ein neues kellion

zwingt mich bitte nicht dazu, diesem eintrag eine fromme überschrift zu geben

Mai 29, 2008 · 7 Kommentare

In den Kommentaren zum Eintrag “spiessige identitätsverteidiger” gibt es ein paar Meinungen zum wesentlich Christlichen. Darunter findet man z.B.

  • Der Glaube an den gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes. (textomat)
  • Der Glaube an den gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes und das Leben in der Nachfolge mit ihm. (Thorsten)
  • Das Tun der Liebe bzw. Güte (caritas). (Inge)

Und dann sind da auch noch einige Versuche, zu umreissen, was Nachfolge bedeutet:

  • Jesus nachfolgen heisst, den eigenen Weg gehen. (Inge)
  • Jesus nachfolgen heisst, ihn als Weg, Wahrheit und Leben zu verstehen und seine Person in den Blick zu nehmen. (Thorsten)

(Das sind jetzt meine Zusammenfassungen, die ich aus euren Kommentaren herausgezogen habe. Hoffe, sie treffen das, was ihr gemeint habt.) Ich selber kann als meine Meinung zum wesentlich Christlichen nichts Griffiges anbieten. Ich kann nur sagen, dass es irgendwas, ähm ja, mit der Person Jesu zu tun haben muss. Das gilt auch für die Nachfolge. Dabei kommt bei Inges Meinung Jesus nur scheinbar nicht vor. Denn es liesse sich durchaus sagen, dass man Jesus eben darin nachfolgt, dass man seinen eigenen Weg geht, genauso wie Jesus seinen eigenen Weg gegangen ist. Der Meister aus Nazaret sagt selbst, dass jeder sein (eigenes) Kreuz auf sich nehmen solle. Und man könnte es dann, wenn er weiter sagt “… und folge mir nach”, es so verstehen: “Weiche deinem Kreuz, weiche deinem Leben nicht aus. Und geh deinen Weg bis zum Ende. So wie ich.”

Weg | Und der Weg, der nicht bloss aus vielen Vermeidungswegen besteht, die aus der Angst vor meiner eigenen Persönlichkeit oder vor dem, was die anderen sagen etc. als Fluchtwege benutzt werden, ist eben “der Weg”, der “richtige Weg”. In diesem Sinne kann Jesus im Johannesevangelium sagen, dass er der Weg ist.

Wahrheit | Ein solcher Weg nimmt die Wirklichkeit an: meine eigene Wirklichkeit, wie ich geworden bin, wie ich geprägt und begabt und manchmal zermürbt worden bin. Und dann die Wirklichkeit der anderen, die mich ermutigen oder enttäuschen oder mir helfen oder mir schaden. Jesus ging diesen Weg und in diesem Sinne kann er als “Wahrheit” verstanden werden.

Leben | Ja, und es ein Weg zum Leben. Leben ist “das alles”. Dies erfährt der zum Pfahl verurteilte galiläische Wanderprediger: Durch die Gegebenheiten der Wirklichkeit (”Wahrheit”) hindurch bis zum Tod, erfahre ich: das ist Leben.

Übrigens: Auf die umrissene Weise den Weg gehen, kann man auch, wenn man noch nie etwas von Jesus gehört haben sollte. Und doch geht man ganz genauso wie er seinen Weg ging. Man könnte also sagen, dass es Menschen gibt, die “Jesus nachfolgen” ohne ihn so zu kennen, wie Christen von ihm erzählen.

Kategorien: fragen · kirche · weg
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7 Antworten bis hierher ↓

  • Onkel Toby // Mai 29, 2008 um 9:33 | Antworten

    Wow.

  • wessnet // Mai 30, 2008 um 6:02 | Antworten

    Auch wow, aber mir fehlt ein Aspekt: Die Beziehung
    zu Jesus, also nicht nur “so wie ich”, sondern “mit mir”…

  • inge // Juni 3, 2008 um 8:44 | Antworten

    nochmals anselm grün, nicht weil ich mich hinter seiner autorität verstecken, will, sondern weil mich die worte, die ich von ihm in osnabrück aufgeschnappt habe, erstaunt haben, so ungefähr ” und das hat jetzt gerade ein katholischer ordensgeistlicher gesagt…” den engen weg gehen und nicht die breite strasse – das hat er noch zusätzlich mit einer geschichte von franz kafka illustriert …(aber das wird wohl ein wenig zu lang werden für einen kommentar im neuen kellion).

  • wessnet // Juni 3, 2008 um 8:46 | Antworten

    …ich warte ja eh schon auf den Inge-Blog, das wäre doch mal diiieee Gelegenheit…

  • beisasse // Juni 4, 2008 um 6:47 | Antworten

    genau, inge. fang doch einfach mal einen blog an!

  • inge // Juni 13, 2008 um 6:09 | Antworten

    wie ihr es schafft neben dem alltäglichen leben noch einen blog mit fast täglichen guten einträgen zu führen ist mir komplett schleierhaft, alle achtung! ausserdem extrahiert der beisasse aus meinen kommentaren fast perfekt, das was ich sagen wollte und formulierte es auch noch besser!

  • beisasse // Juni 14, 2008 um 12:51 | Antworten

    aber wenn wir alle einen blog hätten, könnten wir uns immer gegenseitig sagen was für tolle blogs wir haben, oder? :-)

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