John Dowland – Fine Knacks For Ladies
… though all my wares be trash / my heart is true …
John Dowland – Fine Knacks For Ladies
… though all my wares be trash / my heart is true …
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Mit Tag(s) versehen: John Dowland, King's Singers
Quelle: http://johndowland.de/vita_d.html
Höre gerade sehr viel die Platte „Dowland: In Darkness Let Me Dwell“. Durch die „unhistorische“ Besetzung mit Sopransaxophon (auch mal Bassklarinette) und Kontrabass neben der Laute wirkt es einfach viel kräftiger als andere „historisch informierte“ Interpretation. Das so bekannte „Come again“ kann wieder sehr viel Spass machen.
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Hätte, hätte, hätte. Ich hätte früher schon mal über „beziehungsweise LEBEN“ bloggen können, wozu ich ein Kapitel beigesteuert habe. Überhaupt hätte ich mal regelmässiger bloggen können. Egal. Ich erinnere mich, dass ich, als die Belegexemplare vor zwei Wochen ankamen, vom Mit-Autor zum Leser wurde. Das Kapitel von Martin Gommel über spirituellen Rhythmus zum Beispiel – da habe ich frühere eigene Erfahrungen stark wiedergefunden. Dazu bräuchte ich mal Zeit (hätte, hätte, hätte), um was dazu zu sagen.
Was mich besonders aufhorchen liess, war Walters Kapitel „Spiritualität und Volkskirche: Überlegungen zu geistlichen Kernen in evangelischen Volkskirchen“. Allerdings ist vor allem seine Einleitung oder seine Frage impulsgebend. In meinen Worten wiedergegeben: Seit ihrem Aufkommen seien Asketen, Einsiedlerinnen und Mönche die spirituellen Vorbilder für das Volk der Kirche gewesen. (Ich würde sagen: Für die katholische und orthodoxe Christenheit trifft das gewiss immer noch zu.) Für die evangelische Herde sei jedoch das Pfarrhaus an die Stelle des Klosters getreten. Walters Frage daran anschliessend ist: Wer vertritt heute die Funktion des spirituellen Vorbilds und die Funktion, erneuernde Impulse in die Kirche zu geben?
Es gibt darauf vorerst keine Antwort. Was ich allerdings schon sagen kann, ist dass diese Frage nur durch eine konkrete Lebensform beantwortet werden kann. Die Antwort gibt es nur als eine Vielzahl von Experimenten, die gelingen oder auch nicht.
Dass die Klöster und Orden bis heute – so sehr sie auch von innen her verfallen – mit ihrer spirituellen Kultur Impulse zu geben vermögen, liegt nicht zuletzt daran, dass es sich um konkrete Menschen handelt, die – wenn sie auch menschlich scheitern – das Experiment wagen. Das ist viel mehr Wert, als eine reine Phantasie von einer Urgemeinde zu haben. Das wäre eine blosse Träumerei und nazarenische Kunst-Romantisierung. Ich frage also noch einmal, und nun sollte das „wer“ deutlich herausgehört werden: Wer vertritt heute die Funktion des spirituellen Vorbilds und die Funktion, erneuernde Impulse in die Kirche zu geben? Der Blogger-Theologe, der bei Starbucks sitzt vielleicht?
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Mit der Religion aller Verlierer aufgewachsen, beherrschen wir nichts so gut wie Fragment zu sein und unfertig und uns mit unserer Durchschnittlichkeit zufrieden zu geben. Der römische Sakro-Imperialismus repräsentiert das leider schlecht, aber es gibt zwei Filme, die uns das Evangelium des Scheiterns verkünden: „Little Miss Sunshine“ (2006, Regie: Jonathan Dayton und Valerie Faris) und „Reine Geschmacksache“ (2007, Regie: Ingo Rasper).
In „Little Miss Sunshine“ bricht eine Familie mit einem schrottig alten VW-Bus auf, um die jüngste Tochter zu einem Talentwettbewerb zu begleiten. Mit dabei ist der ältere Bruder, der seine Nase kaum aus der Nietzsche-Lektüre kriegt und „alle hasst“. Ausserdem der drogensüchtige Opa und der Homo-Onkel, der gerade einen Selbstmordversuch hinter sich hat. Und dann ist da auch noch der Vater, der sich als Motivationstrainer am offenkundigsten dem Diktat des Erfolgs verschrieben hat: „Bist du ein Gewinner oder ein Verlierer?“ – Scheitern ist hier herzzerreissend schrecklich und gleichzeitig sympathisch, wenn man sich nur auf die Bühne traut.
„Reine Geschmacksache“ zeigt uns Wolfgang Zenker, Handelsvertreter für Damenoberbekleidung. Beruflich auf dem absteigenden Ast versucht er den Schein des Erfolgs zu wahren bis er sich selbst und seine Umgebung – sein Konkurrent in der Firma, sein Sohn, der sich in eben diesen Kollegen verliebt, und seine Frau, die nicht ahnt, dass man pleite ist – in die Katastrophe zieht. Man schmunzelt und grinst die ganze Zeit über diesen Loser und freut sich diebisch, wenn alles endlich zusammenkracht – und denkt sich: Wär ja eigentlich auch nicht schlecht, wenn in meinem Leben mal alles, wirklich alles mal zusammenbrechen würde. Scheitern – let’s do it!
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normalerweise sitzen wir ja bei unseren meditationskursen, aber hey, das (springen!) will ich beim nächsten seminar auch mal ausprobieren:
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Der Grund, weswegen ich mich hinsetzte und die Reihenfolge der Gliedmassen in den „Membra Jesu nostri“ von Dietrich Buxtehude anschauen wollte, war meine Verwunderung über die Platzierung der Widmungskantate „Ad manus“, an die Hände. Die Reihenfolge „An die Füsse“ – „An die Knie“ – „An die Hände“ weist ja offensichtlich eine Lücke auf. Aber wie naiv habe ich geguckt! Eine intelligente Person sagte mir im Gespräch über meinen kurzen Aufsatz, es sei doch klar, warum der Blick des Betrachtenden die Linie von den Füssen (1) über die Knie (2) nicht weiter nach oben zieht, sondern zur Seite ausweicht, um zu den (3) Händen zu springen: Der „keusche“ Blick weicht der Scham des Gekreuzigten aus, spart sie aus und setzt deshalb bei der Seite (4) neu an. Von dort aus kann die Blickrichtung „nach oben“ ohne Erröten verfolgt werden. So man also emphatisch sagen kann: „Hey, dieser Gott hat einen Körper!“, so müsste man einschränken: Aber Eier hat er nicht. Oder darf er nicht haben. (Im Gegensatz z.B. zu Shiva, dessen Phallus zum Kultobjekt werden kann.) Ist dieser Gott ein Mann nach dem vorherrschenden Rollenbild? Eher nicht. „Er tat seinen Mund nicht auf …“
(Ganz, ganz nebenbei: Gründet die Missachtung der Frauen in der Kirche vielleicht darin, dass die Kirchenfunktionäre und Hierarchen auch keine „echten“ – weil zölibatäre – Männer sind, so dass sie wenigstens über die Ausübung von struktureller Macht „Männlichkeit“ beweisen wollen?)
Nachdem mir diese Aussparung der Schamgegend so deutlich geworden ist, klafft da für mich in dem Gedicht- bzw. Kantatenzyklus eine Lücke. Als ob die Vermeidung das Verhüllte umso mehr hervorhebt. Was das bedeutet weiss ich noch nicht.
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Ich habe mich weiter mit Buxtehudes „Membra Jesu nostri“ beschäftigt und auf fünf knappen Seiten etwas aufgeschrieben über die Reihenfolge der Gliedmaßen des Gekreuzigten, so wie sie im Kantatenzyklus stehen. Verglichen werden diese mit anderen Listen von Körperpartien und zwar aus dem Hohenlied. Ich fand das für mich selbst ganz interessant, besonders die Erfahrung, sich das wirklich einmal bildlich aufzumalen und vorzustellen. Als ich mit einer Freundin am Telephon darüber sprach, sagte sie so etwas wie „Hey, dieser Gott hat einen Körper!“ Ja, genau. Mich würde interessieren, was die Körperlichkeit dieses Gottes mit dem gegenwärtigen Wahn eines gesunden und durchtrainierten und selbst geformten Körpers macht. Ja, Buxtehudes musikalische Betrachtungen der Gliedmassen des Gekreuzigten ist eine Gelegenheit, sich der Körperlichkeit Gottes zu nähern und der eigenen.
Yotin Tiewtrakul: Zur Reihenfolge der Gliedmassen in Buxtehudes „Membra Jesu nostri“ [pdf-Datei]
(Witzig, das alles auf aufzuschreiben und sich wie ein Student zu fühlen, der ein Referat vorbereiten soll.) Mein vorangegangener Eintrag zu Buxtehudes „Membra Jesu nostri“ hiess „lieder an die gliedmassen jesu“.
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Seit einigen Jahren nimmt man als Passionsmusik neben den Bachpassionen ein anderes Werk neu in den Blick. Dabei handelt es sich um Dietrich Buxtehudes „Membra Jesu nostri“ (1680), ein Zyklus von sieben Kurzkantaten (in Fachsprache „Aria-Concerto-Kantate“ genannt), die an einzelne Gliedmassen des am Kreuz hängenden Christus gerichtet sind: Füße, Knie, Hände, Seite, Brust, Herz und Haupt.
Die recht kurzen (so ungefähr 6-8 Minuten dauernden) Einzelkantaten sind jeweils gleich aufgebaut: Vorangestellt ist eine kurze intrumentale Einleitung („Sonata“) gefolgt von einem vom Stimmen-Tutti vorgetragenen biblischen Votum, das einen assoziativen Bezug zum entsprechenden Körperteil hat. Dann folgen einfach drei solistisch bis dreimehrstimmig vertonte Strophen („Aria“ genannt) der „Ryhthmica oratio“, wobei in der Regel für jede Strophe die Continuo-Bassstimme gleich bleibt. Abgeschlossen werden die drei Strophen mit einer Wiederholung des biblischen Votums.
Bei der „Rhythmica oratio“, der Textgrundlage handelt es sich um mittelalterliche lateinische Gedichte auf die Gliedmassen des am Kreuz hängenden Christus (früher Bernhard von Clairveaux, heute einem anderen Zisterzienser zugeschrieben, nämlich Arnulf von Löwen). Dabei ist das letzte Gedicht dieses Zyklus uns allen wohlbekannt, das durch eine Übersetzung von Paul Gerhardt in die evangelische Tradition – was sag ich, in die Tradition der ganzen Kirche – eingegangen ist: „O Haupt voll Blut und Wunden“.
Ein Freund lieh mir zwei Aufnahmen der „Membra“ (Cantus Cölln und Lautten Compagney) aus, die sehr unterschiedlich sind, mir aber dabei halfen zu verstehen, wohin dieses Werk zielt. Ich fand die Aufnahme von Cantus Cölln etwas blass, ja fast langweilig, während ich gern hörte, wie die Lautten Compagney musizierte. Inzwischen, wo ich die Schlichtheit der Komposition sehe, sehe ich aber ein, dass das eher zurückgenommene Musizieren (in der Aufnahme von Cantus Cölln) gewollt ist: Die Kantaten sollen hier als schlichte musikalisch-sinnlich erfahrbare Betrachtung erklingen und nicht wie verkappte musikalische Theatermonologe, in welchem der Affekt von Schmerz und „Mit-leiden“ quasi realistisch dargestellt wird. Das, was wir bei den (Bach-) Passionen lieben, nämlich das „Theatralische“, dass wir straflos in der Kantorei einmal barbarisch „Weg, weg mit dem! Kreuzige ihn!“ brüllen dürfen – darum geht es bei diesen schlichten Lieder an die Gliedmassen des Gekreuzigten überhaupt nicht. Es braucht bei so einem erotisch aufgeladenen Ansinnen einfach mehr Intimität. Öffentlich die Affekte zu überzeichnen käme einer unangemessenen Entblössung gleich. Stört die Liebe nicht auf!
Hören kann man einen – ähnlich der Aufnahme der Lautten Compagney – eher expressiven Vortrag der „Membra“ durch Jos van Veldhoven und The Netherland Bach Society bei last.fm. Gleiches gilt für den folgenden Ausschnitt „Ad latus“ („An die Seite“) unter der Leitung von René Jacobs (tja, es mag zwar eine „richtige“ Interpretation geben, aber die anderen machen einfach Spass zu hören).
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(1) Zuerst dachte ich, es sei Arbeit, aber jetzt merke ich, dass ich selbst etwas davon habe, Gedanken in einem Blogeintrag „zu Papier“ zu bringen. Heute zum dritten Kapitel von „Die Wolke des Nichtwissens“: „licht aus!“
(2) Vor langer Zeit fragte mich Alex nach Offenlegung meiner Playlist. Da ich zu der Zeit eher mit blip.fm Musik gehört habe, reagiere ich erst jetzt. Voilà:

Kommentar? Über „The Streets“ bin ich bei blip.fm gestolpert und hab mir gleich die Platte gekauft. Der Titelsong „Everything Is Borrowed“ ist einfach grossartig. Kann man hier runterladen: # – Die Adventskantaten habe ich nach Weihnachten auch noch gehört. – André Gouzes ist Dominikaner und schreibt so neo-orthodox klingende Chorsachen, die eindeutig auch Gebrauchswert in der Liturgie haben. – Nils Petter Molvaer gehört wohl in die Kategorie „Platten, die man der Feuilleton-Postmoderne der 90er nach besitzen muss“.
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