ein neues kellion

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nouvelle ledigkeit

November 4, 2009 · 5 Kommentare

notiz vom oktober 2009: „keine bestimmung, kein plan, keine wiederkehr, keine strafe, nur ledigkeit, durchlässig.“

notiz von gestern: „niemand ist schuld, weder die eltern, noch die anderen, noch gott, noch das schicksal. wir sind im frieden, denn dass die dinge so sind wie sie sind, war niemandes absicht, weder das, was wir gut nennen, noch das, was wir schlecht nennen. wir schulden niemandem dank, aber auch verdient keiner unseren tadel. dieses auszuhalten ist die grosse versöhnung.“

Ich frage mich, woher ich das  weiss. Habe ich das irgendwo gelesen? Hat es mir jemand gesagt? Oder erweisen sich diese Notizen einfach nur als pragmatische Ansichten, mit der ein gewisser Grad von Ataraxie erreicht wird, eine Nouvelle Ledigkeit? Mich würde interessieren, wo ich das einordnen könnte, in welche Tradition ich mich damit einreihe.

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john dowland und ich

Oktober 26, 2009 · 3 Kommentare

dowland-katholizismus

Quelle: http://johndowland.de/vita_d.html

Höre gerade sehr viel die Platte „Dowland: In Darkness Let Me Dwell“. Durch die „unhistorische“ Besetzung mit Sopransaxophon (auch mal Bassklarinette) und Kontrabass neben der Laute wirkt es einfach viel kräftiger als andere „historisch informierte“ Interpretation. Das so bekannte „Come again“ kann wieder sehr viel Spass machen.

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auch schön, wenn mal nix ist

Oktober 26, 2009 · 2 Kommentare

Der Gott-Tinnitus besteht darin, zu jeder Zufälligkeit, den Grundton von Sinn und All-Intention zu vernehmen. Religion ist eine Art zwanghafte Geistestätigkeit, die alles mit Sinn auflädt.

Man kann an Sinn ersticken. Darum sind wir froh über unsere Fragmenthaftigkeit. Wir verteidigen unsere Lücken und preisen das Dazwischen, den Hohlraum, das Zimzum, denn sonst wären wir nicht und hätten keine Luft zum Atmen. Genervt von dem Sinn-Gott, der ähnlich wie der Igel überall, wo wir hinkommen, sein „Ich bin schon da!“ zuruft, werden wir aufmerksamer für die Zwischenräume, wo „nichts“ ist, jene Leerstellen, durch die überhaupt Bewegung und Flexibilität möglich sind. Dich preise ich, alles ermöglichender Hohlraum.

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am anderen ende des urknalls

Oktober 19, 2009 · Kommentar schreiben

Es gibt das Gedankenexperiment, sich die Unwahrscheinlichkeit vorzustellen, dass man existiert.  Seit dem Aufkommen lebendiger Organismen haben alle meine Vorfahren überlegt, so recht und schlecht jedenfalls bis sie ihr Erbgut weitergeben konnten – bis zu mir. Wie weit man doch zurück reicht! Ebenso wie meine Eltern sich selbst in mir wiedererkennen können, tun dies auch meine Grosseltern und die Eltern meiner Grosseltern. Und auch sie alle sind wiederum ins Leben gekommen aus einer Anzahl von günstigen oder widrigen Umständen. Ich bin eine Unwiederholbarkeit.

Aber bei mir endet die Linie auch, denn ich werde keine Nachfahren zeugen. Ich stehe am anderen Ende des Urknalls. Kinderlos hoffe ich in den Zustand einzugehen, der da war, bevor das Drama des Lebens sich entrollte.

The Streets – On The Edge Of A Cliff

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vom kloster zum evangelischen pfarrhaus zum starbucks

Oktober 9, 2009 · 13 Kommentare

Hätte, hätte, hätte. Ich hätte früher schon mal über „beziehungsweise LEBEN“ bloggen können, wozu ich ein Kapitel beigesteuert habe. Überhaupt hätte ich mal regelmässiger bloggen können. Egal. Ich erinnere mich, dass ich, als die Belegexemplare vor zwei Wochen ankamen, vom Mit-Autor zum Leser wurde.  Das Kapitel von Martin Gommel über spirituellen Rhythmus zum Beispiel – da habe ich frühere eigene Erfahrungen stark wiedergefunden. Dazu bräuchte ich mal Zeit (hätte, hätte, hätte), um was dazu zu sagen.

Was mich besonders aufhorchen liess, war Walters Kapitel „Spiritualität und Volkskirche: Überlegungen zu geistlichen Kernen in evangelischen Volkskirchen“. Allerdings ist vor allem seine Einleitung oder seine Frage impulsgebend. In meinen Worten wiedergegeben: Seit ihrem Aufkommen seien Asketen, Einsiedlerinnen und Mönche die spirituellen Vorbilder für das Volk der Kirche gewesen. (Ich würde sagen: Für die katholische und orthodoxe Christenheit trifft das gewiss immer noch zu.) Für die evangelische Herde sei jedoch das Pfarrhaus an die Stelle des Klosters getreten. Walters Frage daran anschliessend ist: Wer vertritt heute die Funktion des spirituellen Vorbilds und die Funktion, erneuernde Impulse in die Kirche zu geben?

Es gibt darauf vorerst keine Antwort. Was ich allerdings schon sagen kann, ist dass diese Frage nur durch eine konkrete Lebensform beantwortet werden kann. Die Antwort gibt es nur als eine Vielzahl von Experimenten, die gelingen oder auch nicht.

Dass die Klöster und Orden bis heute – so sehr sie auch von innen her verfallen – mit ihrer spirituellen Kultur Impulse zu geben vermögen, liegt nicht zuletzt daran, dass es sich um konkrete Menschen handelt, die – wenn sie auch menschlich scheitern – das Experiment wagen. Das ist viel mehr Wert, als eine reine Phantasie von einer Urgemeinde zu haben. Das wäre eine blosse Träumerei und nazarenische Kunst-Romantisierung. Ich frage also noch einmal, und nun sollte das „wer“ deutlich herausgehört werden: Wer vertritt heute die Funktion des spirituellen Vorbilds und die Funktion, erneuernde Impulse in die Kirche zu geben? Der Blogger-Theologe, der bei Starbucks sitzt vielleicht?

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nichts heiliges (an sich)

September 28, 2009 · 4 Kommentare

Wegen des letzten Eintrags witzelten Andi und ich an anderer Stelle über den eventuell ketzerischen Gehalt der Aussage „Da ist ja gar nichts!“ – Auch am letzten Samstag liess ich mich bei einer Café-Gesprächsrunde (zum Thema „lebendiger Umgang mit der heiligen Schrift“) zu einer ähnlichen Aussage hinreissen. Nämlich der, ich würde das Buch, „Bibel“ genannt, so für sich so wie es im Regal stehe ja eigentlich gar nicht für heilig halten. Ich spüre von dem Buch aus keinen besonderen Anspruch an mich. Es ist genau anders herum: Erst wenn ich es lese und die Worte dieses Buches laut werden lasse, und erwarte, dass es eventuell bedeutsam für meine Lebens- und Weltinterpretation sein könnte, dann erst können die gelesenen Worte „heilig“ werden. Jemand rief dazwischen: „Ja, aber dann könnte ja jeder Text heilig werden!“, woraufhin ich ihm mit einem knappen „Genau!“ bestätigte, dass dies durchaus kein Problem für mich darstellt.

Die Bedeutsamkeit und der „heilige Anspruch“ des Textes liegt genauer gesagt eigentlich weder in dem Gegenstand („Buch“) noch in meinem Lesen, sondern in dem, was sich zwischen dem Text und mir ereignet, in dem DAZWISCHEN. Hier wird übrigens das Stichwort der Beziehung, das ja in der Publikation „beziehungsweise LEBEN“ ein starkes Augenmerk erhält, tatsächlich fruchtbar. Es ist die Beziehung zwischen dem eventuell heiligen Text und mir, was Lebendigkeit erzeugt und nicht mein sklavischer Gehorsam gegenüber einem erstarrten religiösen Kodex aber auch nicht die Unterwerfung des Textes mittels meiner exegetischen Werkzeuge.

Später am Tag, beim Vortrag von Propst Horst Gorski, erwies sich meine Ansicht als offensichtlich mögliche evangelische Meinung. Dort ging er ähnlichen Gedankengängen am Beispiel der Rede von „heiligen Orten“ nach. „Da ist ja gar nichts!“ muss also nicht ausschliesslich als Ausruf buddhistischer Wahrnehmung von der Leerheit der Phänomene verstanden werden. Ebenso kann es ein evangelischer Zugriff auf die Dinge sein, die bloss funktional begriffen werden. (Pardon, dies ist ein Blog, ich bin kein Theologe, man verzeihe mir alle denkerischen Unzulänglichkeiten! Übrigens: Der Vortrag von Horst Gorski war sehr anregend! Ich empfehle ihn wirklich zum anhören! Titel: „Der Norden betet – Einsichten und Aussichten zur geistlichen Landschaft einer evangelisch-lutherischen Kirche im Norden“)

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goar nix

September 23, 2009 · 3 Kommentare

es ist als ob ich hinter den vorhang gesehen hätte und gesehen habe, dass da nichts ist. kein gericht, keine strafe, keine belohnung, keine hölle, kein himmel, keine götter, kein gott. und es ist überhaupt nicht schlimm, dass da nichts ist. natürlich kann ich nicht sagen, dass ich wirklich hinter den vorhang geschaut habe, nicht in einer ekstase, nicht in einem erleuchtungserlebnis. vielleicht müsste man sagen, so wie ich mich fühle – eine art unbekümmertheit, die still froh macht – ist es so, als wäre das so.

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welche tür?

September 5, 2009 · 5 Kommentare

version1
der tathagata, der jesus sagen hörte: „klopft an die tür und es wird euch aufgetan.“, erwiderte ihm: „welche tür?“

version 2
ich hörte den lehrer sagen: „klopft an und es wird euch aufgetan.“ daraufhin schlug ich ihn windelweich und ging um die tür herum.

kommentar
das mit dem anklopfen beschäftigt mich ja irgendwie schon. mit den beiden obigen szenen wollte ich nur zum ausdruck bringen, wie „wahnhaft“ und „in den wind“ unser streben ist, etwas zu sein, zu einer gruppe zu gehören, etwas darzustellen, etwas zu erreichen, glück zu finden etc. und dann ist da eine tür, von der wir denken, wir könnten nur zufrieden mit unseren leben sein, wenn genau sie sich öffnet. bei kafka ist sie schon immer offen gewesen. und mit dem mann, der vor der tür wartet, verharren wir in der verbitterten ansicht, die tür sei geschlossen. was ist diese tür wirklich? der tathagata hätte gewiss behauptet, da sei gar keine tür (version 1). und die unbekümmertheit in version 2 will diese tür einfach lächerlich machen und alles, was diese tür für uns symbolisiert.

version 3
nachdem ich drei jahre vergeblich an die tür geklopft hatte, gab ich auf. da hörte ich es klopfen. und als ich aufmachte, liess ich mich selbst ein.

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wer anklopft, wird rausgeschmissen

August 21, 2009 · 6 Kommentare

zu denen, die auf der spirituellen suche sind, sagte er: „wer da bittet, verliert seine selbständigkeit, und wer sucht, verpasst das ‘das-was-ist’, und wer da anklopft, für den wäre es besser, er würde gar nicht erst rein gelassen.“ (logion 3)

in der reihe der selbsterfundenen jesusworte gibt es bereits:

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die gnade der lücke

August 20, 2009 · 6 Kommentare

Oft wird gesagt, die Vermutung, es gäbe keinen PLAN sei „gnaden-los“ und würde uns dem Terror einer zwanghaften Selbsterfindung aussetzen. Doch gilt: Im FREIRAUM des Handelns und der Selbst- und Welterfindung, ist es auch nicht falsch, diesen FREIRAUM auszuhalten. Der geschaffene FREIRAUM, der durch eine Erfahrung der Als-Ob-Abwesenheit Gottes entsteht, bedeutet nicht, dass man dazu verdonnert ist, aus sich selbst ein Kunstprodukt zu machen. Etwaige Lücken brauchen den sprichwörtlichen Mut zur Lücke, und unsere Fragmenthaftigkeit braucht unsere Liebe und Sympathie. Auf diese Weise sind wir gnädig mit uns selbst. Wir erlauben es uns, nicht ganz zu sein. Und vielleicht können wir dann auch die Erfahrung machen: Im Fragment wird man auf eigene Weise ganz.

(Von Fulbert Steffensky bekommt man solches immer wieder gesagt. Natürlich versteht er Gnade von „Woanders“ her, von „Gott“ eben. Gibt es „Gnade“ aber denn nur aussschliesslich aus etwas uns Fremden?)

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