„dein licht fällt auf die welt“

Holger hat eine starke Übersetzung gemacht zu „Gläns över sjö strand“. Für den Gebrauch in unseren Weihnachtsgottesdiensten in den Gefängnissen habe ich eine etwas zugänglichere Musik gemacht. Jetzt im dritten Jahr scheint es immer noch frisch genug. Wollte das gerne mit mehr Leuten teilen, die neue Lieder für Weihnachten suchen. Hab leider keine Aufnahme zum anhören anzubieten, aber ihr findet jemanden, der Noten lesen und euch das vorsingen kann.

ich mag keine musik, weil sie menschlich ist

Joachim fragte mich letzte Woche wieder mal, warum ich eigentlich keine Musik höre. Ich vermute, das liegt daran, dass ich, wenn ich mir Musik (via YouTube / Spotify etc.) anhöre, dann mache ich das immer, immer nur, weil ich was für meine Arbeit „lernen“ muss. Ich hör mir daher auch Musik an, die ich nicht unbedingt persönlich „mag“. Ich weiß mithin einfach nicht, was für Musik ich „wirklich“ mag.

Heute morgen als ich mein Origami-Würfelchen faltete, dachte ich auch kurz: Ach, ich könnte mir ja Musik nebenbei anschalten. Hatte dann aber überhaupt keine Lust dazu, sondern wollte eher die Klänge der Stadt hören, die gerade aufwacht. Und dabei stieg auch so ein Ekel vor Musik in mir hoch. So ein Ekel vor Musik, weil sie so fürchterlich subjektiv und menschlich ist. Weil sie immer „was will“, weil sie einen immer „anfassen“ will oder so was. Ja, so in etwa.

what is joy?

Marie Kondo’s decluttering mantra „Do I need it? Does it spark joy?“ asks us also to reflect what joy is. It certainly is not a mental state which can be produced neither can it be switched on. See what a rare and precious thing joy is?

den requisitenlosen ort aufsuchen

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Ich habe keine Übersetzung von “The Angel Gabriel from heaven came” gemacht, sondern einen neuen Text geschrieben. Der Kernsatz meines Textes ist “So kam uns Gott zur Welt als Kind durch nur ein Ja”. (Sorry, gesungen hört sich das viel flüssiger an – versprochen!)

Mich fasziniert die Idee, dass das Kommen Gottes an einem kleinen Wörtchen hängt, das irgendwo in einer bescheidenen Hütte von einem gerade mal heiratsfähigen Mädchen geäußert wurde: Ja.

Die Macht und der Zauber dieses Wortes wird auch entfaltet in der Notiz von Dag Hammaskjöld, die häufig als “Gebet” verstanden wird. Ich sah auch einmal die Überschrift “A Prayer for the New Year”. Die Notiz lautet: “For all that has been, Thank you. For all that is to come, Yes.”

Wer die kontemplativen Exerzitien nach Franz Jalics mal mitgemacht hat, weiß, dass langsam in die kontemplative Übung eingeführt wird. Das erste Übungswort ist natürlich kein streng gehütetes geheimes Mantra, sondern schlicht und ergreifend: Ja.

Ein anderes wirklich großartiges Verkündigungslied von John Bell, “No wind at the window”, hat auch in seiner letzten Strophe diese Pointe wie die junge Maria auf die Nachricht des Engels dann letztlich dem Boten die Antwort mitgibt: “Tell God, I say yes.”

Ich habe dazu ein Arrangement geschrieben, das wir auch dieses Jahr wieder bei den “Nine Lessons and Carols” in der Englischen Kirche in Hamburg singen werden. Dabei wird die Antwort Marias “Tell God, I say yes” mit einem “akustischen Spot” (durch einen harmonischen Shift) hervorgehoben und mehrmals wiederholt.

Mich fasziniert das Wort “Ja”, dieser Laut, der aus dem Öffnen vom engen, spitzen “I” zum offenen und verwundbaren “A” entsteht. Der Laut “I” ist für mich eher wie Keil, der durch meine Schädeldecke getrieben wird. Das “A” ist für mich im Brustbereich angesiedelt. (Ergibt das für irgendjemanden Sinn?)

Und doch: Ich weiß auch, dass man manchmal innerlich nur überleben kann, wenn man “Nein” sagt. Und wir sind bei der Unterscheidung nur auf uns selbst gestellt. Wir sind allein. Und wir müssen dabei allein sein. Es gibt die anderen, die sich wünschen, dass wir “Ja” sagen und dabei kaum – aber wie sollten sie auch, sie kennen und verstehen uns ja nicht! – unser Wohlsein im Blick haben. Aber wir sind allein. Und so hat auch John Bell die Verkündigungsszene mit null Requisiten ausgestattet: “No wind at the window, no knock on the door; / No light from the lampstand, no foot on the floor; / No dream born of tiredness, no ghost raised by fear; / Just an angel and a woman and a voice in her ear.”

Such diesen requisitenlosen Ort auf – um dein Ja zu finden, oder dein Nein. Ganz allein.

Anmerkungen und Links:

  • Der Engel Gabriel vom Himmel kam: Hier zum anhören und mitlesen. Noten sind abgedruckt in dem Regionalteil des Evangelischen Gesangbuches für die Nordkirche (unter dem Titel „Himmel, Erde, Luft und Meer“ erschienen).
  • „No wind at the window“ in einem eher gemeindetauglichen Arrangement von John Bell selbst ist hier zum anhören und mitlesen.
  • Unsere „Nine Lessons and Carols“ feiern wir in der Englischen Kirche in Hamburg dieses Jahr am Samstag, 10. Dezember 2016 um 18 Uhr.

wie schreibt man einen un-evangelikalen inklusiven worship-song-hit?

Und dann habe ich nach 20 Jahren Abstinenz doch mal wieder Lieder aus dem Worship Genre singen lassen. Man kann da sofort mitmachen (selbst mit meinem peinlichen Gitarrenstil). Ist halt catchy und cool. Was wir da inhaltlich singen, ist denen ja ziemlich egal. Für mich gab es allerdings sprachliche Fremdheitserfahrungen, und ich hab hier und da mal ein Wort verändert.

Die Tage drauf dann Fragen in meinem Kopf gehabt. Die ganze Zeit so: Was ist das, was diese Lieder so catchy sein lässt? Würde das mit anderer Sprache funktionieren? Wie würde man einen un-evangelikalen queer-welcoming Worship-Song-Hit schreiben?

Entdeckte heute Anfragen dann auch hier: Link bzw. Link (Merci, Daniel!) Aber fragte mich am Schluss wieder: Wie hört sich denn dann ein ehrliches Lied an, das unperfekt ist?

Bei Facebook unter dem Post dann einen Link zu Nathan Grieser gefunden (Merci, Benjamin!). Gleich beim ersten Track, den ich hörte („Together„), hatte ich einen ersten Anhaltspunkt gefunden:

Wie es verschiedene Gruppen (brother, sister, rival) aufruft, mit zu singen, durchbricht es das typische intime Zweiersetting (überirdischer Jesus-Boyfriend und lyrisches Popballaden-Ich). Bäm! Aha, ja – fühlt sich schon ganz anders an. Und dann diese grandiose Zeile: „Difference is the place where God is found.“

Werde diesen Song (und ich sehe ihn keineswegs als Worship-Song) jetzt mal überall ausprobieren, wo ich Musik mache. Dann sehen wir weiter.

nine lessons and carols – deutsch

Immer häufiger sieht man in Deutschland Kirchen oder Chöre, die in der Advents- und Weihnachtszeit zu „Nine Lessons and Carols“ einladen. So what? Eigentlich geht’s doch darum: Man trifft sich, hört Geschichten aus der Bibel und singt Lieder. Oder noch archaischer: Um’s Feuer sitzen, Geschichten hören und über das Singen sich in die Geschichten selbst hinein zu erzählen.

Macht doch mal so ein Hipster-Nine-Lessons-and-Carols im Wohnzimmer: Lest die neun Lesungen, die traditionell beim Carol Service am King’s College zu hören sind, und singt dazwischen ein paar Advents- und Weihnachtslieder. Und seid doch mal dabei ganz verrückt und singt alle Strophen von Paul Gerhardts „Wie soll ich dich empfangen“.

Hier die Reihenfolge der Lesungen:

  • Erste Lesung: Gott verkündet dem sündigen Adam, dass er das Leben des Paradieses verloren hat, und dass sein Same das Haupt der Schlange zertreten wird. Genesis 3,8-15.17-19
  • Zweite Lesung: Gott verheißt dem treuen Abraham, dass durch seine Nachkommenschaft alle Völker der Erde gesegnet sein sollen. Genesis22,15-18
  • Dritte Lesung: Der Prophet sagt das Kommen des Retters voraus. Jesaja 9,2.6-7
  • Vierte Lesung: Der Friede, den Christus bringen wird, wird vorausgesehen. Jesaja 11,1-4 (bis “Demütige der Erde”).6-9
  • Fünte Lesung: Der Engel Gabriel grüßt die Jungfrau Maria. Lukas 1,26-35.38
  • Sechste Lesung: Der Evangelist Lukas berichtet von der Geburt Jesu. Lukas 2,1.3-7
  • Siebte Lesung: Die Hirten gehen zur Krippe. Lukas 2,8-16
  • Achte Lesung: Die Weisen werden durch einen Stern zu Jesus geführt. Matthäus 2,1-11
  • Neunte Lesung: Der Evangelist Johannes legt das Geheimnis der Menschwerdung dar. Johannes 1,1-14

Näheres und weitere Entwürfe, die etwas mehr churchy klingen, dann hier in diesem PDF: Nine Lessons and Carols – Entwürfe Deutsch – Workshop

Liturgie-Nebenbemerkung: Im Wikipedia-Artikel zu den Nine and Carols hört es sich so an, als sei diese Form 1880 vom Bischof von Truro erfunden und 1918 am King’s College in seine heutige Fassung gebracht worden. Aber leicht kann man eine Verwandtschaft zur Osternachtfeier, zur sogenannten „Großen Vigil der Osternacht“ erkennen: Dort werden in einer Folge von neun Lesungen, angefangen von der Schöpfungsgeschichte bis zur Lesung des Auferstehungsevangeliums die Heilsgeschichte entfaltet, dazwischen sind Psalmgesänge vorgesehen. Hier, bei den Nine Lessons, beginnt es ebenso mit der Lesung aus der Genesis, über Abraham und die Propheten bis zu den Geburtsgeschichten aus Lukas und Matthäus. Kann also eigentlich nicht so schwer sein, an diese Tradition anzuknüpfen, die so gesehen nicht spezifisch anglikanisch ist, bzw. eben noch älter ist.

sacred harp – „musique concrète“

Vor einem Jahr passierte es: Ich traf bei einem All Day Singing in Delmenhorst (organisiert von Bremer Sängern) auf die Tradition der „Sacred Harp“. Ich sage nicht „die Musik der Sacred Harp“, weil es bei Sacred Harp nicht um Musik als einer Vorführ-Kunst geht, sondern um die Interaktion, die mit dem Gesangbuch „The Sacred Harp“ verknüpft ist. (Für den Feuilleton-Jargon meiner Studentenzeit, der hier jetzt folgt, entschuldige ich mich aufrichtig, aber ich kann nicht anders!)

Immer noch wird Musik, vielleicht wegen ihrer „luftigen“ Existenz, als etwas Unkonkretes, ja, als etwas Vor-Eschatologisches gesehen, was nur verweist auf ein Noch-Nicht. Ich denke an die Deutung der Musik Ernst Blochs als einen „Ruf ins Entbehrte“: Er nimmt den Mythos vom Gott Pan, der in Liebe entbrannt einer Nymphe nachstellt; sie wird dadurch gerettet, indem sie in ein Schilfgewächs verwandelt wird; er findet Trost als er aus einem Schilfrohr eine Flöte schnitzt. Musik wird hier erfunden als ein Sehnsuchtsruf. Oft beachtet man in dieser Deutung der Musik nicht, dass, auch wenn die Musik sich nach dem ausstreckt, was nicht verfügbar ist, sie selbst konkret da ist. Sie ist eben nicht weit weg, sondern ganz nah. Es mag sein, dass das Flötenspiel des Gottes die Angebetete vergegenwärtig. Würde er doch das Objekt der Begierde vergessen und der Musik selbst begegnen!

Der Zusatz „concrète“ erscheint redundant in dem Begriff „musique concrète“, wie Musikcollagen aus Tonbändern mit Geräuschen in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts genannt wurden. Musik ist immer nur konkret. Freilich, zu lange war sie bloß die zweite Wahl: Kriegste die Nymphe nicht, tröstet dich immerhin dein Flötenspiel. Wie viele Musik gibt es, die auf das Utopische bloß verweisen! Dankbar setzen Religionen und Diktaturen Verweis-Musik ein. Die Musik suggeriert das Paradies und soll es vorwegnehmen.

Nimmt man die vertonte fromme Lyrik in der Sacred Harp bewusster in den Mund, wird scheinbar daran angeknüpft: Wenn man micht gerade vom Sehnsuchtsland „Canaan’s Land“, das jenseits des Jordan liegt, singt, beschreibt man voller Zagen das Reich des Todes und der Hölle: „a land of deepest shade“. Trotzdem kann behauptet werden, Sacred Harp ist par excellence „musique concrète“. Sie ist präsent, sie wartet nicht auf etwas anderes, sie ist nie nur Dienstmagd einer Utopie, die verkündet werden muss. Warum und wie ist sie die konkrete, selbstgenügsame Erfahrung, der nichts fehlt?

Viel liegt an ihrer Körperlichkeit. Der Körper wird zum Beispiel durch das typische Taktschlagen involviert, manchmal erweitert sich das durch ein unwillkürliches Stampfen mit dem Fuß. Körperlichkeit ist auch durch die Lautstärke herausgefordert: Einerseits braucht es erheblichen körperlichen Einsatz um das kräftige Singen zu erzeugen, andererseits spürt man die durch die Schallwellen bewegte Luft ganz direkt auf der eigenen Haut. Auch das Setting spielt eine Rolle: Sacred Harp ist keine Aufführungsmusik, sondern eine Mitmachmusik. Es wird nicht an Phrasierung und Lautstärke geübt, nicht an Intonation gefeilt – das Mitmachen erfolgt immer sofort durch das Absingen der Shapes und den darauffolgenden Strophen. Dies geschieht im Rahmen z.B. eines All Day Singings oder einer Convention (zwei Tage) das nach geregeltem Protokoll abläuft. Auch dieses durchgehende Singen einen ganzen Tag lang fordert den Körper bis zu einem gewissen Grad der Erschöpfung heraus.

Der Körper ist das was er ist, er verweist nicht auf etwas anderes. In kaum einer anderen Musiktradition wird ihm Gelegenheit geboten, sich selbst als sich selbst zu erfahren.

Aber Sacred Harp ist eigentlich vor allem das Drumherum. Die kleine Hamburger Gruppe, die es seit letzten Sommer gibt, bekommt das jetzt freudig zu spüren, da jetzt Ende Mai die erste Sacred Harp Convention in Deutschland stattfinden soll. Es sind vor allem Sängerinnen und Sänger von der Bremer und Frankfurter Gruppe federführend beim Organisieren mit dabei. Und wir hier in Hamburg haben Unterkünfte gesucht und bitten um Mithilfe beim Mittagsbüffet, um unsere Gäste aus England, Irland, Polen, Schweden, Norwegen und den USA u.a. willkommen zu heißen!

Gesungen wird in der Kapelle des Ökumenischen Forums Hafencity/Hamburg. Kommt einfach vorbei! 31. Mai und 1. Juni 2014. Details gibt es hier.

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über zwei stille-dialekte zur ursprache der stille

Eine kleine Anzahl von Teilnehmenden, die im Laufe des Tages zu einer Gruppe zusammengewuchs: Der Begegnungstag zwischen zwei Stille-Dialekten (orthodox und quäkerisch) begann am Vormittag mit der Möglichkeit, erst den einen Dialekt und dann den anderen Dialekt erst einmal zu „hören“ und auszuprobieren.

Adelheid Sievers begann mit Zitaten aus der Väter-Tradition zum Herzensgebet und dem Hinweis, dass diese Gebetstradition als Gebetsort den Herzraum einnimmt. Als es ums Ausprobieren ging, leitete sie daher auch dazu an, eine Hand auf den Herzraum zu legen. Ausgerichtet waren wir auf die weiße Wand: In der ostkirchlichen Tradition soll bei aller Sinnlichkeit der Liturgie und all der Bildwerke das Herzensgebet „bildlos“ sein.

Gerhild und Artur machten mit uns ein „Gespräch aus der Stille“, was eine neuere Form bei den Quäkern ist: Man begibt sich gemeinsam in die Stille, dann darf man etwas sagen zu einem Thema, das vorgeschlagen wurde. Am Ende gibt man sich die Hände. Das Setting diesmal: Im Kreis, in der Mitte stand eine Kerze und ein Blumengesteck. Auch das Tischkreuz wurde weggenommen: Die Quäker kennen keine Sakralräume und keine Sakralgegenstände.

Am Nachmittag dann mehr Zeit zum Fragen: Was für eine Rolle spielt deine Tradition für deinen Stille-Dialekt und für deine geistliche Übung? Wie nehme ich das Eigene wahr, wenn ich das Fremde miterleben darf? Natürlich knirscht es auch: Wie weit geht die „Ökumene des Herzens“ oder die „Ökumene der Stille“? Kannst du mit Buddhisten schweigen? Gibt es also auch Quäker, die Jesus nicht als Mittelpunkt haben? – Und als „Antwort“ auf eine verfahrene Gepsprächssituation, in der Fronten markiert wurden, der Vorschlag der Quäker kurz in die Stille zu gehen. Und wieder am Ende: Sich die Hände reichen. – Für mich war das eine ganz starke Geste. Was hat sich gelöst? Inhaltlich ja nichts. Aber vielleicht ist man durch die Stille und durch das Sich-die-Hände-reichen noch einmal zum Ur-Dialekt gekommen, wo wir uns als Kreaturen vergewissern: Wir gehören doch zusammen, trotz unserer Standpunkte. Es gibt Gemeinsames, trotz unserer verschiedenen Meinungen.

Was hörst du in der Stille? Was für einen Stille-Dialekt sprichst du? Und was für eine Sprache nimmst du an, die aus der Stille kommt?

Abspann: Ich finde es auch sehr spannend, über die Facebook-Seiten der Quäker in Deutschland und in England mehr von ihrem auch sehr politischen Engangement mitzubekommen. Das Foto zeigt eine frühes Stadium einer Ikone, die Adelheid Sievers für das Ansverus-Haus in Aumühle geschrieben hat.

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bei der stillen andacht der quäker

Ich war heute morgen bei der Stillen Andacht der Quäker. Sie findet im Gemeindehaus einer lutherischen Kirche in Barmbek statt.

Zu acht sitzen wir auf Stühlen um einen niedrigen Tisch herum, auf dem eine kleine Kerze brennt, um die Kerze eine Bibel und „Quaker Faith and Practice“. Mir wird kurz erläutert, was passieren kann in einer „Stillen Andacht“: Jeder geht in die Stille. Wenn es jedoch jemanden drängt, etwas zu sagen, passiert auch das. Allerdings antwortet die Gruppe darauf nicht.

Als die Andacht beginnt, gehe ich in Gewohntes: In die Handflächen hineinspüren, den Atem zählen. Spüren, wie angenehm der Körper es findet, da zu sein. Ich bin auch etwas müde. Und da wir hier nicht beim Zen sind, so geht es mir durch den Kopf, ist es bestimmt auch okay, etwas zu dösen. Tatsächlich geschieht es heute morgen, dass jemand etwas sagt, etwas berichtet von einer beeindruckenden Begegnung mit einer besonderen Frau.

Inzwischen ist es mir an meinen Beinen kalt. Ich versuche trotzdem wieder in das Ruhen zu kommen, das ich zu Anfang der Andacht hatte. Es gelingt mir nicht so richtig. Ich spüre auf einmal Motivation und Klarheit. Erstaunt stelle ich fest, dass ich in dem Moment recht gelassen auf alles schaue, was ich noch zu erledigen habe.

Die Stille Andacht wird damit beendet, dass wir uns alle einmal wortlos an den Händen fassen. Dann gibt es Tee und Kekse und Datteln. Lecker. Und auch Gespräch. Nette Leute sind das.

Abspann:

  • Ich finde den Blog der Berliner Quäker sehr spannend.
  • Die Hamburger Gruppe trifft sich jeden 2. und 4. Sonntag im Monat im Gemeindehaus der Auferstehungskirche in Nord-Barmbek (Tieloh 22-24,22307 Hamburg, direkt neben der U-Bahn „Habichtstraße“) von 10.30-11.30 Uhr zur Stillen Andacht.
  • Am Sonntag, 9. Februar 2014 laden wir in Kooperation mit MEET  zu einem Begegnungstag im Ansverus-Haus (Aumühle) ein, wo es um die Frage geht: Spielen Konfessionen überhaupt noch eine Rolle, wenn wir in die Stille gehen? Zu Gast sind zwei Quäker aus Hamburg und eine Eremitin aus Ratzeburg.

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