ein neues kellion

Beiträge vom Juni 2009

transformation statt mission

Juni 26, 2009 · 5 Kommentare

P. Richard Rohr hörte ich letztens bei einem Studientag in Hamburg (übrigens über das Thema „Emerging Church“) sagen:

„Transformed people transform people just by who they are.“ [Richard Rohr]

So lautet jedenfalls die Notiz in meinem Block. In meinen Worten: Menschen in einem (kontemplativen) Transformationsprozess halten immer die Klappe – sei es auf dem Meditationskissen als auch ihren Mitmenschen gegenüber. Ist das so gemeint?

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gott verlernen

Juni 19, 2009 · 3 Kommentare

Ja, durchaus könnte es einen fruchtbaren Austausch von Agnostikern und Kontemplativen geben. Beiden ist gemeinsam, dass sie sich enthalten, etwas über Gott zu sagen. Ja, im Sinne der „Wolke des Nichtwissens“, einer schriftliche Unterweisung zum kontemplativen Gebet aus dem England des 14. Jahrhunderts, besteht „das Geschäft“ des Kontemplativen eigentlich darin, das Wissen um Gott oder alles andere Wissen, alle „Gnosis“, zu vergessen. Jemand schrieb mir in einer E-Mail, dass man bei dem englischen Titel „The Cloud of Unknowing“ das Wort „unknowing“ besser als „ent-wissen“ verstehen könnte, die Vorsilbe „ent-“ im gleichen Sinne verstanden wie in „ent-wirren“, „ent-leeren“ etc. Man könnte es mit der Vorsilbe „ver-“ vielleicht noch zuspitzen: Das Tun des Kontemplativen besteht darin, Gott zu verlernen.

Zum Zusammenhang mit dem Atheismus: Ein Kontemplativer ist – das ist nur meine eigene Meinung – weder bekennend gottgläubig noch bekennender Atheist. Während er „Gott verlernt“ ist er zwar auf dem Weg zu einem Atheismus, aber er kommt niemals bei der atheistischen Position an, sondern bleibt im Niemandsland, im Zwischenland, dort, wo er abends nicht weiss, wo er sein Haupt betten soll. Ein Kontemplativer lässt Gott los, aber er lässt auch die Idee, dass es Gott nicht gäbe, los.

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ein agnostiker zweifelt und schweigt

Juni 12, 2009 · 18 Kommentare

Selbst die, die „an nichts“ glauben, fangen jetzt an, z.B. mit Busplakaten, zu missionieren. Wo Heilsverkünder jeglicher Spielart vom amerikanischen Fernsehevangelisten bis zum exotischen Guru eine Sinn-Inflation in Betrieb halten (so penetrant, dass man auf der Seite von uns „Betreuten“ „Be-missionierten“ bald von einer Sinn-Langeweile sprechen kann), hätte ich mir von den Atheisten vornehmes Schweigen als Ausdruck ihres Zweifels gewünscht. Ja, bedeutet Agnostizismus nicht, dass man nicht entschieden hat, wie es um Gott steht? Und wäre es da nicht angebracht – in der fast unbekannten Tradition der antiken Skeptiker – sich jeglicher Meinung zu enthalten? Kein Agnostizismus kann bekennenden Charakter haben. Man tue es dem sprichwörtlichen Gentleman gleich: Ein Agnostiker zweifelt und schweigt.

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rausgeflogen

Juni 3, 2009 · Kommentar schreiben

Inzwischen ist eine Audio-Datei meines Kurzimpulses „Spiritualität der Exilanten versus monastische Spiritualität“ bei emergent-deutschland.de abrufbar. Dort geht es ausgehend von einem Text von Madeleine Delbrêl (1904-1964) um die Unmöglichkeit, monastische Spiritualität einem urbanen Kontext einzupflanzen. Das erläutere ich anhand von vier Gegensatzpaaren, nämlich

  • Ungleichgewicht vs. Rhythmus
  • Geschwindigkeit vs. Verlangsamung
  • Risiko vs. Sicherheit
  • Banalität vs. Liturgie

Ich habe auch schon ein paar Reaktionen erhalten. So fragte Walter in einem Kommentar unten, ob die Selbstbezeichnung „Exilant“ nicht auch positiven Klang bekommen könnte. Von einer anderen Freundin (die übrigens ganz schnodderig von „uns Rausgeflogenen“ sprach, einerseits auf die Selbstbezeichnung „Exilant“ bezugnehmend, andererseits auf das Risiko mit dem Fahrrad aus der Kurve rauszufliegen) unterstrich den Sicherheitsfaktor eines geregelten (monastischen) Lebens, mit dem eine Entmündigung einhergehe. Inzwischen aus dem monastischen System ausgestiegen, erlebe sie aber im „normalen“ Leben einen anderen Zwang, nämlich den Zwang zur Dauer-Kommunikation. In diesem Spiel gehe es darum, sich immer mal wieder „zu melden“. Geschieht das nicht, verliert man den Anschluss und wird erneut zum Rausgeschmissenen. Einmal rausgeflogen, immer wieder rausfliegen? Niemals Zugehörigkeit?

Übrigens liesse sich hier ein weiteres Gegensatzpaar fassen:

  • Kommunikation vs. Stille

Ja, tatsächlich! In diesem Leben – „extra claustrum“, ausserhalb der Klostermauern – müssen wir kommunizieren! Und das geht manchmal bis ins Extreme, okay. Und dabei fällt auch mal Banales  und Unnötiges bei ab, na gut. Aber immerhin tun wir unser Bestes und es gibt damit eine Chance der Verständigung.

Kategorien: hören · kirche · liturgie · monastic · weg · üben
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