new living-room-eremitism

Innerhalb der Emerging Conversation wird seit einiger Zeit schon der Begriff des new monasticism hier und da aufgeklebt. (Über folgende Gemeinschaften, die mit diesem Etikett bedacht werden, bin ich ab und an schon einmal gestolpert: the simple way, Church of the Apostles, Northumbria Community.) Trotz einer gewissen Anziehung, habe ich mich jedoch nicht näher mit diesem Phänomen des new monasticism beschäftigt.

Mich interessiert eher ein eingehender Blick darauf, dass es faktisch Leute gibt, die als Laien extra claustrum – ausserhalb einer klösterlichen Klausur – eine dezidierte kontemplative Praxis erkunden und sonst nicht in einer Gemeinschaft oder organisierten Bewegung eingebunden sind. Ist schon die Emerging Church eine dezentrale und heterogene Erscheinung, so sind es die kontemplativen Laien noch mehr. (Ich wüsste nicht mal, wie ich sie nennen sollte. „Kontemplative Laien“, passt das? Oder „Wohnzimmer-Eremiten“?)

Sie unterscheiden sich (aus offensichtlichen Gründen) von Ordensleuten. Sie unterscheiden sich aber auch von Mitgliedern sogenannter Dritter Orden oder Oblatengemeinschaften, deren spiritueller Fokus in einem bestimmten Ordenscharisma oder einem bestimmten Kloster zu finden ist. Sie unterscheiden sich von denen, die restlos begeistert von einem bestimmten „spirituellen Ort“ sind, den sie immer und immer wieder aufsuchen müssen, um aus dieser oberflächlichen Abhängigkeit das wenige, was sie an geistlicher Reife besitzen, stetig aufzufrischen.

Was aber den neuen Wohnzimmer-Eremiten über alles wichtig ist, ist ihre geistliche Praxis. Diese Praxis ist so persönlich und so einzigartig, dass dieser eigene Weg für keinen anderen gangbar ist. Nur sie selbst können ihn gehen. Ihr geistlicher Weg ist unwiederholbar. Deshalb kann man ihnen auch keinen Namen geben. Deshalb ist es schwierig für sie, Vorbilder zu finden. Wie kann man sich an einem Vorbild orientieren, wenn man einen eigenen Weg gehen muss? Man findet keinen Lehrer. Schon gar nicht findet man andere Menschen, die auf einem wenigstens annähernd ähnlichen Weg sind. Sie sind im Provisorischen. (Letzteres habe ich natürlich nur gesagt, weil meine Ausführungen noch nicht ganz durchdacht sind.)

Gut, sie werden nicht die grosse Rolle in der Communio der Kirche „unterwegs in Zelten“ spielen. Aber sie sind da.

Nachtrag: Hierzu gehören auch die Einträge „urban contemplatives : extra claustrum“ und „die theodidakten„.

10 Kommentare

  1. wessnet

    Wie wäre es mit „Kontemplations-Guerilleros“?

    So ähnlich hat wohl auch mal der von mir hoch geschätzte Frere Roger angefangen, den dann die Kontemplationspraxis in die Parallelausübung eines Lebens mit offenen Türen für die Jugend der ganzen Welt geführt hat.Bin mal gespannt, wohin Dich Dein Weg führt…

  2. beisasse

    :-) okay, das nehm ich mit dem guerillo. wohin es führt? es hat ja schon längst angefangen. übrigens gibt es gute neuigkeiten für alle klippdachs-freunde. aber dazu hoffentlich morgen oder übermorgen mehr. (spannung, spannung!)

  3. Andrea

    Wohnzimmer-Eremiten? – S-Bahn-Reklusinnen!

    Wieso sollen wir nur in Wohnzimmern sitzen? Um dort Eremitagen nachzubauen? Der ganze Raum unseres Lebens steht uns offen und will durchdrungen sein.
    Wenn den Klöstern aufgetragen ist, jedes Gerät wie heiliges Altargerät zu behandeln (RB 31,10), so möchte ich uns „Weltmenschen“ sagen: „Jeder Ort soll wie heiliger Klostergrund behandelt werden.“ Wir sollen nicht in Anbetung für die heiligen Klosterhallen verharren und das Eigene gering achten, sondern vielmehr hinaus gehen, um die ganze Welt zu heiligen. Mutig, kreativ und unkonventionell! Denn wir sind frei vom starren Rhythmus monastischer Ordnung. Also los: Murmelt Psalmen in der S-Bahn. Schreibt Gebete an Mauerwände. Predigt im Internet (Was tut dieser Blog anderes?). Tut, was euch gefällt, wenn nur die Sehnsucht nach dem Heiligen sich Bahn bricht hier und jetzt, an diesem Ort!

  4. inge

    lese Dein blog gerne!
    kontemplations-guerilleros gefaellt mir. es setzt nicht den besitz eines wohnzimmers voraus (incl. filzpantoffel + halbe bier).
    kontemplations-guerilleras gibts aber auch.

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  6. wessnet

    Der Klippdachs gehört natürlich als Kontemplationsmaskottchen in das jeweils individuell gestaltete Logo eines jeden Theodidakten, der sich zur Kontemplations-Guerilla zählt.Freue mich schon auf die angekündigten Neuigkeiten.Gibt es gar bald einen Klippdachs mit Knopf im Ohr? Würde ich mir sofort ins Wohnzimmer stellen…

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