Entries categorized as ‘buddhismus’
Zwar wurde mir irgendwo einmal erläutert (Kierkegaard, Die Krankheit zum Tode?), dass wir uns nicht selber setzen können. Aber anders geht es nicht, glaube ich. Wenn wir uns und unser Leben nicht selber wählen, können (und brauchen) wir auch keine Verantwortung zu übernehmen. Wir müssen uns selber sagen, wer wir sind, denn nicht einmal Gott wird es uns sagen.
Es ist fahrlässig, unsere Selbstvergewisserung irgendwo aussen hin zu verlegen: Freunde, Partner, Beruf, Güter, Religion, Gott. Diese Dinge sind schwankend und selten eindeutig. Zwar sieht es in unserem Inneren auch nicht besser aus - auch hier gibt es nichts Beständiges. Aber ich ziehe es vor, meiner eigenen Unbeständigkeit ausgeliefert zu sein als anderen Dingen, die aussen sind und auf die ich nun wirklich keinen Einfluss habe.
Dies als Ergänzung zum gestrigen Eintrag.
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In unserer menschlichen Existenz ist Leiden nicht zu verhindern. Schon wenn wir essen ist es so, dass für unsere Nahrung pflanzliche und / oder tierische Organismen zerstört werden. Ich erinnere mich, dass ich mich als Kind fragte, warum wir töten müssen, um zu leben. (Thorsten hat wohl als Erwachsener sich für eine Weile dessen enthalten.) Eine buddhistische (?) Rezitation vor dem Essen lautet so:
(…) Dankbar nehmen wir dieses Essen ein.
Ist’s doch die Frucht der Erde, die uns trägt,
Frucht auch der Arbeit von anderen Menschen
und nicht frei vom Leiden anderer Formen des Lebens. (…)
(Sonnenhof Holzinshaus [Hg.], Rezitationstexte, S. 66)
In die Bedingungen unserer Existenz ist also schon eingeschrieben, dass wir leiden und andere auch verletzen. Es geschieht jeden Tag. Es ist ganz normal.
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Ein Mann besuchte einen Freund und ass und trank. Von dem vielen Wein wurde er betrunken und fiel in einen tiefen Schlaf. Der Freund, der verreisen musste, wollte ihm Schlaf und Ruhe gönnen und so nähte er viele wertvolle Edelsteine in das Gewand seines Gastes ein. Als der Gast aufwachte, sah er dass er alleine war und ging aus dem Haus, zog von Ort zu Ort, immer auf der Suche nach Arbeit und Unterkunft. Aber: nichts gelang ihm und er fiel in Not und Armut. Sein Gewand hatte er immer noch, auch wenn es inzwischen ganz zerlumpt war. Da trifft er seinen Freund, der verreist war, wieder. Der fragt ihn erstaunt, warum sein früherer Gast denn so ärmlich aussehe. “Ich habe dir doch, während du noch geschlafen hast, viele wertvolle Edelsteine in dein Gewand genäht!” Der Freund nimmt das Gewand seines Gastes, trennt den Saum auf und zeigt ihm die kostbaren Steine.
Dies ist ein Gleichnis aus dem 8. Kapitel des Lotos-Sutra. (Ich kenne es aus dem sehr empfehlensweten Kommentar zum Lotos-Sutra von Thich Nhat Hanh, Das Herz des Kosmos, S.71f.) Das Gleichnis aus dem Lotos-Sutra spricht natürlich vom Buddha, der in seiner Fürsorge den Menschen allerlei gute und heilsame Lehren anbietet, ja, er legt sie in die Menschen hinein. Allein, sie entdecken sie nicht in sich und suchen vergeblich im Aussen. Auch will das Gleichnis besagen, dass in jedem Menschen jetzt schon die Buddha-Natur verborgen liegt.
Gleichzeitig könnte dieses Gleichnis genauso gut von einem christlichen Mystiker stammen, etwa von Meister Eckhart, der damit veranschaulichen könnte: Wir haben alles, was für unseren geistlichen Weg nötig ist, schon in uns. Oder das Gleichnis könnte bedeuten: Wir denken nur, dass wir im Mangel leben, wir denken nur, wir seien von Gott getrennt - dabei ist uns schon alles gegeben. Wir müssen einfach nur den Saum unseres Gewandes, ein Gewand, das wir schon immer mit uns herumtragen, auftrennen und schauen.
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In der Katechesereihe über die Kirchenväter sieht der Bischof der Weltkirche, Benedikt XVI., in Dionysios Areopagita mit seiner kosmischen und mystischen Theologie einen Vermittler zwischen dem Christentum und den asiatischen Religionen:
“Er erscheint uns als der große Vermittler im modernen Dialog zwischen dem Christentum und den mystischen Theologien Asiens, deren Charakteristikum in der Überzeugung liegt, dass man nicht sagen könne, wer Gott ist; von ihm kann nur in negativer Form gesprochen werden; von Gott kann nur mit dem ‘Nicht’ gesprochen werden. Und nur wenn man in diese Erfahrung des ‘Nicht’ eintritt, gelangt man zu ihm. Und hier ist eine Nähe zwischen dem Denken des Areopagita und jenem der asiatischen Religionen zu erkennen. Er kann heute ein Vermittler sein, so wie er es zwischen dem griechischen Geist und dem Evangelium war.”
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Tagged: interreligiös, Dionysios Areopagita, Kirchenväter
Wenn im Gespräch interkulturelle und interreligiöse Grenzen gestreift werden, ist das Stichwort “Supermarkt” auch nicht weit. Auch wenn ich selbst die Nase rümpfe, wenn exotische Spiritualitäten billig verkauft werden, so kommt mir die unvermeidliche Warnung vor der Beliebigkeit des “Supermarkts der religiösen Weltanschauungen” doch wie eine spiessige Angelegenheit vor, die oft nur eine nchgeplapperte Besserwisser-Anmerkung ist.
Inzwischen ahne ich, dass eine Patchwork-Spiritualität eine Praxis und Notwendigkeit ist, die man reflektieren und erlernen muss. In den unendlich scheinenden Möglichkeiten religiöser Sinndeutung und Praxis, ist die Idee einer Reinkultur der Herkunftsreligion eine Illusion und die Selbstbescheidung, bei der eigenen religiösen Kultur bleiben zu wollen, eine unnötige traurige Feigheit. Wer weiss, vielleicht bist du vom Typ her eigentlich jemand, der in der Ästhetik und Praxis des Zen-Buddhismus am ergiebigsten dich mit dem Absoluten verbinden kannst?
Warum sollen wir nicht die religiöse Sprache und Form wählen, die unseren Fähigkeiten und Gaben und Neigungen am besten entspricht? Warum sollten wir mit reiflicher und redlicher Überlegung und nach viel gutem Willen und Kompromissen nicht modifizieren oder hinter uns lassen, was unsere religiöse Entwicklung nicht sonderlich fördert oder gar behindert?
[Für eine eigene Fasson, selig zu werden (1). Eine Notiz nach dem Podium "Zen und Yoga christlich leben?" auf dem Katholikentag in Osnabrück]
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(…) Ich habe in den letzten zwei Wochen öfter mal alleine essen müssen. Wenn man allein lebt, kann es ja leicht passieren, dass man anfängt Essen für einen lästigen Vorgang zu halten. Ja, die Arbeit mag einen ablenken und gedanklich stark gefangen nehmen, aber kommt es zum Essen bemerkt der Wohnzimmer-Eremit die Leere und Langeweile. Besässe er einen Fernseher, würde er ihn zum Essen einschalten wollen. (…)
Ich habe auf dem anderen Blog endlich mal wieder einen inhaltlichen Eintrag gemacht (Auszug siehe oben). Wärmstens sei er auch den hiesigen Lesern empfohlen:
urbancontemplatives.wordpress.com > slow (motion) food
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Hey! Hört auf, zu beten! Auch Sitz-Meditation braucht ihr nicht mehr zu üben. Kann mal jemand das Lobpreisgedudel leiser stellen? Und mit der hundertsten Wiederholung von “Laudate omnes gentes” ist ja jetzt gut, ne? Klappt die Bibel zu und auch die Benediktsregel! Hört auf, euch abzumühen, um “richtig” zu leben! Alles, wonach ihr euch sehnt, ist schon erreicht. Gott ist euch nah. Das stimmt wirklich.
“Wir praktizieren nicht, um erleuchtet zu werden - weil wir erleuchtet sind, praktizieren wir.” (Bernard Glassman, Das Herz der Vollendung, S. 10.)
“Du musst nicht über die Meere reisen, musst keine Wolken durchstossen und musst nicht die Alpen überqueren. Der Weg, der dir gezeigt wird, ist nicht weit. Du musst deinem Gott nur bis zu dir selbst entgegengehen. ‘Denn das Wort ist dir nahe: Es ist in deinem Mund und in deinem Herzen.’” (Bernhard von Clairveaux, Adventspredigt 1,10)
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Tagged: Gott, Erleuchtung
Worüber hier lange nichts mehr berichtet wurde, ist das Stundengebet. Seit fast einem Jahr lebe ich ja allein als “Ansässiger” in diesem Exerzitienhaus in Norddeutschland und meine Ansprüche an mein persönliches Stundengebet sind drastisch gesunken. (Die Gebetszeiten des Hauses morgens und abends sind natürlich stabil.)
Hatten wir als Truppe von 3-4 Leuten damals noch einen 7-Wochen-Psalter, so folgt meine derzeitige Psalmenaufteilung dem einfachsten Prinzip: Fange vorne an und bete die Psalmen fortlaufend. Psalmen fehlen nie. (Ob sich da noch eine Lesung aus der Schrift anschliesst oder nicht oder persönliches Gebet etc., das verändert sich dann durchaus mal.)
(Was auch noch fest ist vom Ablauf her, ist dass morgens eine kurze Zeit- 15 oder 20 oder 25 Minuten - für’s schweigende Gebet folgt. Dann das Lesen von Abschnitten - auch fortlaufend - aus der Benediktsregel, der Pratimoksha und dem Dhammapada.)
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Tagged: Psalmenverteilung, Stundengebet
Das hätte Spass gemacht, weitere Einträge zu schreiben mit so einer Überschrift:
ich bin asket
Und beim folgenden Eintrag:
ich bin hedonist
Aber vielleicht wäre das auch langweilig geworden. Jetzt gibt es also nur Überschriften ohne dazugehörige Blogeinträge.
Und im übrigen finde ich die Formulierung “Ich bin …” auch nicht ganz so zutreffend. Oder jedenfalls nicht hilfreich oder nützlich. Sie fördert nur den Eindruck, dass man sich mit bestimmten unveränderlichen Gegebenheiten identifizieren können sollte. Wir hätten viel weniger Erklärungsnot in unseren Bemühungen, uns selbst und andere zu verstehen, wenn wir davon ausgingen, dass wir stetiger Veränderung unterworfen sind. Das hält uns wacher für die neuen Momente und Situationen.
Wenn man mal wieder auf die Idee kommen sollte, zu sagen: “Ich bin halt … (unorganisiert, perfektionistisch, etwas langsam, schüchtern etc.)” - versuche man hinzuzufügen: “Das bin ich jetzt gerade. Vielleicht ist das gleich auch schon wieder anders.”
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vom dhammapada vers 50 angeregt, folgende zeilen:
schau nicht
auf die fehler anderer:
sie machen dich nicht besser.
schau nicht
auf die tugend anderer:
das gutsein der anderen rettet dich nicht.
wenn du nicht selber
auf dich achtest,
wird der weg, der für deine befreiung schon gebahnt ist,
ungegangen wertlos sein.
ja, und was im dhammapda vers 50 steht, sollte man in seiner eigenen ausgabe nachgucken. was? steht nicht im regal? jemand sagte treffend vom dhammapada, es sei die bergpredigt des buddhismus. bei mir steht die ausgabe: Dhammapada. Die Weisheitslehren des Buddha. Aus dem Pali ins Deutsche neu übertragen und kommentiert von Munish B. Schiekel. Vorwort von Thich Nhat Hanh, Freiburg i. Br. (Herder) 2007 (2. Auflage).
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Tagged: Dhammapada