urban contemplatives : extra claustrum

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Wisst ihr, worauf ich mal wieder Lust habe? – Auf Stundengebet. Mit anderen Psalmen aufsagen. Einen nach dem andern. Und so mit Antiphonen und psalmodiert. – Aber wisst ihr was? Ich habe keine Ambitionen mehr, irgendeine Vorstellung von „monastisch“ in Wohnzimmergrösse nachzubauen.

Das, was jetzt erkundet wird, ist ein neuer Typ einer kontemplativen Praxis. Er ist nicht mehr weggesperrt, nicht mehr klösterlich („Kloster“ kommt von „claustrum“ = abgeschlossener Bezirk), sondern extra claustrum.

Sehr dankbar bin ich, auf Raimon Panikkars Reflexionen gestossen zu sein, auch wenn ich nicht alles verstehe, was er in Begriffe zu fassen sucht. Er spricht immerhin deutlich aus, dass eine Verschiebung in der Interpretation monastischer Überlieferung stattfindet. Es ist anzunehmen (das sage ich jetzt), dass diese Verschiebung nicht wesentlich in den Klöstern stattfindet. Dort wird gerade nur versucht zu retten, was noch zu retten ist. Um eine Erneuerung kann man sich da gar nicht kümmern.

In der letzten Zeit habe ich des öfteren die buddhistische Tradition erwähnt. Heute wird mir ein Grund klar, warum ich mich in diese Tradition vertiefe. Auf dem Weg, die Verschiebung in der monastischen Überlieferung zu verstehen und eine neue kontemplative Praxis zu erkunden, würde ich mich am liebsten gar nicht mehr auf all diese Koordinaten wie Benediktsregel, Stundengebet, Lectio divina etc. beziehen wollen. Ein anderes Vokabular ermöglicht es mir aber, mich mit dem Gemeinten zu beschäftigen und es zu reflektieren. Es will mich davor bewahren, alte Interpretationen einfach nur fortzuschreiben. Und die Funktion einer „anderen Sprache“ erfüllt derzeit das buddhistische Vokabular.

Wirklich, ich krieg Bauchschmerzen bei dem derzeitigen Interesse an „klösterlicher Spiritualität“, Hildegard hier, Gregorianik da. Unbekümmertheit, fraglose Bewunderung äusseren Scheins aus der Ferne, Naivität, romantisierende Vorstellungen, monastisches Klosterkolorit.

Aber was soll man tun? Vielleicht folgendes:

  1. Trotz allem die Überlieferung studieren, eingehend und so, dass es einem durchaus erst einmal als etwas Fremdes gegenüber treten darf.
  2. Die eigene Praxis reflektieren und das Eigene darin entdecken.
  3. Klar benennen, was man aus der Überlieferung (z.B. allein aufgrund unterschiedlicher Kontexte) nicht übernehmen kann.
  4. Ein eigenes Vokabular finden. Eine eigene Sprache finden.

Ist das was? Keine Ahnung. Es ist spät.

Nachtrag: Folgende Einträge gehören zu diesem Themenkomplex: „new living-room-eremitism“ und „die theodidakten„.

8 Kommentare

  1. Tino

    und ich krieg Bauchschmerzen bei dem derzeitigen Interesse an „buddhistischer Wellness-Spiritualität“ ;-)
    Vielleicht sollten wir uns zusammen tun und eine weitere Alternative finden^^

  2. beisasse

    oder uns was neues suchen, wo wir bauchschmerzen kriegen. – ich glaube, alles ist fürchterlich für uns beide, was unreflektiert einfach so übernommen wird. dagegen erfreuen wir uns eingehend durchdrungener aussagen. oder?

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