ein neues kellion

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john dowland und ich

Oktober 26, 2009 · 3 Kommentare

dowland-katholizismus

Quelle: http://johndowland.de/vita_d.html

Höre gerade sehr viel die Platte „Dowland: In Darkness Let Me Dwell“. Durch die „unhistorische“ Besetzung mit Sopransaxophon (auch mal Bassklarinette) und Kontrabass neben der Laute wirkt es einfach viel kräftiger als andere „historisch informierte“ Interpretation. Das so bekannte „Come again“ kann wieder sehr viel Spass machen.

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regula nova

Oktober 10, 2009 · Kommentar schreiben

In meinem letzten Eintrag („vom kloster zum evangelischen pfarrhaus zum starbucks„) vertrat ich die Überzeugung, dass die Antwort auf die Frage, woher Lebendigkeit für das Morgen, nur aus Experimenten von Menschen oder Gruppen bestehen kann, die irgendeine Art von Leben wagen. Berechtigterweise merkte Walter an, eine Struktur könne helfen, dieses Leben sichtbar zu machen. (Dies wohl gegensteuernd gesagt zu meiner Skepsis gegenüber „am Reissbrett ausgedachten“ Methoden, Strukturen, Plänen etc.) Und auch ich kann nachvollziehen, dass Strukturen wahrscheinlich durchschlagender sind als Einzelpersonen.

Woher aber eine Struktur nehmen? Welche sollen wir uns als Vorbild nehmen? Die Apostelgeschichte? Die Benediktsregel? Bonhoeffers „Gemeinsames Leben“? Und wie kann eine Relecture dieser Text- und Ideenquellen konkret fruchtbar gemacht werden? Trotzdem unterstreiche ich noch einmal: Vor allem sollten wir an konkreten Menschen ablesen, wie für Heute und für das Morgen gelebt werden kann.

An dieser Stelle eine Einladung: Am 25. Oktober September 2010 (Samstag) laden wir vom Ansverus-Haus zum zweiten „Forum Spiritualität Nordkirche“ ein, diesmal unter dem Titel „ecclesiola – Glauben und Leben teilen“. Wir haben als Implsgebende Adelheid Sievers, eine evangelische Eremitin, Uta Gerstner und weitere Mitglieder der Basisgemeinschaft „Brot und Rosen“ (Hamburg) und den Künstler Ludger Trautmann eingeladen. In der Ausschreibung haben wir formuliert:

(…) Evangelische Aufbrüche kommuniäterer Experimente haben bisland explizit klösterliche Ideale (z.B. Armut, Keuschheit und Gehorsam, Stundengebet etc.) in den Blick genommen, wie das Beispiel von Taizé offenbar macht. Heute gilt es jedoch zu fragen: Was für eine eigene, evangelische, oder überhaupt neue Sprache ließe sich finden für das gegenwärtige Aufmerken und Suchen nach Formen von Gemeinschaft?

Wir tasten uns vor mit einem Bild: Das Haus in Bethanien, wo Maria, Martha und Lazarus, die Geschwister, eine gastfreundliche Herberge für den rastlosen Rabbi offen halten. Wir tasten uns auch mit einem Begriff vor: „ecclesiola“ ist die Verkleinerungsform von „ecclesia“. Es bedeutet also „Kirchlein“. Worum es hier geht, ist etwas Kleines, Unscheinbares, was aus ganz pragmatischen Bedingungen her gewachsen ist, und nun eine Sprache sucht. (…)

Man hört wahrscheinlich meine Stimme da raus, oder? Da das Forum erst nächstes Jahr stattfindet, sind Kommentare an dieser Stelle schon mal sehr willkommen!

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vom kloster zum evangelischen pfarrhaus zum starbucks

Oktober 9, 2009 · 14 Kommentare

Hätte, hätte, hätte. Ich hätte früher schon mal über „beziehungsweise LEBEN“ bloggen können, wozu ich ein Kapitel beigesteuert habe. Überhaupt hätte ich mal regelmässiger bloggen können. Egal. Ich erinnere mich, dass ich, als die Belegexemplare vor zwei Wochen ankamen, vom Mit-Autor zum Leser wurde.  Das Kapitel von Martin Gommel über spirituellen Rhythmus zum Beispiel – da habe ich frühere eigene Erfahrungen stark wiedergefunden. Dazu bräuchte ich mal Zeit (hätte, hätte, hätte), um was dazu zu sagen.

Was mich besonders aufhorchen liess, war Walters Kapitel „Spiritualität und Volkskirche: Überlegungen zu geistlichen Kernen in evangelischen Volkskirchen“. Allerdings ist vor allem seine Einleitung oder seine Frage impulsgebend. In meinen Worten wiedergegeben: Seit ihrem Aufkommen seien Asketen, Einsiedlerinnen und Mönche die spirituellen Vorbilder für das Volk der Kirche gewesen. (Ich würde sagen: Für die katholische und orthodoxe Christenheit trifft das gewiss immer noch zu.) Für die evangelische Herde sei jedoch das Pfarrhaus an die Stelle des Klosters getreten. Walters Frage daran anschliessend ist: Wer vertritt heute die Funktion des spirituellen Vorbilds und die Funktion, erneuernde Impulse in die Kirche zu geben?

Es gibt darauf vorerst keine Antwort. Was ich allerdings schon sagen kann, ist dass diese Frage nur durch eine konkrete Lebensform beantwortet werden kann. Die Antwort gibt es nur als eine Vielzahl von Experimenten, die gelingen oder auch nicht.

Dass die Klöster und Orden bis heute – so sehr sie auch von innen her verfallen – mit ihrer spirituellen Kultur Impulse zu geben vermögen, liegt nicht zuletzt daran, dass es sich um konkrete Menschen handelt, die – wenn sie auch menschlich scheitern – das Experiment wagen. Das ist viel mehr Wert, als eine reine Phantasie von einer Urgemeinde zu haben. Das wäre eine blosse Träumerei und nazarenische Kunst-Romantisierung. Ich frage also noch einmal, und nun sollte das „wer“ deutlich herausgehört werden: Wer vertritt heute die Funktion des spirituellen Vorbilds und die Funktion, erneuernde Impulse in die Kirche zu geben? Der Blogger-Theologe, der bei Starbucks sitzt vielleicht?

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muss religion weh tun?

August 4, 2009 · 39 Kommentare

Muss Religion weh tun?

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transformation statt mission

Juni 26, 2009 · 5 Kommentare

P. Richard Rohr hörte ich letztens bei einem Studientag in Hamburg (übrigens über das Thema „Emerging Church“) sagen:

„Transformed people transform people just by who they are.“ [Richard Rohr]

So lautet jedenfalls die Notiz in meinem Block. In meinen Worten: Menschen in einem (kontemplativen) Transformationsprozess halten immer die Klappe – sei es auf dem Meditationskissen als auch ihren Mitmenschen gegenüber. Ist das so gemeint?

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rausgeflogen

Juni 3, 2009 · Kommentar schreiben

Inzwischen ist eine Audio-Datei meines Kurzimpulses „Spiritualität der Exilanten versus monastische Spiritualität“ bei emergent-deutschland.de abrufbar. Dort geht es ausgehend von einem Text von Madeleine Delbrêl (1904-1964) um die Unmöglichkeit, monastische Spiritualität einem urbanen Kontext einzupflanzen. Das erläutere ich anhand von vier Gegensatzpaaren, nämlich

  • Ungleichgewicht vs. Rhythmus
  • Geschwindigkeit vs. Verlangsamung
  • Risiko vs. Sicherheit
  • Banalität vs. Liturgie

Ich habe auch schon ein paar Reaktionen erhalten. So fragte Walter in einem Kommentar unten, ob die Selbstbezeichnung „Exilant“ nicht auch positiven Klang bekommen könnte. Von einer anderen Freundin (die übrigens ganz schnodderig von „uns Rausgeflogenen“ sprach, einerseits auf die Selbstbezeichnung „Exilant“ bezugnehmend, andererseits auf das Risiko mit dem Fahrrad aus der Kurve rauszufliegen) unterstrich den Sicherheitsfaktor eines geregelten (monastischen) Lebens, mit dem eine Entmündigung einhergehe. Inzwischen aus dem monastischen System ausgestiegen, erlebe sie aber im „normalen“ Leben einen anderen Zwang, nämlich den Zwang zur Dauer-Kommunikation. In diesem Spiel gehe es darum, sich immer mal wieder „zu melden“. Geschieht das nicht, verliert man den Anschluss und wird erneut zum Rausgeschmissenen. Einmal rausgeflogen, immer wieder rausfliegen? Niemals Zugehörigkeit?

Übrigens liesse sich hier ein weiteres Gegensatzpaar fassen:

  • Kommunikation vs. Stille

Ja, tatsächlich! In diesem Leben – „extra claustrum“, ausserhalb der Klostermauern – müssen wir kommunizieren! Und das geht manchmal bis ins Extreme, okay. Und dabei fällt auch mal Banales  und Unnötiges bei ab, na gut. Aber immerhin tun wir unser Bestes und es gibt damit eine Chance der Verständigung.

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spiritualität ohne zugehörigkeit

Mai 10, 2009 · 5 Kommentare

Einige Notizen:

[1] Ein kleines Treffen der „Initiative Nord“ von Emergent Deutschland in Bremen letzte Woche öffnete mir die Augen dafür, was für eine spezielle Spiritualität von mir und auch im Haus teilweise gelebt wurde und wird. Von einem Text von Madeleine Delbrêl ausgehend, der üblicherweise mit „Fahrradspiritualität“ überschrieben wird, versuchte ich monastische Spiritualität und Exil-Spiritualität (so nenne ich mal unsere Spiritualität) in vier Gegensatzpaaren zu sizzieren. Was ich aber durch den anschliessenden Austausch erst so richtig kapierte war, dass die „Exil-Spiritualität“ nicht vergleichbar ist mit einer herkömmlichen „Gemeinde-Frömmigkeit“.

Im Bereich Meditation und Kontemplation begegnet man immer wieder Menschen, die „mehr“ suchen, mehr als was sie in ihrer Gemeinde oder Pfarrei finden können. Wenn sie katholisch sein sollten und noch nicht gebunden, würden solche Menschen vielleicht überlegen, ob sie vielleicht zum Ordensleben berufen sind. Evangelische Christen werden da eher heimatlose Nomaden bleiben, weil sie keinen schon fertigen Weg gehen können. Wieviele Menschen mit diesem Zug zum „Mehr“ werden Heimat überhaupt finden? Oder wird es eine Aufgabe für sie sein, als Exilanten mit den anderen Menschen in ihrer Umgebung zu leben?

Demnächst wird sicherlich mein kurzer Impuls bei Emergent Deutschland zum Hören zur Verfügung stehen, bislang ist da nur Simons Bericht von unserem Treffen. Hier ist aber auch eine schriftliche Version meines Themas: ex_tempore. Spiritualität der Exilanten versus monastische Spiritualität [pdf-Datei]

[2] Ich habe lange keine Notizen zur Lektüre der „Wolke des Nichtwissens“ mehr veröffentlicht. Heute schrieb ich aber wieder was: es geht gar nicht um ‘gott’“

[3] Facebook sagt mir, ich sei nicht zum Ordensleben berufen:

not a monastic

Hätte ich den Test doch vor fünf Jahren schon gemacht!

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wir schulden gott nichts

April 15, 2009 · Kommentar schreiben

Nachtrag zu den letzten Tagen:

Freilich, die Improperien sind ein alt-ehrwürdiges Stück in der Liturgie des Karfreitags. Inhaltlich sind sie allerdings nicht ein nur Musterbeispiel von Antijudaismus in christlicher Liturgie, sie vermitteln auch eine fragwürdige Haltung des Gekreuzigten. Es handelt sich um ein Stück Fiktion, was uns die Improperien bieten. Und diese Fiktion malt sich aus, wie der Gekreuzigte das Volk anspricht im Sinne von „Vierzig Jahre lang habe ich dich durch die Wüste geführt. Du aber bereitest das Kreuz deinem Erlöser. Was habe ich dir getan? Antworte mir! etc.“ Schulden wir Gott etwas?

Zum ersten Mal hörte ich dieses Jahr die Improperien in einem Gottesdienst am Karfreitag gelesen. Ich war irritiert, auch wenn ich den Inhalt ja schon – wenn auch nur als eine Art musikhistorisches Museumsstück – kannte. Ist er diesen Weg freiwillig gegangen oder nicht? Wenn ja, was sollen dann solche Vorwürfe?

Eine gnadenhafte, freiwillige Gabe aber verpflichtet uns zu nichts. Oder was für Hintergedanken sollten da doch noch vorhanden sein? Wir wissen, wie schmerzlich es ist, Liebe zu schenken, wenn sie nicht erwidert wird. Aber durch die Enttäuschung hindurch wissen wir auch, dass es genügt, zu lieben. Denn wer möchte schon mit einer Liebe geliebt werden, die man sich selbst durch Geschenke erkauft hätte? Es wäre besser, gar nicht geliebt zu werden, als Zuwendung zu erfahren, zu der man den anderen erst überreden musste, zu der er sich „verpflichtet“ fühlte. Wir schulden Gott nichts. Diese Freiheit ist seine Gabe.

Aber auch folgendes gilt es zu erwägen: Gott schuldet uns nichts. Wie sind wir bloss auf die Idee gekommen, es sei seine Aufgabe, uns vor leidvollen Erfahrungen zu schützen und uns Lebenssorge und zermürbenden Alltag zu ersparen? Was zeigt uns die Geschichte vom leidenden Gott anderes, als dass er auch nur ein Mensch ist, dem nichts erspart bleibt? Was also sollten wir von ihm erwarten?

Es genügt, zu leben. Und diese Freiheit zum Ausgangspunkt zu nehmen, dass wir Gott nichts schulden und dass er uns nichts schuldet. Vielleicht können wir uns so neu begegnen und versöhnen – mit dem Leben, das wir haben, und vielleicht auch mit dem Gott, den wir nie gekannt haben.

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sieben tage ohne sinn

April 6, 2009 · 6 Kommentare

Vor einem Monat sah ich gross plakatiert Werbung für ein Buch ungefähr mit dem Titel „Die Sinn-Diät“, der Untertitel verrsprach nach meiner lückenhaften Erinnerung so etwas im Sinne von „mit philosophischen Lebensweisheiten zu mehr Glück“. Autorin ist eine Rebekka Irgendwas. (Warum ich mich jetzt nur an den Vornamen erinnere, weiss ich nicht.) Das Buch habe ich mir nicht gekauft, aber den Titel finde ich nach wie vor reizvoll: Die Sinn-Diät. Man mag wohl einwenden, das was die Menschen gegenwärtig wenig besitzen, sei Inspiration oder Lebensmut etc., wozu dann bitte schön eine Entschlackung von Sinn, Ziel, Hoffnung und Zukunft? Der Grund, so vermute ich, dass uns so etwas fehlt, liegt nicht an einem Mangel an Sinn, sondern an einer Inflation von Sinn-Vorschlägen. Diese verursacht wahrscheinlich einen enormen Sinn-Überdruss, so dass eine Sinn-Diät tatsächlich empfehlenswert wäre, anstatt diesen Überdruss und die Lebens-Langeweile aggressiv auszuagieren.

Auch die  „Wolke des Nichtwissens“, eine Anleitung zu einem kontemplativen Leben aus dem 14. Jahrhundert, empfiehlt, sich zu beschränken im Gebet und in einem spirituellen Leben. Anstatt sich zu unterhalten, anstatt sich mit frommen Geschichten und Bildern zu „entertainen“, soll man zu einer ganz einfachen und opaken Hinwendung zu Gott zurückkehren. Alle Gedanken und Bilder – der Welt aber auch von Gott – sind abzuweisen mit einem „Ich weiss es nicht.“

Wenn wir jetzt mit Palmsonntag in die Heilige Woche eingetreten sind, ist die Versuchung gross, wieder viel von Sinn zu reden. Ich bitte diejenigen, die predigen und diejenigen, die Predigten zuhören, Abstand von dem Gedanken zu nehmen, so viel Sinn in Gewalt und gewaltsamen Tod zu sehen. Sagt doch einfach „Was für ein sinnloser Tod!“ und enthaltet euch, irgendwelche spitzfindigen oder frommen Erklärungen in ihn hinein zu deuten. Schämt ihr euch denn nicht? Gewalt und Tod und Hinrichtung und Selbstopfer erfordern andere Reaktionen als Dogmen, Theologie und religiöse Sinn-Inflation. So wie die Bachsche Matthäuspassion anhebt, das wäre die angemessene Richtung: „Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen …“

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ausgesparte schamgegend in „membra jesu nostri“

März 23, 2009 · 33 Kommentare

Skizze zu den Gliedmassen der "Membra Jesu nostri"

Skizze zu den Gliedmassen in "Membra Jesu nostri"

Der Grund, weswegen ich mich hinsetzte und die Reihenfolge der Gliedmassen in den „Membra Jesu nostri“ von Dietrich Buxtehude anschauen wollte, war meine Verwunderung über die Platzierung der Widmungskantate „Ad manus“, an die Hände. Die Reihenfolge „An die Füsse“ – „An die Knie“ – „An die Hände“ weist ja offensichtlich eine Lücke auf. Aber wie naiv habe ich geguckt! Eine intelligente Person sagte mir im Gespräch über meinen kurzen Aufsatz, es sei doch klar, warum der Blick des Betrachtenden die Linie von den Füssen (1) über die Knie (2) nicht weiter nach oben zieht, sondern zur Seite ausweicht, um zu den (3) Händen zu springen: Der „keusche“ Blick weicht der Scham des Gekreuzigten aus, spart sie aus und setzt deshalb bei der Seite (4) neu an. Von dort aus kann die Blickrichtung „nach oben“ ohne Erröten verfolgt werden. So man also emphatisch sagen kann: „Hey, dieser Gott hat einen Körper!“, so müsste man einschränken: Aber Eier hat er nicht. Oder darf er nicht haben. (Im Gegensatz z.B. zu Shiva, dessen Phallus zum Kultobjekt werden kann.) Ist dieser Gott ein Mann nach dem vorherrschenden Rollenbild? Eher nicht.  „Er tat seinen Mund nicht auf …“

(Ganz, ganz nebenbei: Gründet die Missachtung der Frauen in der Kirche vielleicht darin, dass die Kirchenfunktionäre und Hierarchen auch keine „echten“ – weil zölibatäre – Männer sind, so dass sie wenigstens über die Ausübung von struktureller Macht „Männlichkeit“ beweisen wollen?)

Nachdem mir diese Aussparung der Schamgegend so deutlich geworden ist, klafft da für mich in dem Gedicht- bzw. Kantatenzyklus eine Lücke. Als ob die Vermeidung das Verhüllte umso mehr hervorhebt. Was das bedeutet weiss ich noch nicht.

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