ein neues kellion

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nouvelle ledigkeit

November 4, 2009 · 5 Kommentare

notiz vom oktober 2009: „keine bestimmung, kein plan, keine wiederkehr, keine strafe, nur ledigkeit, durchlässig.“

notiz von gestern: „niemand ist schuld, weder die eltern, noch die anderen, noch gott, noch das schicksal. wir sind im frieden, denn dass die dinge so sind wie sie sind, war niemandes absicht, weder das, was wir gut nennen, noch das, was wir schlecht nennen. wir schulden niemandem dank, aber auch verdient keiner unseren tadel. dieses auszuhalten ist die grosse versöhnung.“

Ich frage mich, woher ich das  weiss. Habe ich das irgendwo gelesen? Hat es mir jemand gesagt? Oder erweisen sich diese Notizen einfach nur als pragmatische Ansichten, mit der ein gewisser Grad von Ataraxie erreicht wird, eine Nouvelle Ledigkeit? Mich würde interessieren, wo ich das einordnen könnte, in welche Tradition ich mich damit einreihe.

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welche tür?

September 5, 2009 · 5 Kommentare

version1
der tathagata, der jesus sagen hörte: „klopft an die tür und es wird euch aufgetan.“, erwiderte ihm: „welche tür?“

version 2
ich hörte den lehrer sagen: „klopft an und es wird euch aufgetan.“ daraufhin schlug ich ihn windelweich und ging um die tür herum.

kommentar
das mit dem anklopfen beschäftigt mich ja irgendwie schon. mit den beiden obigen szenen wollte ich nur zum ausdruck bringen, wie „wahnhaft“ und „in den wind“ unser streben ist, etwas zu sein, zu einer gruppe zu gehören, etwas darzustellen, etwas zu erreichen, glück zu finden etc. und dann ist da eine tür, von der wir denken, wir könnten nur zufrieden mit unseren leben sein, wenn genau sie sich öffnet. bei kafka ist sie schon immer offen gewesen. und mit dem mann, der vor der tür wartet, verharren wir in der verbitterten ansicht, die tür sei geschlossen. was ist diese tür wirklich? der tathagata hätte gewiss behauptet, da sei gar keine tür (version 1). und die unbekümmertheit in version 2 will diese tür einfach lächerlich machen und alles, was diese tür für uns symbolisiert.

version 3
nachdem ich drei jahre vergeblich an die tür geklopft hatte, gab ich auf. da hörte ich es klopfen. und als ich aufmachte, liess ich mich selbst ein.

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zum beten gehört auch das nicht-beten

September 3, 2009 · Kommentar schreiben

zu allen, die ihm zuhörten, sagte er: „zum beten gehört auch das nicht-beten.“ als er allein mit seinen engsten freunden war, ergänzte er: „zum beten gehört auch das fluchen.“ (logion 4)

in der reihe der selbsterfundenen jesusworte gibt es bereits:

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gott, der von anfang schweigt

September 2, 2009 · Kommentar schreiben

„Du sagst mir: ‘Im Grunde ist Gott der vollendete Psychoanalytiker, der unerschütterlich schweigt.’ Nur erscheint der Pychoanalytiker erst nach dem Vater, der sich bereits, und zwar mit einem gewichtigen Wort, über das Kind ausgesprochen hat. Gott ist für uns ein Vater, der von Anfang an schweigt, ein Vater, der sich in seiner Art, Dasein zu gewähren, immer schweigsam verhalten hat. Wie jene Menschen, die dir Halt geben durch das Schweigen, das von ihnen ausgeht; die dich, ohne sich einzumischen, veranlassen, dich selbständig auszudrücken; jene Menschen, die uns näher sind als wir uns selbst.“ (Jean-François Six, Beten in der Nacht des Glaubens, Freiburg 1972, Seite 19)

… interessantes Buch mit so ähnlich kurzen Notizen wie oben. Das mit dem „sich nicht einmischen“: Gerade am Wochenende sagte mir ein Freund, dass er ein solches Verhalten seiner Eltern eher als Desinteresse verstanden hat. Und irgendwie umweht ihn da so eine Traurigkeit und ich weiss nicht, wieviel Tatkraft für die Zukunft da ist, bzw. fehlt.

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„verschwinden“ und „ganz dabei sein“

Juli 17, 2009 · 3 Kommentare

In dem Film „Billy Elliot“ wird der elfjährige aus dem Arbeitermillieu stammene Billy bei einem Ballettvortanzen gefragt, was das für ein Gefühl sei, wenn er tanze. Bestimmte Sätze aus seiner stammelnd suchenden Rede liessen mich aufhorchen. Als wären sie ebenso Stichworte zur Meditation, zur Übung „in die Gegenwart zu kommen“. Besonders trifft mich die Aussage „Irgendwie verschwinde ich“.

„Keine Ahnung. – Ein ganz gutes Gefühl. – Es ist alles steif und so, aber wenn ich einmal loslege, … dann … dann vergess ich alles, und … irgendwie verschwinde ich. – Irgendwie verschwinde ich. Als würde sich mein ganzer Körper verändern. Als wär Feuer in meinem Körper. Ich bin einfach da … und fliege … wie ein Vogel. Wie Elektrizität. … Ja – wie Elektrizität.“ (Billy Elliot)

Dabei scheint mir ganz klar zu werden, dass „verschwinden“ und „ganz dabei sein“ wie zwei Flügel sind, mit denen man bei jeglicher wichtigen Tätigkeit sich fortbewegt. Und beim Flügelschlag berührt sich beides. Vielleicht würde jemand anderes sagen, „verschwinden“ und „ganz dabei sein“ sei gar dasselbe.

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schwerkraft ist nur eine illusion

Juli 8, 2009 · Kommentar schreiben

normalerweise sitzen wir ja bei unseren meditationskursen, aber hey, das (springen!) will ich beim nächsten seminar auch mal ausprobieren:

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junge meditierer

Juli 3, 2009 · 1 Kommentar

Bereits an anderen Stellen, habe ich vom vergangenen Wochenende erzählt, wo einige Jugendliche und junge Menschen bei uns im Haus mit Br. Johannes (Kloster Nütschau) und mir meditiert haben. Ich habe sonst immer gesagt, dass Meditation bzw. Kontemplation wahrscheinlich eine Sache ist, die erst in einem späteren Lebensalter eine Rolle spielt, aber das Wochenende hat mir gezeigt, dass auch junge Menschen die Fähigkeit besitzen, über verschiedene Wege (in der Natur, in Körperübungen, im Atem, im Gehen, im Hören) Türen zur Gegenwart aufzustossen, und dabei ganz kreativ sind.

Hier kann man einige Photos sehen.

Ausserdem haben Br. Johannes und ich im Vorwege, vor dem Meditationswochenende ein Interview gegeben, das in der aktuellen Ausgabe von „Cayenne Pepper“, dem Magazin der Jugend im Erzbistum Hamburg, abgedruckt ist. Wer das nachlesen mag: Hier ist ein Scan von der entsprechenden Seite.

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transformation statt mission

Juni 26, 2009 · 5 Kommentare

P. Richard Rohr hörte ich letztens bei einem Studientag in Hamburg (übrigens über das Thema „Emerging Church“) sagen:

„Transformed people transform people just by who they are.“ [Richard Rohr]

So lautet jedenfalls die Notiz in meinem Block. In meinen Worten: Menschen in einem (kontemplativen) Transformationsprozess halten immer die Klappe – sei es auf dem Meditationskissen als auch ihren Mitmenschen gegenüber. Ist das so gemeint?

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gott verlernen

Juni 19, 2009 · 3 Kommentare

Ja, durchaus könnte es einen fruchtbaren Austausch von Agnostikern und Kontemplativen geben. Beiden ist gemeinsam, dass sie sich enthalten, etwas über Gott zu sagen. Ja, im Sinne der „Wolke des Nichtwissens“, einer schriftliche Unterweisung zum kontemplativen Gebet aus dem England des 14. Jahrhunderts, besteht „das Geschäft“ des Kontemplativen eigentlich darin, das Wissen um Gott oder alles andere Wissen, alle „Gnosis“, zu vergessen. Jemand schrieb mir in einer E-Mail, dass man bei dem englischen Titel „The Cloud of Unknowing“ das Wort „unknowing“ besser als „ent-wissen“ verstehen könnte, die Vorsilbe „ent-“ im gleichen Sinne verstanden wie in „ent-wirren“, „ent-leeren“ etc. Man könnte es mit der Vorsilbe „ver-“ vielleicht noch zuspitzen: Das Tun des Kontemplativen besteht darin, Gott zu verlernen.

Zum Zusammenhang mit dem Atheismus: Ein Kontemplativer ist – das ist nur meine eigene Meinung – weder bekennend gottgläubig noch bekennender Atheist. Während er „Gott verlernt“ ist er zwar auf dem Weg zu einem Atheismus, aber er kommt niemals bei der atheistischen Position an, sondern bleibt im Niemandsland, im Zwischenland, dort, wo er abends nicht weiss, wo er sein Haupt betten soll. Ein Kontemplativer lässt Gott los, aber er lässt auch die Idee, dass es Gott nicht gäbe, los.

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spiritualität ohne zugehörigkeit

Mai 10, 2009 · 5 Kommentare

Einige Notizen:

[1] Ein kleines Treffen der „Initiative Nord“ von Emergent Deutschland in Bremen letzte Woche öffnete mir die Augen dafür, was für eine spezielle Spiritualität von mir und auch im Haus teilweise gelebt wurde und wird. Von einem Text von Madeleine Delbrêl ausgehend, der üblicherweise mit „Fahrradspiritualität“ überschrieben wird, versuchte ich monastische Spiritualität und Exil-Spiritualität (so nenne ich mal unsere Spiritualität) in vier Gegensatzpaaren zu sizzieren. Was ich aber durch den anschliessenden Austausch erst so richtig kapierte war, dass die „Exil-Spiritualität“ nicht vergleichbar ist mit einer herkömmlichen „Gemeinde-Frömmigkeit“.

Im Bereich Meditation und Kontemplation begegnet man immer wieder Menschen, die „mehr“ suchen, mehr als was sie in ihrer Gemeinde oder Pfarrei finden können. Wenn sie katholisch sein sollten und noch nicht gebunden, würden solche Menschen vielleicht überlegen, ob sie vielleicht zum Ordensleben berufen sind. Evangelische Christen werden da eher heimatlose Nomaden bleiben, weil sie keinen schon fertigen Weg gehen können. Wieviele Menschen mit diesem Zug zum „Mehr“ werden Heimat überhaupt finden? Oder wird es eine Aufgabe für sie sein, als Exilanten mit den anderen Menschen in ihrer Umgebung zu leben?

Demnächst wird sicherlich mein kurzer Impuls bei Emergent Deutschland zum Hören zur Verfügung stehen, bislang ist da nur Simons Bericht von unserem Treffen. Hier ist aber auch eine schriftliche Version meines Themas: ex_tempore. Spiritualität der Exilanten versus monastische Spiritualität [pdf-Datei]

[2] Ich habe lange keine Notizen zur Lektüre der „Wolke des Nichtwissens“ mehr veröffentlicht. Heute schrieb ich aber wieder was: es geht gar nicht um ‘gott’“

[3] Facebook sagt mir, ich sei nicht zum Ordensleben berufen:

not a monastic

Hätte ich den Test doch vor fünf Jahren schon gemacht!

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