Entries categorized as ‘fragen’
Zwar wurde mir irgendwo einmal erläutert (Kierkegaard, Die Krankheit zum Tode?), dass wir uns nicht selber setzen können. Aber anders geht es nicht, glaube ich. Wenn wir uns und unser Leben nicht selber wählen, können (und brauchen) wir auch keine Verantwortung zu übernehmen. Wir müssen uns selber sagen, wer wir sind, denn nicht einmal Gott wird es uns sagen.
Es ist fahrlässig, unsere Selbstvergewisserung irgendwo aussen hin zu verlegen: Freunde, Partner, Beruf, Güter, Religion, Gott. Diese Dinge sind schwankend und selten eindeutig. Zwar sieht es in unserem Inneren auch nicht besser aus - auch hier gibt es nichts Beständiges. Aber ich ziehe es vor, meiner eigenen Unbeständigkeit ausgeliefert zu sein als anderen Dingen, die aussen sind und auf die ich nun wirklich keinen Einfluss habe.
Dies als Ergänzung zum gestrigen Eintrag.
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Tagged: Leben, Gott, Unbeständigkeit, Wahl, innen, aussen, Ich
Und immer bleibt ein Schatten des Zweifels, der mein Leben bestimmt. Unbewusst und undeutlich gibt es in mir die Überzeugung, dass es nicht richtig ist, dass ich existiere. Und zweitens: dass Gott es nicht wirklich gut mit mir meint (und eigentlich auch sonst keiner) - wobei ich das nicht mal ganz so schlimm finde.
Zur ersten Überzeugung tragen alle möglichen Leute bei. Und Leute, die mich vom Gegenteil überzeugen wollen, scheitern immer wieder. Und wie will man mit dem christlichen Glauben kommen, der einem mit einem unreflektierten Begriff von Ursünde schon sagt: Du bist mit einem Defekt geboren.
Kategorien: fragen
Tagged: Zweifel
Ein Podcast vom österreichischen OE3, in dem Br. David Steindl-Rast OSB beim Frühstück über Dankbarkeit spricht, über seine Suche nach einem ernst gemeinten Rückbezug auf die Benediktsregel und seine spontane Wahl des Klosters (”Ich hab schon immer gesagt, ich nehm, was zuerst kommt, das richtige Mädchen oder das richtige Kloster - und da waren viel mehr Mädchen als Klöster auf dem Weg.”). Die Interviewerin ist hartnäckig in der Frage, ob denn die Ehelosigkeit wirklich ausfüllend sein kann. Aber die offene Neugier ist toll: “Wieviele Paar Hosen haben Sie? Und wie viele Hemden? Haben Sie ein Handy?” - Unbedingt die letzten zwei Minuten hören, wo eine Liste von neugierigen Fragen abgerasselt wird!
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Tagged: Benediktiner, benediktinisch, Dankbarkeit
Ich möchte einmal froh und zufrieden sein, ohne mich dafür anstrengen zu müssen. Das andere (sich anstrengen und sich bemühen mit dem Ergebnis: kein Erfolg, Frustration etc.) kenne ich schon. Wie geht das noch mal - unbeschwert und unbekümmert zu sein?
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Tagged: Erfolg, Leben
Im letzten Winter hat mich ein Mensch unbedacht gekränkt. Als ich ihm das sagte, entschuldigte er sich. Ich sagte: Okay, wir wollen es vergessen. Ich traf ihn am letzten Sonntag und er entschuldigte sich wieder, obwohl ich es für mich schon zur Seite gelegt hatte. Und ich spürte, dass ihn das immer noch bedrückte. Ich weiss nicht, ob er inzwischen glauben kann, dass es keinen Groll mehr in mir gibt. Als ich sah, wie er fast weinte, dachte ich: Ich muss allen Menschen, die mich gekränkt haben, sagen, dass ich verzeihen möchte - einfach um ihnen die Qual eines schlechten Gewissens zu nehmen.
Wenn schon Menschen durch Reue bewegt werden können, sollte da ein Gott so abgestumpft sein und weiter auf Genugtuung und Sühne beharren?
Siehe auch die Einträge:
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Tagged: Verzeihen
“Geht und lernet verstehen, was das heisst: ‘Erbarmen will ich und nicht Opfer.’”
Da kann ich nicht nachvollziehen, wenn ein Altbischof in einem Aufruf zur Bischofswahl den Kandidaten Propst Horst Gorski als “von der zentralen Aussage des Evangeliums” quasi Abgefallenen hinstellen will, nur weil ein Theologe nicht mehr in einer akademischen Welt versteckt, sondern öffentlich in einer Karfreitags-Predigt uns die befreiende Kunde weitergibt: Der Gott Jesu will keine Sühneopfer. (Eine andere besondere Gruppierung hält auch seinen Lebensstand für ungeeignet.)
Ich bin kein Altbischof, bin auch nicht in irgendeiner Bekenntnis-Kampfgruppe engagiert - aber als Christ, der der Nordelbischen Kirche sehr verbunden ist, bitte ich die Synodalen der Nordelbischen Kirche den Propst Horst Gorski zum Bischof zu wählen. Der alleinige Grund dafür ist, dass ich darauf vertraue, dass er dazu fähig ist, die befreiende Botschaft Jesu - theologisch fundiert und gleichzeitig nah bei den Menschen - weiter zu tragen. [Nachtrag: Die Ironie dieses Absatzes versteht man wohl nur, wenn man den anderen Aufruf auch kennt.]
[Nachtrag: Diesen Eintrag habe ich nachträglich bearbeitet.]
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Tagged: Bischofswahl, NEK, Nordelbien
“Geht und lernet verstehen, was das heisst: ‘Erbarmen will ich und nicht Opfer.’”
Kategorien: fragen
Tagged: Jesus, Hosea
Seit ältesten Zeiten glaubt der Mensch, dass Heil nur zu vermitteln ist, wo Blut fliesst. Aber wie soll ein - existenzieller - Schaden, die Mangelerfahrung der Existenz durch ein Schlachtopfer zur Ganzheit finden? Das verstehe ich nicht. Das kaputte Spielzeugauto wird auch nicht wieder funktionstüchtig, wenn dafür ein anderes Spielzeug zerschmettert wird, und sei es ein noch so viel wertvolleres Gerät, etwa ein iPod. Vielleicht gibt es einfach irreparable Schäden. Und man kann sie nur aushalten lernen. Und dann muss auch kein Blut fliessen.
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Tagged: Sünde, Sühne, Heil, Erlösung, Opfer
Das, was uns wirklich von Gott trennt, ist dass wir (bloss) denken, wir seien von Gott getrennt.
Kategorien: fragen · kontemplativ
Tagged: Gott, Sünde
Gestern wurde ich gefragt, wer Jesus für mich ist. Komisch, dass man sich dabei dann immer unter Druck fühlt. Ich bin im Nachhinein nicht sehr zufrieden mit meiner Antwort. Und mit der Situation. Mann, ich bin nicht der Typ, der rumrennt und jedem erzählt, wer Jesus für mich ist. Ausserdem habe ich auch keine Lust, eine Frage zu beantworten, die nicht aus persönlichem Interesse gestellt wurde, sondern nur eine Kontrollfrage ist. (Der Frager sagte selbst, er wollte nur mal schauen, wie er mich einschätzen könne.) Nächstes Mal werde ich einfach mit einer Gegenfrage antworten: “Wer ist Shakyamuni Buddha für dich? Persönlich!?”
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Tagged: Buddha, Jesus