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Der Gott-Tinnitus besteht darin, zu jeder Zufälligkeit, den Grundton von Sinn und All-Intention zu vernehmen. Religion ist eine Art zwanghafte Geistestätigkeit, die alles mit Sinn auflädt.
Man kann an Sinn ersticken. Darum sind wir froh über unsere Fragmenthaftigkeit. Wir verteidigen unsere Lücken und preisen das Dazwischen, den Hohlraum, das Zimzum, denn sonst wären wir nicht und hätten keine Luft zum Atmen. Genervt von dem Sinn-Gott, der ähnlich wie der Igel überall, wo wir hinkommen, sein „Ich bin schon da!“ zuruft, werden wir aufmerksamer für die Zwischenräume, wo „nichts“ ist, jene Leerstellen, durch die überhaupt Bewegung und Flexibilität möglich sind. Dich preise ich, alles ermöglichender Hohlraum.
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Mit Tag(s) versehen: dazwischen, Fragment, Hohlraum, Lücken, Leerstelle, Religion, Sinn, Tinnitus, Zimzum, Zwischenraum
es ist als ob ich hinter den vorhang gesehen hätte und gesehen habe, dass da nichts ist. kein gericht, keine strafe, keine belohnung, keine hölle, kein himmel, keine götter, kein gott. und es ist überhaupt nicht schlimm, dass da nichts ist. natürlich kann ich nicht sagen, dass ich wirklich hinter den vorhang geschaut habe, nicht in einer ekstase, nicht in einem erleuchtungserlebnis. vielleicht müsste man sagen, so wie ich mich fühle – eine art unbekümmertheit, die still froh macht – ist es so, als wäre das so.
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Mit Tag(s) versehen: Belohnung, Götter, Gericht, Gott, Hölle, Himmel, Nichts, Strafe, Unbekümmertheit
„Du sagst mir: ‘Im Grunde ist Gott der vollendete Psychoanalytiker, der unerschütterlich schweigt.’ Nur erscheint der Pychoanalytiker erst nach dem Vater, der sich bereits, und zwar mit einem gewichtigen Wort, über das Kind ausgesprochen hat. Gott ist für uns ein Vater, der von Anfang an schweigt, ein Vater, der sich in seiner Art, Dasein zu gewähren, immer schweigsam verhalten hat. Wie jene Menschen, die dir Halt geben durch das Schweigen, das von ihnen ausgeht; die dich, ohne sich einzumischen, veranlassen, dich selbständig auszudrücken; jene Menschen, die uns näher sind als wir uns selbst.“ (Jean-François Six, Beten in der Nacht des Glaubens, Freiburg 1972, Seite 19)
… interessantes Buch mit so ähnlich kurzen Notizen wie oben. Das mit dem „sich nicht einmischen“: Gerade am Wochenende sagte mir ein Freund, dass er ein solches Verhalten seiner Eltern eher als Desinteresse verstanden hat. Und irgendwie umweht ihn da so eine Traurigkeit und ich weiss nicht, wieviel Tatkraft für die Zukunft da ist, bzw. fehlt.
Kategorien: g'tt · kontemplativ
Mit Tag(s) versehen: Psychoanalytiker, Schweigen, Selbständigkeit, Traurigkeit, Zukunft, Zurückhaltung
Oft wird gesagt, die Vermutung, es gäbe keinen PLAN sei „gnaden-los“ und würde uns dem Terror einer zwanghaften Selbsterfindung aussetzen. Doch gilt: Im FREIRAUM des Handelns und der Selbst- und Welterfindung, ist es auch nicht falsch, diesen FREIRAUM auszuhalten. Der geschaffene FREIRAUM, der durch eine Erfahrung der Als-Ob-Abwesenheit Gottes entsteht, bedeutet nicht, dass man dazu verdonnert ist, aus sich selbst ein Kunstprodukt zu machen. Etwaige Lücken brauchen den sprichwörtlichen Mut zur Lücke, und unsere Fragmenthaftigkeit braucht unsere Liebe und Sympathie. Auf diese Weise sind wir gnädig mit uns selbst. Wir erlauben es uns, nicht ganz zu sein. Und vielleicht können wir dann auch die Erfahrung machen: Im Fragment wird man auf eigene Weise ganz.
(Von Fulbert Steffensky bekommt man solches immer wieder gesagt. Natürlich versteht er Gnade von „Woanders“ her, von „Gott“ eben. Gibt es „Gnade“ aber denn nur aussschliesslich aus etwas uns Fremden?)
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Mit Tag(s) versehen: Fragment, Gnade, Lücke
1. würdest du versuchen zu lieben, auch wenn es [die erfahrung von] gott nicht gäbe?
2. würdest du versuchen, gelingend zu leben, auch wenn es [die erfahrung von] gott nicht gäbe?
3. würdest du anders leben, wenn es gott gäbe? und wie würde sich ein leben ohne gott davon unterscheiden?
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Mit Tag(s) versehen: Gott, Leben, Liebe, lieben
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Mit Tag(s) versehen: Religion
jesus sagte: „du kannst nichts falsch machen.“
(in der reihe der selbsterfundenen jesusworte gibt es bereits logion 1)
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Mit Tag(s) versehen: falsch, Jesus, Jesusworte, Logion, richtig
„und wenn dich dein gott klein zu machen droht, dann reiss ihn raus. denn es ist besser, ohne gott zu leben, als mit ihm unglücklich zu werden.“
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Mit Tag(s) versehen: Gott, Jesusworte, Logion
[Notiz 1]
„Wie heißt das noch mal, wenn das Noviziat vorbei ist und man, äh, weiterkommt?“
„Triennalprofess.“
„Und danach?“
„Ewige Profess.“
„Und dann?“
„Ähm, … der Tod? Aber das kriegen wir alle anderen auch.“
Ja, der Tod ist unsere letzte Weihe. Im Grunde genommen sind wir schon seit unserem ersten Atemzug zu dieser letzten Weihe berufen. Die Klarheit dieser Berufung ist unübertrefflich.
Markus fragt übrigens: Wohin geht die Flamme, wenn sie verlischt?
[Notiz 2]
Manchmal ist es so, als hätten Gottes Füße den Staub dieser Erde nie berührt. Denn würde er das alles hier kenne, müsste er das Projekt „Leben“ widerrufen. Stattdessen hält er an der Idee „Erde“ fest, als hätte er nie Gewalt und Folter und Tod erlitten. Nein, er wird gekreuzigt und behauptet steif und fest: Am Ende wird alles gut. Klar, dass am Ende alles gut wird, denn nach dem Ende kommt ja nichts mehr. Und dann – wenn dann nichts mehr ist – mag auch alles gut werden. Aber dann wäre es ja sowieso egal. Eigentlich möchten wir doch, dass es j e t z t gut ist.
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Mit Tag(s) versehen: alles gut, Ende, Gott, Jetzt, Leben, Mönch, Noviziat, Profess, Tod
Ja, durchaus könnte es einen fruchtbaren Austausch von Agnostikern und Kontemplativen geben. Beiden ist gemeinsam, dass sie sich enthalten, etwas über Gott zu sagen. Ja, im Sinne der „Wolke des Nichtwissens“, einer schriftliche Unterweisung zum kontemplativen Gebet aus dem England des 14. Jahrhunderts, besteht „das Geschäft“ des Kontemplativen eigentlich darin, das Wissen um Gott oder alles andere Wissen, alle „Gnosis“, zu vergessen. Jemand schrieb mir in einer E-Mail, dass man bei dem englischen Titel „The Cloud of Unknowing“ das Wort „unknowing“ besser als „ent-wissen“ verstehen könnte, die Vorsilbe „ent-“ im gleichen Sinne verstanden wie in „ent-wirren“, „ent-leeren“ etc. Man könnte es mit der Vorsilbe „ver-“ vielleicht noch zuspitzen: Das Tun des Kontemplativen besteht darin, Gott zu verlernen.
Zum Zusammenhang mit dem Atheismus: Ein Kontemplativer ist – das ist nur meine eigene Meinung – weder bekennend gottgläubig noch bekennender Atheist. Während er „Gott verlernt“ ist er zwar auf dem Weg zu einem Atheismus, aber er kommt niemals bei der atheistischen Position an, sondern bleibt im Niemandsland, im Zwischenland, dort, wo er abends nicht weiss, wo er sein Haupt betten soll. Ein Kontemplativer lässt Gott los, aber er lässt auch die Idee, dass es Gott nicht gäbe, los.
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Mit Tag(s) versehen: Agnostizismus, Atheismus, Gnosis, Gott, Niemandsland, Wolke des Nichtwissens