eine ganz widerliche art von mönchen

„Eine ganz widerliche Art von Mönchen“ – so nennt die Benediktsregel die Sarabaiten, allein von den Gyrovagen übertroffen. Beide Begriffe bezeichnen Wandermönche, die ohne Regel und ohne Obere mal hier mal da sind. Das einzige, was sie leitet, ist alles Angenehme und Annehmliche. Die Gyrovagen lassen sich gar als Schmarotzer ab und zu für einige Tage in Klöstern beherbergen: „Immer unterwegs, nie beständig, sind sie Sklaven der Launen ihres Eigenwillens“.

Besser kommen die Anachoreten, die Einsiedler, weg, die schon durch einen gemeinschaftlich-klösterlichen Alltag so erprobt sind, dass sie sich dem „Einzelkampf in der Wüste“, mit all den dann einstürmenden Gedankenvorstellungen, stellen können. Allerdings sei das nichts für Anfänger.

Mit diesen Einschätzungen hat die Benediktsregel sich bereits in ihrem ersten Kapitel als zweifelhafte Lehrmeisterin für uns erwiesen. Denn wir finden uns als einerseits ortlose und andererseits vereinzelte Existenzen vor. Unser Alltag lässt sich durchaus als „immer unterwegs“ (Sarabaiten, Gyrovagen) und als „Einzelkampf, mit eigener Hand und eigenem Arm“ (Anachoreten) deuten. Das eine (Ortlosigkeit) ist für die Benediktsregel eine widerliche Lebensform, das andere (die Reife des Einzelnen) ein in die Ferne gerücktes Idealbild. Worin die Benediktsregel einführen will, ist das koinobitische, d.h. gemeinschaftlich-monastische Leben. Aber die Bindekräfte von Gruppen sind nicht mehr so stark, es gibt da ein Grundmisstrauen demgegenüber – paradoxerweise gepaart mit einer starken Sehnsucht danach, „irgendwo hin zu gehören“. (Aber in der Postmoderne gibt es ja das eine immer mit seinem Gegenteil.)

Nun kann man aber gegen „Ortlosigkeit“ und „Vereinzelung“, gegen diesen „Befund“ nicht einfach eine Kur „Urlaub im Kloster“ verschreiben. Es wird nicht viel helfen, die Symptome einfach dadurch beheben zu wollen, dass man das Gegenteil davon unreflektiert als Gegenmittel anwendet. (Ein paar stille Tage im Kloster, mit geregeltem Tagesablauf, mit der Schönheit der Liturgie, in Kontakt mit einem „heiligen Ort“, Gastfreundschaft einer Gemeinschaft etc.)

Nein, wir müssen unsere eigenen Lösungen finden. Vielleicht sind wir nur zu zweit oder zu dritt. Oder allein. Und der erste Schritt zu einer Lösung ist, genau dort hinein zu gehen und dem nicht auszuweichen: in die Ortlosigkeit und in das Alleinsein hinein.

O Gott, komm mir zu Hilfe.
Herr, eile mir zu helfen.

geschrieben von: Veröffentlicht unter monastic

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