Wer die Einsamkeit nicht irgendwie liebt, ist kein monachos.
Letztens sah ich mich mit der Forderung nach christlicher Liebe und Zuwendung konfrontiert. Oft sagen fromme Zungen ja, die Entscheidung für die Ehelosigkeit sei eine Entscheidung gegen eine exklusive Zweisamkeit, um „frei zu sein für … den Dienst … und letztlich für alle“. Da muss ich aber sagen: Nee, das ist eine Überforderung für mich. Das ist bei mir nicht drin. Priester, aufopferungsvolle Ordensfrauen und andere professionelle Nächstenliebende dürfen das gerne sagen. Ich nicht.
Der Vorwurf, Kontemplative würden sich nur um sich selbst kümmern, liegt ja auch auf der Hand. Es gibt da die Redefigur, dass man in der kontemplativen Schau ja eigentlich mit allem verbunden sei. Aber ich würde zu meiner Verteidigung – dass auch meine Ressourcen für Zuwendung und sozialer Kommunikation beschränkt sind – gar nicht so eine All-Einheits-Phantasie bemühen wollen. Es ist viel nüchterner: Im Rückzug, im Alleinsein berühre ich einen Ort, den wir alle miteinander teilen: die Grundeinsamkeit des Individuums. Dass wir die Person sind, die wir sind, hat auch etwas mit Isolation zu tun. Ich bin nicht Du. Du bist nicht Ich. Und nur, wenn das so ist, kann es Begegnung geben.
(Aber ich befürchte, das verstehen viele Menschen nicht, die in Gruppen oder in einer intimen Beziehung Heimat oder die Freude der Begegnung suchen.)
5 Antworten bis hierher ↓
Markus // November 26, 2008 um 9:48 |
„Es ist viel nüchterner: Im Rückzug, im Alleinsein berühre ich einen Ort, den wir alle miteinander teilen: die Grundeinsamkeit des Individuums.“
Ja, so einfach ist das. Das ist übrigens sehr tantrisch, weißt du das? Obwohl es yogisch aussieht, ist Einsamkeit Alleinsein in der Fülle der Stofflichkeit. Weil es tantrisch ist, tut es weh, und weil es tantrisch ist, ist das auch richtig so.
beisasse // November 28, 2008 um 12:09 |
äähhm. nee, weiss ich nicht. aber immerhin griff ich zu heinrich zimmer, „philosophie und religion indiens“ (suhrkamp) und las das tantra-kapitel durch. neue vokabeln. in die richtung kann man weiter denken: kein extremer nicht-dualismus. (habe ich verstanden?)
Markus // November 28, 2008 um 5:18 |
Greif mal zu: Chögyma Trungpa Rinpoche „Feuer trinken, Erde atmen“ – das war für mich, wenn auch nicht ganz einfach, ein Augenöffner. Im Tantra öffnet sich ein spiritueller Weg Richtung Materie, sogar Magie, Richtung Schamanismus. Da, denke ich, geht ein wichtiger Weg lang zu einem integralen Menschsein, Mensch-auf-der-Erde-Sein.
beisasse // Dezember 1, 2008 um 11:43 |
mein problem ist so ein hang zur gründlichkeit. wenn ich jetzt meine nase in den tibetischen buddhismus stecke … das ist wieder ein neues fass. ich kenne den zen nicht mal annähernd gut – irgendwie denke ich oft: sich zu vertiefen, dass bin ich den spezifischen kulturen und traditionen schuldig.
aufessen ist gehorsam « ein neues kellion // Dezember 1, 2008 um 11:46 |
[...] ich also letzte Woche (indirekt?) über Ehelosigkeit was gesagt habe, ist dies der Eintrag zu Gehorsam. Denn das ist Gehorsam: Dem Tag gehorchen, dem Tag und den [...]