ein neues kellion

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adventliche leerstellen

November 24, 2009 · 1 Kommentar

Im alltäglichen Leben sind wir vielen Wartezeiten ausgesetzt. Dies ist im spirituellen Leben nicht anders. Wartezeiten erleben wir als unerfüllte, sinnlose und auch verschwendete Zeit. Aber da kann man eben nichts machen. Man muss das aushalten oder „tut was“ oder versucht sich irgendwie davon abzulenken. Ist adventliches Warten anders? Sollte es?

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karsamstägliche leerstellen

November 20, 2009 · 1 Kommentar

Leider beschäftigen sich alle zu sehr mit Sinn und der Abwehr von Sinnabwesenheit. Auch Religion und insbesondere ihre Riten zielen darauf ab, das Absurde zu bannen und in Schach zu halten. Keiner ist bereit, Karsamstag, den Zwischenraum, die Leerstelle auszuhalten.

Man muss aufhorchen, wenn im römischen Kult der Kirche, die sonst dazu neigt, alles mit Feiern und Liturgien zu überladen, am Karsamstag keine Riten vorgesehen sind. Zu Karsamstag fällt niemandem was ein. Ein Unschuldiger liegt im Grab. Es ist das Ende. Und es zieht sich hin.

Beim Meditieren sind wir bereit, alles da sein zu lassen, Karfreitag (Verzweiflung) und Ostern (Freude), aber eben auch die Leerstelle des Karsamstags. Dies setzt sich fort im alltäglichen Leben: Ein kontemplativ Übender ist bereit, alles zu erfahren, alle Neins der Welt und auch als Glück entdeckte Bejahung. Alles darf durch ihn und durch seinen Körper hindurch gehen, während er so erfährt, dass er verbunden ist mit den Dingen, mit allen Dingen dieser Welt.

Wieder befinden wir uns im Kalender der Kirche an der Schnittstelle von Ende und Anfang. Bemerken und erfahren wir das Dazwischen?

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das jesusgebet gesungen

November 17, 2009 · Kommentar schreiben

Jemand bat mich, eine Singweise für das Jesusgebet zu finden. Ich schrieb etwas auf und nahm es auf, damit man die Idee einmal hören kann. Es fehlt ein Liegeton – den müsste man sich noch dazu vorstellen, und: unendliche Wiederholungen dieses Ein-Satz-Gebetes.

Gebetsweisen und -methoden sollten nicht Gegenstand von „Meinungen“ sein. Wenn ich also berichte, dass die Praxis des Jesusgebets nicht meine ist, ist das keine Aussage darüber, wie ich sie finde oder dass ich diese oder jene Meinung darüber habe. Ich kenne eine Frau, die diesen Weg beschritten hat und intensiv damit lebt. Sie hat aber auch gewagt, sich auf den Rahmen, nämlich ostkirchliche Frömmigkeit und Theologie, einzulassen. So scheint mir das stimmig zu sein. Obwohl ich selbst also überhaupt keine Ahnung habe, empfehle ich für Menschen, die sich für diese ostkirchliche kontemplative Tradition interessieren, folgendes Buch:

Das Jesusgebet: Anleitung zur Anrufung des Namen Jesus. Von einem Mönch der Ostkirche

Ich habe die Intuition, dass dieses sehr dünne Bändchen (72 Seiten) für Anfänger eher geeignet ist und einen nicht so sehr verwirrt wie das Grundbuch dieser Gebetspraxis („Aufrichtige Erzähungen eines russischen Pilgers“ hrsg. von Emmanuel Jungclaussen).

NB. Ist es nicht erstaunlich, wie viele verschiedene Weisen des kontemplativen Übens es gibt?

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nouvelle ledigkeit

November 4, 2009 · 5 Kommentare

notiz vom oktober 2009: „keine bestimmung, kein plan, keine wiederkehr, keine strafe, nur ledigkeit, durchlässig.“

notiz von gestern: „niemand ist schuld, weder die eltern, noch die anderen, noch gott, noch das schicksal. wir sind im frieden, denn dass die dinge so sind wie sie sind, war niemandes absicht, weder das, was wir gut nennen, noch das, was wir schlecht nennen. wir schulden niemandem dank, aber auch verdient keiner unseren tadel. dieses auszuhalten ist die grosse versöhnung.“

Ich frage mich, woher ich das  weiss. Habe ich das irgendwo gelesen? Hat es mir jemand gesagt? Oder erweisen sich diese Notizen einfach nur als pragmatische Ansichten, mit der ein gewisser Grad von Ataraxie erreicht wird, eine Nouvelle Ledigkeit? Mich würde interessieren, wo ich das einordnen könnte, in welche Tradition ich mich damit einreihe.

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am anderen ende des urknalls

Oktober 19, 2009 · Kommentar schreiben

Es gibt das Gedankenexperiment, sich die Unwahrscheinlichkeit vorzustellen, dass man existiert.  Seit dem Aufkommen lebendiger Organismen haben alle meine Vorfahren überlegt, so recht und schlecht jedenfalls bis sie ihr Erbgut weitergeben konnten – bis zu mir. Wie weit man doch zurück reicht! Ebenso wie meine Eltern sich selbst in mir wiedererkennen können, tun dies auch meine Grosseltern und die Eltern meiner Grosseltern. Und auch sie alle sind wiederum ins Leben gekommen aus einer Anzahl von günstigen oder widrigen Umständen. Ich bin eine Unwiederholbarkeit.

Aber bei mir endet die Linie auch, denn ich werde keine Nachfahren zeugen. Ich stehe am anderen Ende des Urknalls. Kinderlos hoffe ich in den Zustand einzugehen, der da war, bevor das Drama des Lebens sich entrollte.

The Streets – On The Edge Of A Cliff

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vom kloster zum evangelischen pfarrhaus zum starbucks

Oktober 9, 2009 · 14 Kommentare

Hätte, hätte, hätte. Ich hätte früher schon mal über „beziehungsweise LEBEN“ bloggen können, wozu ich ein Kapitel beigesteuert habe. Überhaupt hätte ich mal regelmässiger bloggen können. Egal. Ich erinnere mich, dass ich, als die Belegexemplare vor zwei Wochen ankamen, vom Mit-Autor zum Leser wurde.  Das Kapitel von Martin Gommel über spirituellen Rhythmus zum Beispiel – da habe ich frühere eigene Erfahrungen stark wiedergefunden. Dazu bräuchte ich mal Zeit (hätte, hätte, hätte), um was dazu zu sagen.

Was mich besonders aufhorchen liess, war Walters Kapitel „Spiritualität und Volkskirche: Überlegungen zu geistlichen Kernen in evangelischen Volkskirchen“. Allerdings ist vor allem seine Einleitung oder seine Frage impulsgebend. In meinen Worten wiedergegeben: Seit ihrem Aufkommen seien Asketen, Einsiedlerinnen und Mönche die spirituellen Vorbilder für das Volk der Kirche gewesen. (Ich würde sagen: Für die katholische und orthodoxe Christenheit trifft das gewiss immer noch zu.) Für die evangelische Herde sei jedoch das Pfarrhaus an die Stelle des Klosters getreten. Walters Frage daran anschliessend ist: Wer vertritt heute die Funktion des spirituellen Vorbilds und die Funktion, erneuernde Impulse in die Kirche zu geben?

Es gibt darauf vorerst keine Antwort. Was ich allerdings schon sagen kann, ist dass diese Frage nur durch eine konkrete Lebensform beantwortet werden kann. Die Antwort gibt es nur als eine Vielzahl von Experimenten, die gelingen oder auch nicht.

Dass die Klöster und Orden bis heute – so sehr sie auch von innen her verfallen – mit ihrer spirituellen Kultur Impulse zu geben vermögen, liegt nicht zuletzt daran, dass es sich um konkrete Menschen handelt, die – wenn sie auch menschlich scheitern – das Experiment wagen. Das ist viel mehr Wert, als eine reine Phantasie von einer Urgemeinde zu haben. Das wäre eine blosse Träumerei und nazarenische Kunst-Romantisierung. Ich frage also noch einmal, und nun sollte das „wer“ deutlich herausgehört werden: Wer vertritt heute die Funktion des spirituellen Vorbilds und die Funktion, erneuernde Impulse in die Kirche zu geben? Der Blogger-Theologe, der bei Starbucks sitzt vielleicht?

Kategorien: bücher, musik etc. · fragen · kirche · monastic · üben
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welche tür?

September 5, 2009 · 5 Kommentare

version1
der tathagata, der jesus sagen hörte: „klopft an die tür und es wird euch aufgetan.“, erwiderte ihm: „welche tür?“

version 2
ich hörte den lehrer sagen: „klopft an und es wird euch aufgetan.“ daraufhin schlug ich ihn windelweich und ging um die tür herum.

kommentar
das mit dem anklopfen beschäftigt mich ja irgendwie schon. mit den beiden obigen szenen wollte ich nur zum ausdruck bringen, wie „wahnhaft“ und „in den wind“ unser streben ist, etwas zu sein, zu einer gruppe zu gehören, etwas darzustellen, etwas zu erreichen, glück zu finden etc. und dann ist da eine tür, von der wir denken, wir könnten nur zufrieden mit unseren leben sein, wenn genau sie sich öffnet. bei kafka ist sie schon immer offen gewesen. und mit dem mann, der vor der tür wartet, verharren wir in der verbitterten ansicht, die tür sei geschlossen. was ist diese tür wirklich? der tathagata hätte gewiss behauptet, da sei gar keine tür (version 1). und die unbekümmertheit in version 2 will diese tür einfach lächerlich machen und alles, was diese tür für uns symbolisiert.

version 3
nachdem ich drei jahre vergeblich an die tür geklopft hatte, gab ich auf. da hörte ich es klopfen. und als ich aufmachte, liess ich mich selbst ein.

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zum beten gehört auch das nicht-beten

September 3, 2009 · Kommentar schreiben

zu allen, die ihm zuhörten, sagte er: „zum beten gehört auch das nicht-beten.“ als er allein mit seinen engsten freunden war, ergänzte er: „zum beten gehört auch das fluchen.“ (logion 4)

in der reihe der selbsterfundenen jesusworte gibt es bereits:

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wer anklopft, wird rausgeschmissen

August 21, 2009 · 6 Kommentare

zu denen, die auf der spirituellen suche sind, sagte er: „wer da bittet, verliert seine selbständigkeit, und wer sucht, verpasst das ‘das-was-ist’, und wer da anklopft, für den wäre es besser, er würde gar nicht erst rein gelassen.“ (logion 3)

in der reihe der selbsterfundenen jesusworte gibt es bereits:

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würdest du lieben?

August 11, 2009 · 30 Kommentare

1. würdest du versuchen zu lieben, auch wenn es [die erfahrung von] gott nicht gäbe?

2. würdest du versuchen, gelingend zu leben, auch wenn es [die erfahrung von] gott nicht gäbe?

3. würdest du anders leben, wenn es gott gäbe? und wie würde sich ein leben ohne gott davon unterscheiden?

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