ein neues kellion

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das jesusgebet gesungen

November 17, 2009 · Kommentar schreiben

Jemand bat mich, eine Singweise für das Jesusgebet zu finden. Ich schrieb etwas auf und nahm es auf, damit man die Idee einmal hören kann. Es fehlt ein Liegeton – den müsste man sich noch dazu vorstellen, und: unendliche Wiederholungen dieses Ein-Satz-Gebetes.

Gebetsweisen und -methoden sollten nicht Gegenstand von „Meinungen“ sein. Wenn ich also berichte, dass die Praxis des Jesusgebets nicht meine ist, ist das keine Aussage darüber, wie ich sie finde oder dass ich diese oder jene Meinung darüber habe. Ich kenne eine Frau, die diesen Weg beschritten hat und intensiv damit lebt. Sie hat aber auch gewagt, sich auf den Rahmen, nämlich ostkirchliche Frömmigkeit und Theologie, einzulassen. So scheint mir das stimmig zu sein. Obwohl ich selbst also überhaupt keine Ahnung habe, empfehle ich für Menschen, die sich für diese ostkirchliche kontemplative Tradition interessieren, folgendes Buch:

Das Jesusgebet: Anleitung zur Anrufung des Namen Jesus. Von einem Mönch der Ostkirche

Ich habe die Intuition, dass dieses sehr dünne Bändchen (72 Seiten) für Anfänger eher geeignet ist und einen nicht so sehr verwirrt wie das Grundbuch dieser Gebetspraxis („Aufrichtige Erzähungen eines russischen Pilgers“ hrsg. von Emmanuel Jungclaussen).

NB. Ist es nicht erstaunlich, wie viele verschiedene Weisen des kontemplativen Übens es gibt?

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vom kloster zum evangelischen pfarrhaus zum starbucks

Oktober 9, 2009 · 14 Kommentare

Hätte, hätte, hätte. Ich hätte früher schon mal über „beziehungsweise LEBEN“ bloggen können, wozu ich ein Kapitel beigesteuert habe. Überhaupt hätte ich mal regelmässiger bloggen können. Egal. Ich erinnere mich, dass ich, als die Belegexemplare vor zwei Wochen ankamen, vom Mit-Autor zum Leser wurde.  Das Kapitel von Martin Gommel über spirituellen Rhythmus zum Beispiel – da habe ich frühere eigene Erfahrungen stark wiedergefunden. Dazu bräuchte ich mal Zeit (hätte, hätte, hätte), um was dazu zu sagen.

Was mich besonders aufhorchen liess, war Walters Kapitel „Spiritualität und Volkskirche: Überlegungen zu geistlichen Kernen in evangelischen Volkskirchen“. Allerdings ist vor allem seine Einleitung oder seine Frage impulsgebend. In meinen Worten wiedergegeben: Seit ihrem Aufkommen seien Asketen, Einsiedlerinnen und Mönche die spirituellen Vorbilder für das Volk der Kirche gewesen. (Ich würde sagen: Für die katholische und orthodoxe Christenheit trifft das gewiss immer noch zu.) Für die evangelische Herde sei jedoch das Pfarrhaus an die Stelle des Klosters getreten. Walters Frage daran anschliessend ist: Wer vertritt heute die Funktion des spirituellen Vorbilds und die Funktion, erneuernde Impulse in die Kirche zu geben?

Es gibt darauf vorerst keine Antwort. Was ich allerdings schon sagen kann, ist dass diese Frage nur durch eine konkrete Lebensform beantwortet werden kann. Die Antwort gibt es nur als eine Vielzahl von Experimenten, die gelingen oder auch nicht.

Dass die Klöster und Orden bis heute – so sehr sie auch von innen her verfallen – mit ihrer spirituellen Kultur Impulse zu geben vermögen, liegt nicht zuletzt daran, dass es sich um konkrete Menschen handelt, die – wenn sie auch menschlich scheitern – das Experiment wagen. Das ist viel mehr Wert, als eine reine Phantasie von einer Urgemeinde zu haben. Das wäre eine blosse Träumerei und nazarenische Kunst-Romantisierung. Ich frage also noch einmal, und nun sollte das „wer“ deutlich herausgehört werden: Wer vertritt heute die Funktion des spirituellen Vorbilds und die Funktion, erneuernde Impulse in die Kirche zu geben? Der Blogger-Theologe, der bei Starbucks sitzt vielleicht?

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„letzte weihe“ und „am ende“

Juli 10, 2009 · 7 Kommentare

[Notiz 1]

„Wie heißt das noch mal, wenn das Noviziat vorbei ist und man, äh, weiterkommt?“

„Triennalprofess.“

„Und danach?“

„Ewige Profess.“

„Und dann?“

„Ähm, … der Tod? Aber das kriegen wir alle anderen auch.“

Ja, der Tod ist unsere letzte Weihe. Im Grunde genommen sind wir schon seit unserem ersten Atemzug zu dieser letzten Weihe berufen. Die Klarheit dieser Berufung ist unübertrefflich.

Markus fragt übrigens: Wohin geht die Flamme, wenn sie verlischt?


[Notiz 2]

Manchmal ist es so, als hätten Gottes Füße den Staub dieser Erde nie berührt. Denn würde er das alles hier kenne, müsste er das Projekt „Leben“ widerrufen. Stattdessen hält er an der Idee „Erde“ fest, als hätte er nie Gewalt und Folter und Tod erlitten. Nein, er wird gekreuzigt und behauptet steif und fest: Am Ende wird alles gut. Klar, dass am Ende alles gut wird, denn nach dem Ende kommt ja nichts mehr. Und dann – wenn dann nichts mehr ist – mag auch alles gut werden. Aber dann wäre es ja sowieso egal. Eigentlich möchten wir doch, dass es  j e t z t  gut ist.

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rausgeflogen

Juni 3, 2009 · Kommentar schreiben

Inzwischen ist eine Audio-Datei meines Kurzimpulses „Spiritualität der Exilanten versus monastische Spiritualität“ bei emergent-deutschland.de abrufbar. Dort geht es ausgehend von einem Text von Madeleine Delbrêl (1904-1964) um die Unmöglichkeit, monastische Spiritualität einem urbanen Kontext einzupflanzen. Das erläutere ich anhand von vier Gegensatzpaaren, nämlich

  • Ungleichgewicht vs. Rhythmus
  • Geschwindigkeit vs. Verlangsamung
  • Risiko vs. Sicherheit
  • Banalität vs. Liturgie

Ich habe auch schon ein paar Reaktionen erhalten. So fragte Walter in einem Kommentar unten, ob die Selbstbezeichnung „Exilant“ nicht auch positiven Klang bekommen könnte. Von einer anderen Freundin (die übrigens ganz schnodderig von „uns Rausgeflogenen“ sprach, einerseits auf die Selbstbezeichnung „Exilant“ bezugnehmend, andererseits auf das Risiko mit dem Fahrrad aus der Kurve rauszufliegen) unterstrich den Sicherheitsfaktor eines geregelten (monastischen) Lebens, mit dem eine Entmündigung einhergehe. Inzwischen aus dem monastischen System ausgestiegen, erlebe sie aber im „normalen“ Leben einen anderen Zwang, nämlich den Zwang zur Dauer-Kommunikation. In diesem Spiel gehe es darum, sich immer mal wieder „zu melden“. Geschieht das nicht, verliert man den Anschluss und wird erneut zum Rausgeschmissenen. Einmal rausgeflogen, immer wieder rausfliegen? Niemals Zugehörigkeit?

Übrigens liesse sich hier ein weiteres Gegensatzpaar fassen:

  • Kommunikation vs. Stille

Ja, tatsächlich! In diesem Leben – „extra claustrum“, ausserhalb der Klostermauern – müssen wir kommunizieren! Und das geht manchmal bis ins Extreme, okay. Und dabei fällt auch mal Banales  und Unnötiges bei ab, na gut. Aber immerhin tun wir unser Bestes und es gibt damit eine Chance der Verständigung.

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spiritualität ohne zugehörigkeit

Mai 10, 2009 · 5 Kommentare

Einige Notizen:

[1] Ein kleines Treffen der „Initiative Nord“ von Emergent Deutschland in Bremen letzte Woche öffnete mir die Augen dafür, was für eine spezielle Spiritualität von mir und auch im Haus teilweise gelebt wurde und wird. Von einem Text von Madeleine Delbrêl ausgehend, der üblicherweise mit „Fahrradspiritualität“ überschrieben wird, versuchte ich monastische Spiritualität und Exil-Spiritualität (so nenne ich mal unsere Spiritualität) in vier Gegensatzpaaren zu sizzieren. Was ich aber durch den anschliessenden Austausch erst so richtig kapierte war, dass die „Exil-Spiritualität“ nicht vergleichbar ist mit einer herkömmlichen „Gemeinde-Frömmigkeit“.

Im Bereich Meditation und Kontemplation begegnet man immer wieder Menschen, die „mehr“ suchen, mehr als was sie in ihrer Gemeinde oder Pfarrei finden können. Wenn sie katholisch sein sollten und noch nicht gebunden, würden solche Menschen vielleicht überlegen, ob sie vielleicht zum Ordensleben berufen sind. Evangelische Christen werden da eher heimatlose Nomaden bleiben, weil sie keinen schon fertigen Weg gehen können. Wieviele Menschen mit diesem Zug zum „Mehr“ werden Heimat überhaupt finden? Oder wird es eine Aufgabe für sie sein, als Exilanten mit den anderen Menschen in ihrer Umgebung zu leben?

Demnächst wird sicherlich mein kurzer Impuls bei Emergent Deutschland zum Hören zur Verfügung stehen, bislang ist da nur Simons Bericht von unserem Treffen. Hier ist aber auch eine schriftliche Version meines Themas: ex_tempore. Spiritualität der Exilanten versus monastische Spiritualität [pdf-Datei]

[2] Ich habe lange keine Notizen zur Lektüre der „Wolke des Nichtwissens“ mehr veröffentlicht. Heute schrieb ich aber wieder was: es geht gar nicht um ‘gott’“

[3] Facebook sagt mir, ich sei nicht zum Ordensleben berufen:

not a monastic

Hätte ich den Test doch vor fünf Jahren schon gemacht!

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auf dem weg zum neuen das alte verlernen

Februar 19, 2009 · 8 Kommentare

Schlagen wir ein neues Kapitel auf. Vielleicht wäre es auch einmal nett, das neue kellion zu einem neuen Loft auszubauen – aber das werden wir sehen. Auf alle Fälle, ist es Zeit, nach neuen, anderen Formen der Heiligkeit zu suchen und zu forschen. Lange genug waren wollten wir vom Meister der Benediktsregel lernen, übten das Stundengebet und die Lectio, liebten die Liturgie und den Gesang. Nachdem wir Schiffbruch erlitten haben, Veleumdung und Feindschaft, Feigheit und Enge durch Mönche des Klosters N., ist deutlich genug: Dieser Ort muss gemieden werden – wenigstens für eine längere Zeit. Vor allem innerlich muss dieser Ort gemieden werden. Durch die räumliche Nähe und den kirchlichen und beruflichen Zusammenhang, in dem ich stehe, wird es nicht zu vermeiden sein, das Gelände zu betreten.

Wir müssen jetzt ganz engagiert danach fragen, was eine Spiritualität von Laien sein könnte. Es ist eigentlich vor allem die Neugier – und nicht die Verbitterung, die mich lockt, nach neuen Geschichten und Begriffen zu suchen. Und gleichzeitig befürchte ich, dass ich gänzlich unbegabt bin für die Art von Heiligkeit, die hier gefragt wäre. Ich denke da an Dorothy Day, der „katholischen Anarchistin“, oder an Madeleine Delbrêl, mit ihrem konkreten sozialen Einsatz. Aber irgendwie ahne ich: Etwas nicht zu können ist auf dem Weg der Heiligkeit der beste Ausgangspunkt.

Auf dem Weg dorthin, werde ich vielleicht auch einfach erst einmal damit beschäftigt sein, das Alte zu verlernen.

Nachtrag: Das Projekt, die Wolke des Nichtwissens erneut zu lesen, ist nicht aufgegeben. Der letzte Eintrag passt ganz gut zum Stichwort „verlernen“: vergessen und nicht-wissen

Nachtrag 2: Ich habe auch irgendwie gerade das Bedürfnis nach selbstverordnetem Autismus, deshalb ist die Blogroll entfernt worden.

Nachtrag 3: In den Kommentaren zu diesem Eintrag wird der Fokus revidiert: Das Verlernen steht im Vordergrund – das Neue wird von alleine erscheinen oder auch nicht. Danke, Markus, für die Kurskorrektur.

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christophoreszierend

Februar 12, 2009 · 4 Kommentare

„Bist du klug genug, um ohne Doktortitel in der Welt herumzulaufen?“ – Dies war bei jemandem – so erzählte man mir – die ausschlaggebende Frage, die nach langem Hin-und-Her-Überlegen dazu führte, doch noch zu promovieren. Im neuen kellion und an anderen alltäglichen Orten fragt man sich folgendes:

„Bist du so ‘christophor’, so transparent auf Christus hin, dass du dir leisten kannst, ohne Habit durch die Welt zu laufen?“

Dabei wollen wir gar nicht irgendeinen kosmischen Christus meinen, auf den hin wir transparent sein wollen, sondern den Handwerker, der in seinen ersten drei Lebensjahrzehnten verborgen lebte und das Alltägliche tat.

Denken wir auch daran, was Madeleine Delbrêl für uns sagt:

„Wir sind echte Laien, die keine anderen Gelübde haben als unser Taufversprechen und seine Wirklichkeit und die Wirklichkeit unserer Firmung. Die Arbeit dient uns als Ort unseres Zeugnisses für das Evangelium, als Feld der Begegnung mit unseren Mitmenschen.“

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eremiten und eremitinnen – was wir schon immer fragen wollten

Dezember 3, 2008 · 2 Kommentare

beim domradio als podcast: eremiten und eremitinnen in deutschland werden ausgefragt. siehe hier:

http://www.domradio.com/audio/podcast/thema/081126thema.mp3

ganz sympathisch.

ht: maria anna leenens blog

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aufessen ist gehorsam

Dezember 1, 2008 · 5 Kommentare

„Keine Vertröstungen mehr für uns. Diese Scheisse musst du fressen. Dass du sie jetzt runterschluckst, wird dir im Himmelreich nicht belohnt werden. Aber sie ist im Grunde genommen Nahrung für die konkreten Aufgaben deines Tages heute.“ (Notiz von vor einer? Woche)

Wenn ich also letzte Woche (indirekt?) über Ehelosigkeit was gesagt habe, ist dies der Eintrag zu Gehorsam. Denn das ist Gehorsam: Dem Tag gehorchen, dem Tag und den Leuten, die dich nerven, die etwas von dir wollen. Funktioniert natürlich nicht immer gleich. Manchmal gibt es Niederlagen und Zumutungen, die dir immer wieder hochkommen. Und auch für dieses kalte Ausgekotzte gilt: Aufessen! Du kriegst so lange immer wieder eine Chance bis es dir wie kräftiges und nahrhaftes Schwarzbrot schmeckt und du danach verlangst wie nach der Kommunion.

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selbst-entdeckung gottes in uns

November 30, 2008 · 4 Kommentare

We become contemplatives when God discovers Himself in us. (Thomas Merton, New Seeds of Contemplation)

Wir werden Kontemplative, wenn Gott sich selbst in uns entdeckt. (Thomas Merton)

HT: The Website of Unknowing

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