ein neues kellion

keine sühnopfer – nur barmherzigkeit

Juni 19, 2008 · 9 Kommentare

„Geht und lernet verstehen, was das heisst: ‘Erbarmen will ich und nicht Opfer.’“

Kategorien: fragen
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9 Antworten bis hierher ↓

  • wessnet // Juni 19, 2008 um 11:00 | Antworten

    „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“

    Getaggt: Joh 15,13, Jesus, Einmal und dann nie wieder (siehe Kommentar von Christin(a) )

  • Christin(a) // Juni 19, 2008 um 6:04 | Antworten

    oh, da ist es wieder, das Wort, das mir unter die Haut geht: ERBARMEN. Ich habe mich lange gefragt, warum mich dieses Wort so sehr berührt, bis ich erfuhr, dass das hebräische Wort für erbarmen – „raham“ – auch für Uterus/Mutterschoß steht. Ist das nicht fantastisch….? „erbarmen will ich und nicht opfer!“

    Finde diesen Blog übrigens sehr ge-halt-voll!!! Glückwunsch!
    Gruß, Christin(a)

  • beisasse // Juni 19, 2008 um 6:10 | Antworten

    danke, thorsten. das berührt mich sehr. – danke für die blumen, christin/a.

  • beisasse // Juni 20, 2008 um 4:12 | Antworten

    der satz aus dem johannesevangelium hat mich erst einmal – gar nicht negativ gemeint – zum schweigen gebracht. jetzt fängt es in meinem kopf wieder an zu denken. folgende hinweise sind zu erwähnen:

    1. die grunderzählung im johannes ist nicht die von der notwendigkeit eines sühnenden opfers, sondern vom logos, der in die welt kommt und von ihr nicht erkannt und verworfen wird. der tod jesu ist in dieser erzählstruktur eine konsequenz des verworfenseins durch die menschen, d.h. es sind die menschen, die hier den tod jesu verantworten und nicht etwa ein gott, der durst nach rache und blut hat.

    2. ist der kreuzestod in der erzählung des johannesevngeliums als sühnopfer dargestellt? vielleicht, aber nicht ausschliesslich und nicht vorherrschend. in den abschiedsreden etc. spricht jesus von seinem tod eher als „heimkehr zum vater“ oder „erhöhung“ oder „verherrlichung“ etc.

    3. „der gute hirte lässt sein leben für die schafe“ – gehört auch zum klang des johannesevangeliums. dies gehört in den themenkomplex „bleiben“, das in diesem evangelium auch eine prominente rolle spielt („bleibet in mir etc.“, „im vater bleiben etc.“) – auch hier ist es eine konsequenz des treuen hirten, der bei den seinen bleibt, die in seinem gefolge eben genauso angefeindet und von den anderen verworfen werden.

  • wessnet // Juni 20, 2008 um 5:45 | Antworten

    Jetzt mal ganz ehrlich: Das mit dem Sühneopfer gefällt mir gedanklich auch nicht.

    Ich war sogar mal eine längere Zeit Vegetarier, da mich der Gedanke plagte, warum man empfindende Wesen tötet, wenn man sich ohne Verlust auch pflanzlich ernähren kann.

    Und Menschen, die Tiere grundlos töten, sind mir zutiefst zuwider.

    Erst recht stehe ich erschreckt vor der Frage, ob Gott denn sogar ein menschliches Opfer zur Sühne braucht.

    Man müsste aber wohl die zahlreichen Stellen im AT und NT, die dir gewiss wohlbekannt sind, ordentlich verbiegen, um von dem Gedanken weg zu kommen, dass Jesus einen „Opfertod“ gestorben ist. „Siehe das Lamm…“

    Gerade aus der Johannesstelle entnehme ich aber
    einen für mich annehmbaren Aspekt: VIELLEICHT hätte Jesus nicht „gemusst“, aber er tat es in verblüffender Liebe freiwillig, für uns, damit wir erkennen, wie weit seine Liebe geht. Das ist doch ein unglaublich schöner Gedanke, oder?

  • Christin(a) // Juni 20, 2008 um 8:29 | Antworten

    Ein wirklich schöner Gedanke, „Wessnet“.
    Ich merke, dass ich pers. mit diesem ganzen Schuld- und Sühnethema immer wieder an einen Punkt komme, wo alles so dicht wird (angefangen von den Bezügen zum „Gottesknecht“ bei Deuterojesaja, bis hin zu verstehen, was geschichtl. so vor sich ging – Angst auf allen Seiten…). Ich komme dann nach geraumer Zeit immer wieder an den einen Punkt, wo ich glaube, dass es letztlich darauf ankommt, was wir draus machen – „Opfer“ hin oder her… (oh, Ausflucht) Also, d. h. für mich, aus „therapeutischer“ Sicht zu schauen: bin ich auf Golgatha angekommen, wie die Marien, der Schutzmann, Johannes und bekenne mich? Bin ich fähig, Leid ins Gesicht zu schauen? Laß ich diese unübertroffene Liebe zu? Verpflastere ich meine Wunden oder halte ich sie – und mich – hin? Und vor allem: bin ich auf dem Weg „nach Ostern“??
    Ein weiterer Gedanke: das Kreuz wird oft als „Lebensbaum“ bezeichnet. In Ex. verwährt Gott den Zutritt zum Baum des Lebens – dann wird der Weg zu Gott vielleicht durch Jesus wieder „geebnet“. Ein Angebot, aus der Zerrissenheit zur immer ersehnten Einheit… wir trennen, ER verbindet…ich verschone Euch aber jetzt mit weiteren unausgegorenen Gedankengängen. Ist doch einfach spannend und nie zu ende…:-)
    Grüße
    Christin(a)

  • beisasse // Juni 21, 2008 um 9:37 | Antworten

    lieber thorsten, man braucht keine stellen zu verbiegen. man muss nur auch die anderen stellen sehen, die auf andere weise vom tod jesu sprechen als von dem opfer, das einem zornigen gott genugtuung verschafft. und man muss reflektieren, ob man nicht ständig eine archaische vorstellung in den biblischen text hineinliest.

    (was allerdings zu zensieren wäre, sind unsere lieder, in denen so eine lehre immer noch einseitig weitergetragen wird.)

    und siehe da: deine interpretation ist eine ansprechende schlüssige weise, vom tod jesu zu sprechen: sie ist als „argument“ nicht an einen nach genugtuung rufenden gott gerichtet, sondern an die menschen, die sehen sollen: schau, so weit geht mein ernst, bei euch sein zu wollen, bis in die letzte konsequenz hinein.

    hier ist es also kein sühneopfer, sondern ein opfer aus hingabe.

    christin/a, ich glaube, unsere gedanken laufen in die ähnliche richtung. was du schreibst erinnert mich an die „poetik“ des aristoteles, in der er von der kathartischen wirkung der tragödienstücke spricht. – thorsten spricht von der freiwilligen hingabe. und die kann uns so erschüttern, dass unser falsches bild vom blutgierigen gott zertrümmert wird und wir den gott jesu als unendlich erbarmenden erkennen können.

  • nicht gerechtigkeit rettet uns, sondern verzeihen « ein neues kellion // Juni 27, 2008 um 2:47 | Antworten

    [...] keine sühnopfer – nur barmherzigkeit [...]

  • nicht frei vom leiden « ein neues kellion // Juli 2, 2008 um 7:00 | Antworten

    [...] warum wir töten müssen, um zu leben. (Thorsten hat wohl als Erwachsener sich für eine Weile dessen enthalten.) Eine buddhistische (?) Rezitation vor dem Essen lautet so: (…) Dankbar nehmen wir dieses [...]

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