Beiträge vom Juli 2008
sich selbst wählen
Juli 16, 2008 · 8 Kommentare
Zwar wurde mir irgendwo einmal erläutert (Kierkegaard, Die Krankheit zum Tode?), dass wir uns nicht selber setzen können. Aber anders geht es nicht, glaube ich. Wenn wir uns und unser Leben nicht selber wählen, können (und brauchen) wir auch keine Verantwortung zu übernehmen. Wir müssen uns selber sagen, wer wir sind, denn nicht einmal Gott wird es uns sagen.
Es ist fahrlässig, unsere Selbstvergewisserung irgendwo aussen hin zu verlegen: Freunde, Partner, Beruf, Güter, Religion, Gott. Diese Dinge sind schwankend und selten eindeutig. Zwar sieht es in unserem Inneren auch nicht besser aus – auch hier gibt es nichts Beständiges. Aber ich ziehe es vor, meiner eigenen Unbeständigkeit ausgeliefert zu sein als anderen Dingen, die aussen sind und auf die ich nun wirklich keinen Einfluss habe.
Dies als Ergänzung zum gestrigen Eintrag.
Kategorien: buddhismus · fragen · kontemplativ · weg · üben
Mit Tag(s) versehen: aussen, Gott, Ich, innen, Leben, Unbeständigkeit, Wahl
du bist mit einem defekt geboren
Juli 15, 2008 · 12 Kommentare
Und immer bleibt ein Schatten des Zweifels, der mein Leben bestimmt. Unbewusst und undeutlich gibt es in mir die Überzeugung, dass es nicht richtig ist, dass ich existiere. Und zweitens: dass Gott es nicht wirklich gut mit mir meint (und eigentlich auch sonst keiner) – wobei ich das nicht mal ganz so schlimm finde.
Zur ersten Überzeugung tragen alle möglichen Leute bei. Und Leute, die mich vom Gegenteil überzeugen wollen, scheitern immer wieder. Und wie will man mit dem christlichen Glauben kommen, der einem mit einem unreflektierten Begriff von Ursünde schon sagt: Du bist mit einem Defekt geboren.
leben lernen
Juli 11, 2008 · 3 Kommentare
Lieber Bruder Benedikt von Subiaco,
wo sind deine mutigen Töchter und Söhne? Wo sind die, die hören und „endlich einmal aufstehen“ mögen, um sich einzusetzen in einer Lebensschule? Anstatt leben zu lernen, erfuhr ich mit einigen deiner Schüler ungeheure Lebensangst, konfliktscheue Feigheit bis zur Erstarrung, und daraus resultierend unnötige Verletzungen und Angriffe auf die Integrität meiner Person.
Ich weiss nicht, was ich heute an deinem Gedenktag feiern soll. Ich werde einfach in meinem Subiaco sitzen und meinen eigenen Weg finden. So hast du’s ja auch gemacht. Vielleicht treffen sich unsere Wege noch einmal mal. Bis dahin bleibe ich dir im Gebet verbunden -
dein Beisasse
Kategorien: kirche · monastic
Mit Tag(s) versehen: Communio Sanctorum, St. Benedikt
keine weise
Juli 11, 2008 · 6 Kommentare
Benediktinisch, franziskanisch, evangelisch, katholisch, jesuitisch, charismatisch, Herzensgebet, Rosenkranz, Christusrosenkranz, Zen, Vipassana, Yoga, Kontemplatives Gebet, Centering Prayer, Perlen des Glaubens – Die Leute suchen vielerlei Weisen, sagte ein mittelalterlicher Meister. Aber auf die Weise kommt es gar nicht an. Die „Weise“ ist ein Stil, eine private Mode, ist Koketterie und Cliquen-Klüngel-Kram.
Ab heute will ich alle spirituellen Stilfragen lassen und auf ganz einfache Weise auf die unmittelbare Erfahrung zu schauen suchen.
Übrigens: Heute ist für die benediktinische Familie das Hochfest des heiligen Mönchsvaters Benedikt. – Ist das irgendwie von Bedeutung? – Nein.
Kategorien: kontemplativ · monastic · üben
Mit Tag(s) versehen: Meister Eckhart, Spiritualität, St. Benedikt
kirche und dominanzstreben
Juli 9, 2008 · Kommentar schreiben
Es gibt Macht und Streben nach Dominanz in Kirche, angefangen von Super-Strukturen bis hin zu Kirchengemeinden, Gemeindegruppen und auch in geistlichen Gemeinschaften (i.e. „Klöster“) etc. Das Schlimme ist nicht, dass es Dominanzwillen in Kirche gibt, sondern dass sie geleugnet oder im schlimmsten Fall religiös untermauert wird.
So sehr auch immer wieder versucht wird, dem Evangelium gemäss „anders“ (und was heisst das?) mit Macht umzugehen: Bitte reflektiert das noch einmal mit etwas mehr Realismus! Es gibt Macht in Kirche und in geistlichen Gemeinschaften und Gruppen – das ist nun einmal so. Wenn sie geleugnet wird, oder wenn keiner transparent Verantwortung für die Ausübung von Macht übernimmt, entsteht ein scheinbares Machtvakuum, das oft von launischen, vorlauten und unreifen Menschen ausgenutzt wird. Und dann hat man den Salat.
Ich hatte mal ein Buch in der Hand, das bei der Reflexion helfen könnte:
ohne mühe
Juli 7, 2008 · 7 Kommentare
Ich möchte einmal froh und zufrieden sein, ohne mich dafür anstrengen zu müssen. Das andere (sich anstrengen und sich bemühen mit dem Ergebnis: kein Erfolg, Frustration etc.) kenne ich schon. Wie geht das noch mal – unbeschwert und unbekümmert zu sein?
Kategorien: fragen · üben
Mit Tag(s) versehen: Erfolg, Leben
wir sind christus, hier und jetzt
Juli 5, 2008 · 2 Kommentare
„Wir sind Christus, hier und jetzt.“
(depone)