ashram jesu

nicht weiter erwähnenswert von meiner sommerreise sind zwei kurze aufenthalte in klöstern zweier benediktinischer reformordenzweige. ich hatte eben diese aufenthalte geplant und fand mich an orten wieder, mit denen ich wenig anfangen konnte. ich kann mir nicht vorstellen, dass von diesen orten mit ihren vermeidungstendenzen eine vertiefung des glaubens im leben (der kirche) ausgehen wird.

aber auch als ich in der vierten und letzten woche zum ashram jesu (einem projekt des instituts der orden) fuhr, musste ich feststellen, dass mich dieser ort nicht unmittelbar ansprach. und doch wird ganz sicherlich von dieser „schule“ erneuerung und vertiefung ausgehen.

viele mögen sich ja an dem namen „ashram (jesu)“ stossen, weil das nach synkretismus riecht. mich stört das ja weniger aus diesem grund. ich befürchte eher, dass leute denken könnten, dass es da etwas besonderes gibt, irgendetwas spirituelles, irgendeine technik, die mein leben leichter machen soll, und das bitte so schnell und einfach wie möglich. und am besten so, dass man seine verantwortung abgibt.

nein, wir haben eigentlich nur sachen gemacht, die man im „normalen leben“ auch macht: essen, arbeiten, abwaschen, putzen, sitzen, gehen, zuhören (na ja, manchmal), sprechen, zähne putzen, schlafen. bloss konnte man durch die disziplin der verlangsamung und aufmerksamkeit im ashram jesu all diese vorgänge genauer beobachten. das ist der unterschied.

und was wir beobachten konnten ist, dass wir das alles gar nicht können: wir können gar nicht aufmerksam gehen, wir können gar nicht aufmerksam sitzen. es ist alles so langweilig und unsere gedanken unterhalten uns dann lieber mit tagträumen und tollen ideen und projekten.

ja, und das dann auszuhalten, so etwas zu sehen. und vielleicht sogar nicht widerwillig dieser situation ausgesetzt zu sein, sondern sich da hineinzubegeben und dabei zu bleiben und immer wieder in das, was ist, zurück zu kommen – das ist das, was wir gelernt haben: bei dem bleiben, was man lieber vermeiden möchte. so geht man man jesus hinterher.

wen’s interessiert, hier der tagesablauf:

6.00 sitz-meditation (jeweils 45 minuten)
7.00 frühstück, anschliessend abwaschen, arbeiten
8.30 geh-meditation
9.15 sitz-meditation
10.15 gottesdienst (schriftgespräch über bibel- und [diese woche:] koran-abschnitte)
11.30 leibarbeit (am vorletzten tag: lehre)
12.30 essen, anschliessend abwaschen, arbeiten, zeit für sich
16.15 gespräch in gruppen
17:45 sitz-meditation
18:40 essen
19.30 geh-meditation
20.15 sitz-meditation

6 Kommentare

  1. beisasse

    danke für die nach-hause-komm-willkommensgrüsse, cyprian! ja, tatsächlich meinte ich trappisten und zisterzienser. der begriff „reformorden“ scheint, der wikipedia zufolge, wohl schon besetzt zu sein. vielleicht kann man das dann „reformzweig“ nennen?

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