ein neues kellion

advent eines neuen gottes

April 23, 2008 · Keine Kommentare

Advent eines neuen Gottes. Er kam nicht über das Meer als Stammesgott der Erober. Auch kam er nicht vom Osten, umwölkt von Weihrauchstäbchenduft. Diesmal zeigte auch kein Stern irgendwelchen Astrologen seinen Aufenthaltsort an. Nein, vielmehr stiess er spielend leicht mit einem Finger die Tür meiner Küche von innen auf und ich stolperte hinein - zu ihm. Von draussen höre ich noch den parkplatzbeschaffenden und um Massenbekehrung angeflehten anderen Gott seine gereizten Nörgeleien murmeln, die betont trocken waren wie aneinanderreibendes Dünndruckpapier, das doch beim Anblick eines einzigen brennenden Streichholzes gleich in Panik gerät. (Lange schon wurde er nicht mehr beachtet.) Aber auch die anderen Gott-Götzen begannen, über den Neuen zu lästern: “Was wird der schon können? Was wird er dir schon bringen? Wie lange wirst du schon mit ihm aushalten?”

Doch ist schon einmal von diesem neuen Gott gesagt worden: “Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt.” Und das ist sein Advent: Dass ich ihn nicht einschätzen kann. Dass ich seine Sprache nicht spreche. Dass es so ist, als könnte nie jemand eine Beziehung zu ihm aufbauen. Und gleichzeitig kommt er einem so vertraut vor, dass man ihn sogar etwas langweilig und gewöhnlich finden kann.

Als ich mich bei ihm fand, wollte ich ihn ansprechen, aber ich wusste seinen Namen nicht. Ich dachte, ich sollte ihn wissen - so wie wenn man im Traum oftmals meint, dass irgend etwas so sein müsse. Und ich dachte nach: Ich muss ihn doch irgendwie kennen. Aber ich kam nicht drauf.

“Wie lange bleibst du?” - “So lange du mich lässt.”

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