ein neues kellion

Beiträge vom Februar 2009

auf dem weg zum neuen das alte verlernen

Februar 19, 2009 · 8 Kommentare

Schlagen wir ein neues Kapitel auf. Vielleicht wäre es auch einmal nett, das neue kellion zu einem neuen Loft auszubauen – aber das werden wir sehen. Auf alle Fälle, ist es Zeit, nach neuen, anderen Formen der Heiligkeit zu suchen und zu forschen. Lange genug waren wollten wir vom Meister der Benediktsregel lernen, übten das Stundengebet und die Lectio, liebten die Liturgie und den Gesang. Nachdem wir Schiffbruch erlitten haben, Veleumdung und Feindschaft, Feigheit und Enge durch Mönche des Klosters N., ist deutlich genug: Dieser Ort muss gemieden werden – wenigstens für eine längere Zeit. Vor allem innerlich muss dieser Ort gemieden werden. Durch die räumliche Nähe und den kirchlichen und beruflichen Zusammenhang, in dem ich stehe, wird es nicht zu vermeiden sein, das Gelände zu betreten.

Wir müssen jetzt ganz engagiert danach fragen, was eine Spiritualität von Laien sein könnte. Es ist eigentlich vor allem die Neugier – und nicht die Verbitterung, die mich lockt, nach neuen Geschichten und Begriffen zu suchen. Und gleichzeitig befürchte ich, dass ich gänzlich unbegabt bin für die Art von Heiligkeit, die hier gefragt wäre. Ich denke da an Dorothy Day, der „katholischen Anarchistin“, oder an Madeleine Delbrêl, mit ihrem konkreten sozialen Einsatz. Aber irgendwie ahne ich: Etwas nicht zu können ist auf dem Weg der Heiligkeit der beste Ausgangspunkt.

Auf dem Weg dorthin, werde ich vielleicht auch einfach erst einmal damit beschäftigt sein, das Alte zu verlernen.

Nachtrag: Das Projekt, die Wolke des Nichtwissens erneut zu lesen, ist nicht aufgegeben. Der letzte Eintrag passt ganz gut zum Stichwort „verlernen“: vergessen und nicht-wissen

Nachtrag 2: Ich habe auch irgendwie gerade das Bedürfnis nach selbstverordnetem Autismus, deshalb ist die Blogroll entfernt worden.

Nachtrag 3: In den Kommentaren zu diesem Eintrag wird der Fokus revidiert: Das Verlernen steht im Vordergrund – das Neue wird von alleine erscheinen oder auch nicht. Danke, Markus, für die Kurskorrektur.

Kategorien: liturgie · monastic · weg
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exsultet!

Februar 13, 2009 · 3 Kommentare

Im evangelischen Kalender ist man seit einer Woche in die Vorfasten vorgerückt. Man beginnt, an die Fastenzeit zu denken (Soll ich dieses Jahr mal den Fastenkalender „Sich entscheiden“ besorgen?), aber auch an das Triduum (Gibt es diesmal einen Psalm, der uns durch die drei Tage begleiten kann?). Und so stelle ich für Leute, die noch weiter denken, eine Aufnahme des Exsultet zur Verfügung:

Wichtige Anmerkung: Die Fassung des Exsultet von Norbert Lohfink (Übersetzung) und Erwin Bücken (Vertonung) wurde an einigen wenigen Stellen für eine evangelische Feier angepasst. Das betrifft den Wechselgruss („Der Herr sei mit euch etc.“) und auch die Idee (nach einer englischen Fassung der Evangelical Lutheran Church in America), die Gemeinde in den Ruf „Dies ist die Nacht“ mit einzubeziehen.

Wer die Vorlage haben möchte, aus der ich gesungen habe, kann mir eine E-Mail schreiben. Ich kann eine pdf-Datei schicken.

Kategorien: hören · liturgie
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christophoreszierend

Februar 12, 2009 · 4 Kommentare

„Bist du klug genug, um ohne Doktortitel in der Welt herumzulaufen?“ – Dies war bei jemandem – so erzählte man mir – die ausschlaggebende Frage, die nach langem Hin-und-Her-Überlegen dazu führte, doch noch zu promovieren. Im neuen kellion und an anderen alltäglichen Orten fragt man sich folgendes:

„Bist du so ‘christophor’, so transparent auf Christus hin, dass du dir leisten kannst, ohne Habit durch die Welt zu laufen?“

Dabei wollen wir gar nicht irgendeinen kosmischen Christus meinen, auf den hin wir transparent sein wollen, sondern den Handwerker, der in seinen ersten drei Lebensjahrzehnten verborgen lebte und das Alltägliche tat.

Denken wir auch daran, was Madeleine Delbrêl für uns sagt:

„Wir sind echte Laien, die keine anderen Gelübde haben als unser Taufversprechen und seine Wirklichkeit und die Wirklichkeit unserer Firmung. Die Arbeit dient uns als Ort unseres Zeugnisses für das Evangelium, als Feld der Begegnung mit unseren Mitmenschen.“

Kategorien: monastic · weg
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widerspruch aus loyalität

Februar 6, 2009 · 22 Kommentare

Es ist nicht nur ein mediales Phänomen, was derzeit um die Aufhebung der Exkommunikation von Mitgliedern der Piusbruderschaft alles aufgehäuft wird. Ich bekomme auch E-Mails von Freunden und Bekannten, die z.B. dazu einladen eine Petition zu unterschreiben oder die einfach dazu ermutigen, nicht zu resignieren (so auch in einer Predigt von Klaus Mertes SJ). Das Volk der Kirche ist verunsichert und verstört darüber, dass Sondergruppierungen so viel Aufmerksamkeit und Entgegenkommen von seiten ihres Hirten erhalten.  Es mag auch viel Dreck geben, das derzeit auf den Bischof der Weltkirche geworfen wird, aber wir wären eine stumpfsinnige Herde, wenn wir unseren Hirten nicht fragen dürften, wohin er steuere, wenn er sich mit Menschen versöhnt, die das Grundereignis unseres Selbstverständnisses als Kirche im dritten Jahrtausend, nämlich das 2. Vatikanische Konzil, ablehnen. Hinzu kommt, dass einer von ihnen die Grunderschütterung des 20. Jahrhunderts, den Genozid an Juden während der Gewaltherrschaft der Nazis leugnet.

Es mag vielleicht wie eine antikatholische Medienkampagne aussehen, aber die Ereignisse und Nachrichten haben scheinbar eine Betroffenheit unter „ganz normalen“ katholischen Gläubigen ausgelöst. Vielleicht wird sie aber dazu beitragen, dass viele sich darauf besinnen, wo sie stehen. Vielleicht wird sie auch eine Renaissance des Geistes des Aggiornamento hervorbringen. Dann hätten die Verwirrungen der letzten Tage doch noch ihr Gutes.

Kategorien: kirche
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te magis novisse

Februar 1, 2009 · 10 Kommentare

Was wäre, wenn Jaques Berthier, der „Hauskomponist“ von Taizé mal etwas für die Jesuiten komponiert hätte? Folgende Zeilen stammen aus dem Exerzitienbuch von Ignatius, die Musik hat offensichtlichen Taizé-Klang (hier hören). Aber es funktioniert doch gut, oder?

Te magis novisse,
magis Te amare,
magis Te sequi,
Te Christe, Te Christe rogamus.

(Dich mehr erkennen,
dich mehr lieben,
dir mehr folgen,
dich, Christus, bitten wir.)

T: nach D. Böhler SJ, J.M. Steinke SJ (nach GÜ 104)
M: Yotin Tiewtrakul

Die Aufnahme habe ich in einem Morgengebet in der Krypta gemacht.

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