portrait mit klippdachs in der felsenhöhle von subiaco

lieber bruder benedikt von subiaco,

man nennt dich den „von nursia“, aber ich nenne dich „benedikt von subiaco“. denn in der einsamkeit der „sehr engen höhle“ in subiaco hast du dein leben des alleinseins mit gott begonnen.

ich stelle mir vor: du im portrait mit dem klippdachs, der ja seine wohnung gleichermassen im fels baut. vielleicht schauten jeden tag klippdachse vorbei. und sie hielten sich der sonne hin, während du dich gott hinhieltest.

und nachdem du in vicovaro als vorsteher gescheitert bist, war es wieder die felsenhöhle in subiaco, die dich das notwendige lehrte.

für manche bist du freilich „benedikt von montecassino“. als ob die gründung dieses klosters schon den scheitelpunkt des erfolges markieren würde. nein, ausdrücklich sagt gregor, der deine geschichte erzählt: „Als der Heilige in eine andere Gegend zog [nämlich zu einem „Kastell mit Namen Casinum“], wechselte er zwar den Ort, nicht aber den Feind.“

es galt immer noch, unter mühen, den weg weiter zu gehen. es war noch nicht alles „erledigt“ oder „fertig“. warst du denn je einer der „fertig“ war? noch einer der letzten schönsten geschichten erzählt, wie du und deine starre observanz deiner eigenen mönchsregel von der eigenen schwester übertroffen werden: weil sie mehr liebte.

wie gut verstehe ich, wie du in deiner regel über deine zeit in sorge bist. wir haben in unserer zeit keine lehrer, keine geistlichen begleiter, die den anspruch und die herausforderung vom „alleinsein mit gott“ vermitteln wollten. deine klöster heute versuchen sich selbst gerade noch zu retten. (ob in ihre unentschlossenheit und in ihre halbherzigkeiten dein aufrüttelnder ruf „stehen wir also endlich einmal auf!“ noch dringen wird?)

wir wollen zurück gehen. aber nicht bloss zu deiner regel, nein noch viel weiter zurück. wir wollen unser subiaco suchen. „Dort sprudeln frische, klare Quellen hervor, deren Wasser sich zunächst in einem ausgedehnten See sammeln, sich dann aber in einen Fluss ergiessen.“ ja, wir gehen zurück zu den quellen des evangeliums, aus denen auch deine regel geschöpft hat.

und du, sei du nicht nur der vater derjenigen, die durch schleier und habit ansehen haben, sondern sei auch der vater aller, die in ihrem verborgenen subiaco sitzen. sei du also unser romanus. dies bittet dich, mit verlangen, deine stimme zu hören, die entschlossene stimme eines lehrers, des meisters,

dein beisasse

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