Nach zwei Proben (einmal Chor, dann Chor und Orchester) folgt nun morgen eine Generalprobe und fertig ist das gesungene Evangelium von der Geburt des Herrn in Musik gesetzt vom Kantor in St. Thomas in Leipzig, Johann Sebastian Bach.
Da ich die ersten drei Kantaten des sogenannten Weihnachtsoratoriums eher vom Blatt singe, gilt es jetzt bis übermorgen soviel (Noten-)Text zu pauken, dass ich auch ein wenig auf die Hinweise vorne vom Dirigentenpult achten kann, anstatt an dem Gedruckten zu kleben. Andere singen das ja schon seit so und so vielen Jahren. Ein Mit-Tenor sagte, er hätte es zum ersten Mal mit 9 Jahren gesungen, als Sopran. Und seitdem habe er nun alle Stimmen mal ausprobiert. Dieses Werk begleitet ihn also schon Jahrzehnte lang. Interessante Vorstellung, oder?
Nach zwei Proben kennt man die Leute in so einem Projektchor natürlich noch nicht so gut. Es ist übrigens auch keine Kantorei oder so. Und in zwei Proben, wo man ganz schnell mal durch alle Chor-Nummern huscht, weiss man natürlich auch nicht so, wie die musikalische Leitung die geistliche Bedeutung dieser Musik einschätzt. Und ist das überhaupt wichtig?
Spüren die anderen den Kontrast in dem sanften Wiegenlied-Choral (”Ach, mein herzliebes Jesulein”), dessen Zeilen vom Orchester unterbrochen werden, das ihm, dem Kind in dem “rein sanft Bettelein” mit Pauken und Trompeten jetzt schon die klingenden Insignien eines königlichen Herrschers in die unbeholfenen Fingerchen drückt?
Werden die Mächtigen dieser Welt nervös, hören sie, wie ihnen “ihre” Repräsentationsmusik weggenommen und einem Kind minderbemittelter Eltern zugeeignet wird? (Nur zum Teil komponierte Bach neue Nummern – einige Sätze sind aus Huldigungskantaten an das sächsische Herrscherhaus entnommen und neu textiert.)
3 Antworten bis hierher ↓
Tino // Dezember 18, 2007 um 8:45 |
euch hackt’s doch! zwei mal probe. ich saß damals mindestens n halbes jahr jede woche in der kantorei rum, und wir haben nur kantaten 1-3 und 6 gesungen.
andererseits find ich das so besser um sich in das ganze geschehen mit einzufinden. bachs matthäuspassion hat sich auf die art und weise für immer in mein herz geschrieben :-)
viel spaß…ähm….freude bei der aufführung!
jauchzet, frohlocket (tönet, ihr pauken)
beisasse // Dezember 21, 2007 um 7:07 |
“sucht ihn in meiner brust!”
man kann das aber noch steigern. zum beispiel am 27. in der pauluskirche in kiel. da ist alles an einem tag. wild, oder? aber in der einladung dazu stand dick und fett in der obersten zeile: SOLI DEO GLORIA – mal sehen, wie es sich mit leuten musiziert, die sich so bewusst unter diese losung stellen.
holstblog » Unerschöpflicher Hörgenuss // Februar 5, 2008 um 9:59 |
[...] Weihnachtsoratorium probend stellte Beisasse die Frage, ob es wichtig ist zu wissen, wie die musikalische Leitung die geistliche Bedeutung der Musik [...]