Beiträge vom Oktober 2007
Wann wird die Lebensform des Alleinseins endlich gesellschaftlich respektiert werden? – Ulf Poschardts Buch „Einsamkeit. Die Entdeckung eines Lebensgefühls“ hätte ein bahnbrechendes Plädoyer werden können. Jedoch bleibt bei allen gelungenen Skizzen, die die Lebensform der Einsamkeit ausleuchten, doch immer wieder die Zuordnung zu einem partnerschaftlichen Konzept. Dafür steht der Allgemeinplatz, dass nur der mit einem anderen gut zusammen leben könne, der gelernt habe, allein zu sein.
Wenn man nicht gerade Priester, Mönch oder Bruce Wayne (alias Batman) ist, kennt man als „normaler“ Einzelmensch oft seine Rolle schlichtweg nicht. Aber das muss jeder, der zu dieser Lebensform gerufen ist, oder sich bewusst für sie entscheidet, wahrscheinlich – ja, was sonst – allein für sich herausfinden. Wäre ja auch ein wenig widersprüchlich, wenn durch Poschardts Buch als Einsamkeitsbibel eine neue Massenbewegung (Hans Conrad Zander: „Einsamkeit für alle!“) entstehen würde.
Aber hätte Ulf Poschardt nicht trotzdem seine gescheiten Beobachtungen, die zu oft mit Single-Mutmach-Tipps angereichert sind, entschiedener nutzen können, um Einsamkeit und Alleinsein als Wert für sich hervorzuheben? Es begann doch so gut:
„Ich bin nicht immer einsam. Aber wenn ich es bin, nutze ich die Zeit. Es ist die Zeit, in der man wächst und lernt. Nicht gegen die anderen Menschen, sondern in innerer Unabhängigkeit. Einsamkeit richtet den inneren Kompass neu aus. Sie sortiert das Innenleben für die Begegnung mit anderen. Sie schont das soziale Netzwerk, anstatt es zu zerstören.
Ich geniesse Einsamkeit, weil sie immer endlich ist. Weil sie ein Freund und keine Krankheit ist. Und weil ich gelernt habe, mit ihr zu leben. Sie ist ein Kraftfeld, ein Ort von Ruhe, Schönheit und Konzentration …“ (S. 10f.)
Kategorien: bücher, musik etc. · monastic
Mit Tag(s) versehen: einsamkeit
Mit zwei Freunden habe ich nun begonnen, Möglichkeiten kontemplativer Praxis im Hamburger urbanen Raum zu erkunden. Man beachte gütigst ein weiteres Weblog, das unsere Treffen ein wenig organisiert (siehe die Blogroll in der rechten Leiste). Und sage es all seinen Bekannten und Freunden weiter, die in und um Hamburg herum wohnen und sich zum kontemplativen Gebet hingezogen fühlen.
Kategorien: kontemplativ
Mit Tag(s) versehen: kontemplatives Gebet, urban contemplatives
Übermorgen sendet arte den Film „Die grosse Stille“: ein Bilderbogen über die Grande Chartreuse, das erste Kloster der Karthäuser. Leute, die das eremitische und das koinobitische (gemeinschaftliche) Leben miteinander verbinden wollen.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass man das vor dem Fernseher aushält. Im Kino war es für einige ja auch nicht einfach, sitzen zu bleiben. Aber wenn man schon eine Kinokarte gekauft hat, bleibt man auch bis zum Schluss! So dachten wohl einige. Aber vor dem Fernseher?
Viele sagten nach dem Film: Das ist mir ja total fern so was! Dagegen fand ich: Was ist an dieser Vereinzelung so anders als im urbanen Kontext? Und dass sie da manche Horen (Gebetszeiten) alleine in der Zelle beten, erinnerte mich durchaus an meine Studentenzeit, als das bei mir doch ganz genauso war: Ich allein in meinem Zimmer mit dem Kleinen Stundenbuch. Ja und?
29. Oktober (Mo), 20.40 Uhr
arte > Die grosse Stille (2005)
Kategorien: bücher, musik etc. · monastic
Mit Tag(s) versehen: arte, Film
Der Buchempfehlungsliste zum Thema „Kontemplation“ wäre noch eine englische Schrift aus dem späten 14. Jahrhundert hinzuzufügen. Allerdings beginnt sie damit, dass sie den Leser, die Leserin bittet, das Buch
„weder vorzulesen, abzuschreiben, seinen Inhalt nicht mündlich weiterzugeben und nicht darüber zu bloggen.“
Okay, das mit dem Bloggen steht da nicht, aber das andere schon. Nur solchen, die zu einer aktiven und kontemplativen Lebsnform entschlossen sind, soll man es weitergeben. Erforderlich sei ausserdem, dass man „schon seit langem durch ein tugendhaftes, altives Leben“ auf die kontemplative Praxis vorbereitet sein solle.
Nun ja. In meine, ähem, unwürdigen Hände ist dieses Buch nur dadurch gelangt, weil es unter aussortierten Büchern einer Freundin lag und sie mir, als ich Interesse zeigte, sagte, ich könne das Buch auch behalten, weil es ihr überhaupt nichts sagen würde.
Mein Eindruck war sehr ähnlich. Aber da am Schluss des Buches steht, man solle es doch bitte mindestens zwei oder drei mal lesen, begann ich in Trier mit einer erneuten Lektüre und bin davon angeprochen. Neben schlafen (schön!) und am Stundengebet teilnehmen (auch ganz schön), hatte ich auch ein wenig Zeit, um praktisch auszuprobieren, wovon die hier besprochene Schrift handelt.
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Kategorien: bücher, musik etc. · kontemplativ
heute fahr ich für einige tage den heiligen matthias besuchen. na ja, sein grab. matthias ist für sonst nichts bekannt als dass er durch loswurf zum ersatzmann für judas bestimmt wurde. der lückenbüsser sein. die zweite wahl sein. immer dabei gewesen, aber nie richtig dazu gehört. der heilige matthias und ich haben uns viel zu erzählen.
Kategorien: fragen
[Nachtrag (22. Okt 07): Gestern abend besuchte ich mit A. einen guten Freund, der mit uns eine kleine Hausmesse feierte. Zu dritt. Das war eine besondere Erfahrung. Und immer ist die Eucharistiefeier das, was sie ist. An einem Hochaltar oder an einem schlichten Wohnzimmertisch.]
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Eucharistic theology
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You scored as Orthodox. You are Orthodox, worshiping the mystery of the Holy Trinity in the great liturgy whereby Jesus is present through the Spirit in a real yet mysterious way, a meal that is also a sacrifice.
| Orthodox |
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100% |
| Catholic |
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100% |
| Luther |
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75% |
| Zwingli |
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31% |
| Calvin |
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13% |
| Unitarian |
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0% |
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Kategorien: liturgie
(3) was ist das: abneigung und unangenehmes gefühl?
(4) gibt es etwas, was du ganz bestimmt weisst?
(5) hört die liebe niemals auf?
Kategorien: fragen
Desmond Tutu sagte in einem Interview in dem Magazin chrismon (07/2007):
“ … Unser Erlöser sprach von Christen niemals als Mehrheit. Er nannte sie das Salz. Das ist aber nicht das ganze Mahl. Er nannte sie die Hefe, die Hefe ist nicht das ganze Brot, nur ein sehr wichtiger Teil. Manchmal sind wir so versessen auf Erfolg, dass wir vergessen: Unser Glaube kommt aus Gnade und nicht aus Leistung. Wir sind beeinflusst durch die Kultur des Erfolges.“
Sich als Minderheit zu verstehen kann auch leicht fanatisch wirken. Das ist hier aber nicht gemeint. Wie kann Kirche, statt verkrampft ihre Deutungsmacht zu verteidigen, zu ihrer eigentlichen Senfkorn-Substanz zurückfinden?
Kategorien: kirche
(1) was ist das ziel der schönheit?
(2) ist beständiges erstrebenswert und lohnend?
(3) muss man konfessionell getrennte blogroll-listen machen? [möp!] rhetorische fragen sind nicht gestattet!
[nachtrag: an teresas gedenktag sollte man in bezug auf frage (2) wohl die zeile "todo se pasa - alles vergeht" aus ihrem gedicht, das mit "nada te turbe" beginnt, bedenken. mögen wir mit ihr erfahren, wie gott genüge geben kann. mögen alle, die sich zum kontemplativen gebet hingezogen fühlen, solche erfahrenen lehrer finden wie johannes und teresa.]
Kategorien: fragen · kontemplativ
„Im alten Mythos vom Fischerkönig ist das Land durch einen Fluch versehrt. Alles Wasser ist gefroren, die Erde steinhart. Keine Macht im Land vermag den Fluch zu lösen. Der König sitzt schweigend da und angelt durch ein Loch im Eis und wartet verzagt auf die Erlösung. Eines Tages kommt ein Fremder und stellt dem König die erlösende Frage. Unverzüglich taut das Eis, und die Erde wird wieder weich.“ (John Main [OSB], Das Herz der Stille. Anleitung zum Meditieren, Freiburg 2002, S. 57)
Die zwei Fragen, die der oben genannte Fremde stellt und die den Fischerkönig heilen, versteht Laurence Freeman so, dass einmal nach der Bedeutung des Lebens („Was bedeutet der Gral?“) gefragt wird und die zweite Frage aus dem Mitgefühl geboren ist („Was versehrt dich?“). (Siehe Laurence Freeman [OSB], Jesus – der Lehrer in dir, o.O. (Aurum Verlag) 2005, S. 29f.)
Eine gute Anregung, echte Fragen zu suchen.
Kategorien: fragen