zu denen, die auf der spirituellen suche sind, sagte er: „wer da bittet, verliert seine selbständigkeit, und wer sucht, verpasst das ‘das-was-ist’, und wer da anklopft, für den wäre es besser, er würde gar nicht erst rein gelassen.“ (logion 3)
in der reihe der selbsterfundenen jesusworte gibt es bereits:
Oft wird gesagt, die Vermutung, es gäbe keinen PLAN sei „gnaden-los“ und würde uns dem Terror einer zwanghaften Selbsterfindung aussetzen. Doch gilt: Im FREIRAUM des Handelns und der Selbst- und Welterfindung, ist es auch nicht falsch, diesen FREIRAUM auszuhalten. Der geschaffene FREIRAUM, der durch eine Erfahrung der Als-Ob-Abwesenheit Gottes entsteht, bedeutet nicht, dass man dazu verdonnert ist, aus sich selbst ein Kunstprodukt zu machen. Etwaige Lücken brauchen den sprichwörtlichen Mut zur Lücke, und unsere Fragmenthaftigkeit braucht unsere Liebe und Sympathie. Auf diese Weise sind wir gnädig mit uns selbst. Wir erlauben es uns, nicht ganz zu sein. Und vielleicht können wir dann auch die Erfahrung machen: Im Fragment wird man auf eigene Weise ganz.
(Von Fulbert Steffensky bekommt man solches immer wieder gesagt. Natürlich versteht er Gnade von „Woanders“ her, von „Gott“ eben. Gibt es „Gnade“ aber denn nur aussschliesslich aus etwas uns Fremden?)
zu denen, die ihm nachfolgten, sagte charlie braun: „scheitern müsst ihr schon noch selber.“
der wortlaut dieses logion wird in der sammlung der selbsterfundenen jesusworte als logion 3 wiedergegeben. allerdings gibt es dort eine weitere variante in einer anderen handschrift, die nach textkritischer überzeugung der ursprüngliche text gewesen sein muss: „zu denen, die ihm nachfolgten sagte er: p i s s e n müsst ihr schon noch selber.“
Mit der Religion aller Verlierer aufgewachsen, beherrschen wir nichts so gut wie Fragment zu sein und unfertig und uns mit unserer Durchschnittlichkeit zufrieden zu geben. Der römische Sakro-Imperialismus repräsentiert das leider schlecht, aber es gibt zwei Filme, die uns das Evangelium des Scheiterns verkünden: „Little Miss Sunshine“ (2006, Regie: Jonathan Dayton und Valerie Faris) und „Reine Geschmacksache“ (2007, Regie: Ingo Rasper).
In „Little Miss Sunshine“ bricht eine Familie mit einem schrottig alten VW-Bus auf, um die jüngste Tochter zu einem Talentwettbewerb zu begleiten. Mit dabei ist der ältere Bruder, der seine Nase kaum aus der Nietzsche-Lektüre kriegt und „alle hasst“. Ausserdem der drogensüchtige Opa und der Homo-Onkel, der gerade einen Selbstmordversuch hinter sich hat. Und dann ist da auch noch der Vater, der sich als Motivationstrainer am offenkundigsten dem Diktat des Erfolgs verschrieben hat: „Bist du ein Gewinner oder ein Verlierer?“ – Scheitern ist hier herzzerreissend schrecklich und gleichzeitig sympathisch, wenn man sich nur auf die Bühne traut.
„Reine Geschmacksache“ zeigt uns Wolfgang Zenker, Handelsvertreter für Damenoberbekleidung. Beruflich auf dem absteigenden Ast versucht er den Schein des Erfolgs zu wahren bis er sich selbst und seine Umgebung – sein Konkurrent in der Firma, sein Sohn, der sich in eben diesen Kollegen verliebt, und seine Frau, die nicht ahnt, dass man pleite ist – in die Katastrophe zieht. Man schmunzelt und grinst die ganze Zeit über diesen Loser und freut sich diebisch, wenn alles endlich zusammenkracht – und denkt sich: Wär ja eigentlich auch nicht schlecht, wenn in meinem Leben mal alles, wirklich alles mal zusammenbrechen würde. Scheitern – let’s do it!
RT @DharmaTweets: Alan Watts said that if Jesus was in India & said He was the Son of God, the Hindus would have said "Of course, we all ar… 2 days ago