In unserer menschlichen Existenz ist Leiden nicht zu verhindern. Schon wenn wir essen ist es so, dass für unsere Nahrung pflanzliche und / oder tierische Organismen zerstört werden. Ich erinnere mich, dass ich mich als Kind fragte, warum wir töten müssen, um zu leben. (Thorsten hat wohl als Erwachsener sich für eine Weile dessen enthalten.) Eine buddhistische (?) Rezitation vor dem Essen lautet so:
(…) Dankbar nehmen wir dieses Essen ein.
Ist’s doch die Frucht der Erde, die uns trägt,
Frucht auch der Arbeit von anderen Menschen
und nicht frei vom Leiden anderer Formen des Lebens. (…)
(Sonnenhof Holzinshaus [Hg.], Rezitationstexte, S. 66)
In die Bedingungen unserer Existenz ist also schon eingeschrieben, dass wir leiden und andere auch verletzen. Es geschieht jeden Tag. Es ist ganz normal.
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Im letzten Winter hat mich ein Mensch unbedacht gekränkt. Als ich ihm das sagte, entschuldigte er sich. Ich sagte: Okay, wir wollen es vergessen. Ich traf ihn am letzten Sonntag und er entschuldigte sich wieder, obwohl ich es für mich schon zur Seite gelegt hatte. Und ich spürte, dass ihn das immer noch bedrückte. Ich weiss nicht, ob er inzwischen glauben kann, dass es keinen Groll mehr in mir gibt. Als ich sah, wie er fast weinte, dachte ich: Ich muss allen Menschen, die mich gekränkt haben, sagen, dass ich verzeihen möchte - einfach um ihnen die Qual eines schlechten Gewissens zu nehmen.
Wenn schon Menschen durch Reue bewegt werden können, sollte da ein Gott so abgestumpft sein und weiter auf Genugtuung und Sühne beharren?
Siehe auch die Einträge:
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Johannes Bours (in seinem Buch “Der Mensch wird des Weges geführt, den er wählt”, S. 186) schlägt ein Christusgebet vor, das zu den Perlen des Rosenkranzes gebetet werden kann. Es lautet:
Herr Jesus Christus,
Sohn des lebendigen Gottes,
du bist das Herz der Welt.
Wir preisen dich, —
Rette uns durch deinen Tod
und deine Auferstehung
für die Ewigkeit in Gott.
Er hat auch Vorschläge für Einfügungen gemacht, die man nach dem Satz “Wir preisen dich” spricht. Die erste Einfügung spricht man bei allen zehn Wiederholungen des Christusgebetes, bei der zweiten Reihe wendet man sich zur zweiten Einfügung etc. Hier die Einfügungen (Vorschlag XII. bei Johannes Bours):
- [Zehnerreihe:] Du unnachgiebiges Ja.
- [Zehnerreihe:] Du vergebendes Ja.
- [Zehnerreihe:] Du befreiendes Ja.
- [Zehnerreihe:] Du grenzenloses Ja.
- [Zehnerreihe:] Du Ja zu uns im Zeichen des Kreuzes.
In der Audio-Aufnahme skizziere ich, wie man mit einem Rosenkranz in der Hand zu einem einfachen und reduzierten Beten kommt. Kommentare dazu am besten hier auf diesem Blog. (Dank auch an Pastorin Annekatrin Haar, die mich auf diesen Vorschlag von Johannes Bours aufmerksam gemacht hat.)
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“Geht und lernet verstehen, was das heisst: ‘Erbarmen will ich und nicht Opfer.’”
Da kann ich nicht nachvollziehen, wenn ein Altbischof in einem Aufruf zur Bischofswahl den Kandidaten Propst Horst Gorski als “von der zentralen Aussage des Evangeliums” quasi Abgefallenen hinstellen will, nur weil ein Theologe nicht mehr in einer akademischen Welt versteckt, sondern öffentlich in einer Karfreitags-Predigt uns die befreiende Kunde weitergibt: Der Gott Jesu will keine Sühneopfer. (Eine andere besondere Gruppierung hält auch seinen Lebensstand für ungeeignet.)
Ich bin kein Altbischof, bin auch nicht in irgendeiner Bekenntnis-Kampfgruppe engagiert - aber als Christ, der der Nordelbischen Kirche sehr verbunden ist, bitte ich die Synodalen der Nordelbischen Kirche den Propst Horst Gorski zum Bischof zu wählen. Der alleinige Grund dafür ist, dass ich darauf vertraue, dass er dazu fähig ist, die befreiende Botschaft Jesu - theologisch fundiert und gleichzeitig nah bei den Menschen - weiter zu tragen. [Nachtrag: Die Ironie dieses Absatzes versteht man wohl nur, wenn man den anderen Aufruf auch kennt.]
[Nachtrag: Diesen Eintrag habe ich nachträglich bearbeitet.]
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“Geht und lernet verstehen, was das heisst: ‘Erbarmen will ich und nicht Opfer.’”
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Seit ältesten Zeiten glaubt der Mensch, dass Heil nur zu vermitteln ist, wo Blut fliesst. Aber wie soll ein - existenzieller - Schaden, die Mangelerfahrung der Existenz durch ein Schlachtopfer zur Ganzheit finden? Das verstehe ich nicht. Das kaputte Spielzeugauto wird auch nicht wieder funktionstüchtig, wenn dafür ein anderes Spielzeug zerschmettert wird, und sei es ein noch so viel wertvolleres Gerät, etwa ein iPod. Vielleicht gibt es einfach irreparable Schäden. Und man kann sie nur aushalten lernen. Und dann muss auch kein Blut fliessen.
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Ein Mann besuchte einen Freund und ass und trank. Von dem vielen Wein wurde er betrunken und fiel in einen tiefen Schlaf. Der Freund, der verreisen musste, wollte ihm Schlaf und Ruhe gönnen und so nähte er viele wertvolle Edelsteine in das Gewand seines Gastes ein. Als der Gast aufwachte, sah er dass er alleine war und ging aus dem Haus, zog von Ort zu Ort, immer auf der Suche nach Arbeit und Unterkunft. Aber: nichts gelang ihm und er fiel in Not und Armut. Sein Gewand hatte er immer noch, auch wenn es inzwischen ganz zerlumpt war. Da trifft er seinen Freund, der verreist war, wieder. Der fragt ihn erstaunt, warum sein früherer Gast denn so ärmlich aussehe. “Ich habe dir doch, während du noch geschlafen hast, viele wertvolle Edelsteine in dein Gewand genäht!” Der Freund nimmt das Gewand seines Gastes, trennt den Saum auf und zeigt ihm die kostbaren Steine.
Dies ist ein Gleichnis aus dem 8. Kapitel des Lotos-Sutra. (Ich kenne es aus dem sehr empfehlensweten Kommentar zum Lotos-Sutra von Thich Nhat Hanh, Das Herz des Kosmos, S.71f.) Das Gleichnis aus dem Lotos-Sutra spricht natürlich vom Buddha, der in seiner Fürsorge den Menschen allerlei gute und heilsame Lehren anbietet, ja, er legt sie in die Menschen hinein. Allein, sie entdecken sie nicht in sich und suchen vergeblich im Aussen. Auch will das Gleichnis besagen, dass in jedem Menschen jetzt schon die Buddha-Natur verborgen liegt.
Gleichzeitig könnte dieses Gleichnis genauso gut von einem christlichen Mystiker stammen, etwa von Meister Eckhart, der damit veranschaulichen könnte: Wir haben alles, was für unseren geistlichen Weg nötig ist, schon in uns. Oder das Gleichnis könnte bedeuten: Wir denken nur, dass wir im Mangel leben, wir denken nur, wir seien von Gott getrennt - dabei ist uns schon alles gegeben. Wir müssen einfach nur den Saum unseres Gewandes, ein Gewand, das wir schon immer mit uns herumtragen, auftrennen und schauen.
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Das, was uns wirklich von Gott trennt, ist dass wir (bloss) denken, wir seien von Gott getrennt.
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Getaggt: Gott, Sünde
In der Katechesereihe über die Kirchenväter sieht der Bischof der Weltkirche, Benedikt XVI., in Dionysios Areopagita mit seiner kosmischen und mystischen Theologie einen Vermittler zwischen dem Christentum und den asiatischen Religionen:
“Er erscheint uns als der große Vermittler im modernen Dialog zwischen dem Christentum und den mystischen Theologien Asiens, deren Charakteristikum in der Überzeugung liegt, dass man nicht sagen könne, wer Gott ist; von ihm kann nur in negativer Form gesprochen werden; von Gott kann nur mit dem ‘Nicht’ gesprochen werden. Und nur wenn man in diese Erfahrung des ‘Nicht’ eintritt, gelangt man zu ihm. Und hier ist eine Nähe zwischen dem Denken des Areopagita und jenem der asiatischen Religionen zu erkennen. Er kann heute ein Vermittler sein, so wie er es zwischen dem griechischen Geist und dem Evangelium war.”
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