ein neues kellion

Beiträge vom Oktober 2008

ein solipsist kommt selten zu zweit

Oktober 31, 2008 · 3 Kommentare

Gestern sagte jemand zu mir: „Immer wenn ich dich sehe, frag ich mich, ‘Wo gehört der Junge eigentlich hin?’“ Das frage ich mich jeden Tag.

Und doch habe ich da auch so ein Selbstbewusstsein zu sagen: Ich bin ein Einzelner, ein monachos im einfachsten Sinn des Wortes. Ich habe mich recht gut eingerichtet in meinem Eigenheim des Inneren Menschen. (Während übrigens andere Freunde von mir Grundstücke kaufen und ein Haus bauen.) Mitten in der Unbehaustheit der Existenz wohne ich in meiner selbstgebauten inneren Hütte bei mir selbst. Ist natürlich – wenn das jetzt ein Film wäre – eine ideale Ausgangslage für den Plot: Langweiliger Solipsist (gespielt von mir) wird durch lebenslustige Draufgängerin (gespielt von einer Emma Thompson in meinem Alter) zum Leben und zur Liebe verführt. Emma Thompson wäre doch jetzt mein Typ oder nicht?

Kategorien: nix · weg
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wir stolzen menschenkinder

Oktober 29, 2008 · 2 Kommentare

Wir stolzen Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel.
Wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.
(Matthias Claudius 1779)

Diese Strophe aus dem Lied „Der Mond ist aufgegangen“ (Evangelisches Gesangbuch Nr. 482) ist mir gestern nahegegangen. Bedeutung und Sinn, Realität und das, was vor Augen ist – das ist uns einfach abhanden gekommen. Ziellos treiben wir im Leeren.

Kategorien: fragen
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adieu sagen (in hamburg sagt man tschüss)

Oktober 27, 2008 · Kommentar schreiben

Wir haben – so weit ich es beurteilen kann – nur dieses Leben. Und wenn wir sterben werden wir nicht geniessen, was wir „in diesem Jammertal“ entbehren mussten. (Ich möchte jedenfalls nicht von Jenseitsversprechungen verscheissert werden.) Jetzt müssen wir uns bemühen. Alles, was wir jetzt beginnen, hat wenigsten eine Chance, Frucht zu bringen. Allem anderen sagen wir jetzt schon mal Adieu.

Üben: Adieu sagen.

Kategorien: fragen · üben
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die benediktiner sind die besten

Oktober 23, 2008 · 8 Kommentare

Qualitätsfernsehen! Heute abend beginnt auf 3sat eine sechsteilige Reihe, in der „die sechs wichtigsten und grössten Orden“ der Kirche vorgestellt werden. Und natürlich beginnt die Reihe mit den Benediktinern, die sich ja schon immer für die Elite des westlichen Mönchtums gehalten haben.

23.10.2008 (Donnerstag)
20:15 Uhr
auf 3sat
Te Deum – Himmel auf Erden
Sechsteilige Reihe von Susanne Aernecke
1. Das rechte Maß – Die Benediktiner

Kategorien: monastic
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the sechste sense

Oktober 21, 2008 · 3 Kommentare

Niemals befinden wir uns am Ende einer Geschichte. Wir stecken immer nur drin. Eingezwängt sitzen wir zwischen zwei Stühlen. Eine Arschbacke links, wo sich unsere Eltern niedergelassen haben. Arschbacke Numero Zwo rutscht auf den anderen Stuhl, wo sich so ein Typ mit billigem Halloweenkostüm breit gemacht hat. Dazu hat er ein Requisit, ist wohl ne Sense, die wie neu aus dem Laden gekauft scheint, blitzblank. Passt überhaupt nicht zum Gruft-Skelett-Look. Ist ja egal. Aber nun versucht mal was Sinnvolles aus eurem Leben zu machen.

P.S. Am nächsten Freitag ist Gedenktag der Reformation.

Kategorien: nix
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für immer bleiben

Oktober 15, 2008 · 4 Kommentare

Derzeit werden bei uns im Haus zehntägige Kontemplative Exerzitien durchgeführt. Netterweise gibt es ein Gast-Meditationsbänkchen, das ich vor allem morgens um 7.00 besetze. Irgendwie hat das was, dieser Ernst – wobei hier und da auch verschmitztes Grinsen aufblitzen kann -, dieses „edle Schweigen“, das sich des Hauses bemächtigt. Am liebsten würde ich die Kursteilnehmer fragen, ob sie nicht für immer bleiben wollen. Dann können wir jeden Morgen um 7.00 ne Stunde meditieren. Das wär doch schön, oder?

Kategorien: kontemplativ · üben
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krabat – zurück zum buch

Oktober 13, 2008 · Kommentar schreiben

Worum es bei (dem Film) „Krabat“ geht – das ist nicht leicht zu beantworten. Buch und Film enden wohl damit, dass der Müllergeselle Krabat von seiner Liebsten ausgelöst wird. Aber die Liebe, die (mal wieder und auch hier) alles Böse (hier: den Müllermeister) überwindet, ist nicht das übergreifende Deutungsprinzip, das die verschiedenen angeschnittenen Themen zusammen zu binden vermag.

Und auch der Satz

„Alles auf dieser Welt hat seinen Preis.“

der mir auf dem Filmplakat schon aufgefallen war, taugt nicht als griffige Botschaft: Eine Opferthematik (die sich in diesem Satz ausdrückt – was ist das Opfer anderes als ein Handel und ein Tauschgeschäft?) im Sinne eines (heroischen) Selbstopfers kommt in der Handlung gar nicht vor.

Eigentlich können wir ganz zufrieden sein: Man kann anscheinend auch einmal Geschichten erzählen, die gänzlich frei sind von christlicher Kulturgeschichte. Das Problem ist nur, dass das Erzählen dem Film nicht ganz gelang. Dass ich nicht voller Enttäuschung das Kino verliess, lag wohl daran, dass ich in den Film meine Erinnerungen an die Lektüre von Otfried Preußlers „Krabat“ eintrug. Wahrscheinlich funktioniert der Film nur als Illustration zum Buch, als Anlass, wieder zum Buch zu greifen.

Kategorien: bücher, musik etc.
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relativierte gnade

Oktober 8, 2008 · 5 Kommentare

Beim Konzept der Gnade ist da doch was schief gewickelt. Denn bevor einem gesagt wird, dass man ganz ohne Vorbedingungen angenommen ist (bei Gott), wird einem die Geschichte von Jesus als Illustration eines Blutopfer-Mechanismus erzählt. So ein Gott kann nur gnädig sein, wenn er zuvor seinen Rachedurst abreagiert hat – an seinem eigenen Sohn, als „makelloses Opfer“ oder so.

Und überall da, wo wir Verunsicherung spüren oder wo es Streitpunkte um ein angemessenes Leben vor Gottes Augen (man denke an die Lieblingsthemen der Evangelikalen) gibt, wird Gnade relativiert. Gnade scheint nie zu reichen. Wir scheinen nie genug zu tun oder irgendwie nicht das Richtige.

Ich komm da nur wieder drauf, da das Plakat der Verfilmung von Otfried Preußlers „Krabat“ (1971 erschienen) uns die scheinbar unvermeidliche Wahrheit vor den Latz knallen will:

Alles auf dieser Welt hat seinen Preis.

Gnade sollte umsonst sein. Find ich.

Übrigens macht die Webseite zum Film richtig Spass. Und da ich so ein Mainstream-Kultur-Konsument bin, freu ich mich natürlich auch auf den Kinostart.

Kategorien: bücher, musik etc. · fragen · g'tt · kirche
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ein tischgebet und der gott von nebenan

Oktober 7, 2008 · Kommentar schreiben

Der du der Erde Brot gegessen,
mit Sündern hast zu Tisch gesessen,
Herr Jesu, komm und mach uns satt,
dass Leib und Seel Genüge hat.

So betete letzte Woche eine ältere Frau vor dem Essen und ich schrieb es mir auf. Hat mir Lust gemacht, wieder bei Tisch zu beten. – Und heute fielen mir folgende Zeilen im Gesangbuch auf:

Die Klagemauer -
im Blitz eines Gebetes
stürzt sie zusammen.
Gott ist ein
Gebet weit
von uns entfernt.
(Nelly Sachs)

Kategorien: g'tt · üben
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herr p. und seine plätzchen

Oktober 6, 2008 · Kommentar schreiben

Zum Blogeintrag „kontextlosigkeit“ eine Ergänzung:

Nach langem Forschen hatte Herr P. herausgefunden, dass in einem fernen Land noch immer Sträucher existierten, deren Samen seiner Spezialität, kleine dunkelbraune Plätzchen, die ganz besondere Note geben konnten. Schon ohne diese Zutat wurden die Plätzchen äusserst geschätzt bei denen, die sie vom Kaffeebesuch bei Herrn P. kannten. Aber es reizte Herrn P. doch, den Geschmack seiner Plätzchen so zu verfeinern, um zur Grenze aromatischer Vollkommenheit zu gelangen.

Herr P. bereitete sich auf die lange Reise vor. Im Antiquariat konnte er Grammatiken auftreiben und lernte die fremde Sprache so gut es ging. Und tatsächlich: Herr P. hatte Glück und fand gleich bei seiner ersten Reise ins Fern-Land jene Sträucher und erbat sich bei einem einheimischen Gärtner eine kleine Ernte jener besonderen Samen.

Wieder zu Hause jedoch, o weh, musste Herr P. feststellen, dass die Samen die lange Reise nicht überstanden hatten. Und so begann Herr P. jedes Jahr – denn nur einmal im Jahr war ein bestimmter Gebirgszg überquerbar – in das ferne Land zu fahren. Er hatte immer viele verschiedene Ideen, wie man die Samen frisch halten konnte, und dann als nichts gelang, überlegte er, wie er wohl die Sträucher bei sich im eigenen Garten anbauen konnte. Mehrere Male war Herr P. nun in Fern-Land gewesen und hatte neben seinem Sträucher-Projekt nebenbei auch andere Dinge dort entdeckt, die sein Interesse weckten. Der Gärtner, den er bei seiner aller ersten Reise kennen gelernt hatte, wurde von einem Bekannten zu einem guten Freund.

Eines Tages, als ihn der Frust über seinen Misserfolg beim Backen der weltbesten Plätzchen sehr heftig überkam, beschloss Herr P. ins Fern-Land zu ziehen. Auswandern! Und so siedelte sich Herr P. in Fern-Land an und konnte endlich seine kleinen dunkelbraunen Plätzchen mit der besonderen Zutat backen.

Jedes Jahr schickte Herr P. seinen alten Freunden nach der Erntezeit der besonderen Samen eine Dose mit seinen Plätzchen. Und es geschah noch etwas anderes sehr Schönes: Die neuen Freunde im Fern-Land waren begeistert von Herrn P.s Plätzchen und sein Rezept verbreitete sich dort im ganzen Land. Und sie wurden so heimisch dort, dass man jetzt nach vielen vielen Jahrhunderten fast gar keine Erinnerung mehr daran hat, dass das Plätzchenrezept von einem Mann aus einem fernen und fremden Land mitgebracht worden sind.

Kategorien: weg
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