistert,
Und sie besangen voraus
Den Ruhm des Christ.

Apostel hast Du ermutigt,
Und sie führten zum Sieg
Die Fahne des Christ.

[7]

Als durch sein Wort
Die grossen Werke
Gott erschaffen
Des Himmels, der Erde, der Meere,

Da schwebte
Über den Wassern
Befruchtend
Dein Hauch, o Geist.

[8]

Du berührtest
Die Fluten
Mit lebensspendender Kraft.

Du berührtest
Den Menschen
Mit heiligem Hauch.

[9]

Du einigst
Die Welt,
Die in Sprachen und Sitten
Getrennt und zerspalten.

Du führst,
Du bester der Lehrer,
Die Diener der Götzen
Zum Dienste Gottes.

[10]

O schenke uns Flehenden
Gnädig Erhören,
Heiliger Geist;

Denn unsere Bitten
Sind ohne Dich nichtig
Vor Gottes Ohren.

[11]

Der Du die Heiligen
Aller Jahrhunderte
Mit Deiner Liebe Hauch
Herrlich belehrtest
Und innig bewegtest, o Geist,

Du hast,
Den Aposteln Christi
Heut, Deine Gabe spendend
(Unfassliche Gabe
Und ewig unerhörte),

Diesen Tag verherrlicht
Vor allen.

Zitiert nach: H. Schultze, Das Wirken des Heiligen Geistes, Hamburg 1964, S. 45. Dort: [Übertragung der Pfingstsequenz von Heinrich Lützeler], zitiert nach: Christliche Lyrik, eine Sammlung von den Anfängen bis zur Gegenwart, Union Verlag Berlin, 1954, S. 111f. Um die Struktur der Sequenz Notkers deutlicher zu machen, habe ich die Abschnitte nummeriert und Leerzeilen gemacht. Die Nummerierungen markieren die paarigen Strophen. Nur die erste und die letzte Zeile (kursiv gesetzt) haben kein entsprechendes Gegenstück.

Kategorien: liturgie

rache

Mai 18, 2007 · Kommentar schreiben

warum hat man bei ärger oder wut eigentlich den einfall, zurückschlagen zu wollen? was ist eigentlich rache?

wenn man in kategorien von schuld und strafe denkt, ist rache wohl eingeordnet in eine idee von gerechtigkeit. (was immer da auch „ausgeglichen“ werden soll, ist dabei überhaupt nicht einsichtig.) von ideen halte ich derzeit wirklich nicht viel.

vielleicht möchte man einfach nur deshalb zurückschlagen, weil man sagen möchte: „du hast mir schaden zugefügt. und um dir zu zeigen wie weh das tut, mache ich das mal bei dir.“ kurzum: man möchte eigentlich mitgefühl bekommen?

„es ist schaden entstanden und das verursacht wut in mir.“

wenn man das kommunizieren kann, ist das schon viel. ich muss mir nur noch überlegen, wie ich es sage.

Kategorien: üben