mein (synonym-)vokabelheft

Kontemplation / kontemplatives Gebet
ist ein vollmundiges Wort für absichtsloses Anwesendsein vor dem, der alle Gegenwart fundiert. (Was wiederum sich sehr vollmundig anhört, was?) Es ist nicht eine nur für besondere Menschen (z.B. Ordensleute) reservierte Form des Gebetes. In meinem Sprachgebrauch kommt „Kontemplation“ oder „kontemplatives Gebet“ aber gar nicht vor, weil sowieso keiner weiss, was damit gemeint ist. Ausserdem kann man dazu kein Verb bilden. (Etwa „kontemplieren“? Oder „kontemplatives Gebet praktizieren“? Nee.) Hier im Haus sagen wir einfach nur „Sitzen“ dazu. Beispielsatz: „Ich komme morgen nicht zum Sitzen, weil ich einen Tag mal ausschlafen muss.“

Meditation
ist in der christlichen Tradition das Hin- und Herwenden eines Gegenstandes, um ihn von vielen verschiedenen Seiten zu betrachten. Dies tut man mit seinem diskursiven Vermögen. Das, was Maria in der Lutherübersetzung tut: „und bewegte alle diese Worte in ihrem Herzen“, das ist meditieren. (In der Einheitsübersetzung heisst es schlicht: sie „denkt“ darüber „nach“.) Es ist nicht – auch in buddhistischer Tradition nicht – eine Technik, um seinen Geist zu entleeren. Im Alltagsgebrauch vermischen die Leute ständig die Bedeutungen von Kontemplation und Meditation. Mit Meditation meinen die meisten nämlich das Einüben von Gegenwärtigsein, Achtsamkeit etc. Folglich werden die Formen dieser Übungen dann auch Sitz-Meditation bzw. Geh-Meditation etc. genannt. Ich sag dazu: Sitzen-Üben bzw. Gehen-Üben. Klingt bemüht und gestelzt, aber nicht so hochtrabend wie das andere. Zu „Meditation“ im eigentlichen Sinn (s.o.) kann man auch ganz einfach „Betrachtung“ sagen. Beispielsatz: „Jeden Abend widmet sich Schwester Immaculata der Schriftmeditation.“

Emerging Church
ist eine dezentrale „conversation“ hauptsächlich von Freikirchlern, die jetzt auf Postmoderne machen. Wogegen man sich einst abgrenzte, ist jetzt en vogue. Es ist nicht – und das ist stark zu hoffen – eine postmoderne Kosmetik der Sprache, der Gottesdienstformen, der Theologie etc. Letztlich sind es doch eigentlich schlicht erwachsen gewordene Freikirchler, die sich der jetzt-zeitigen Kultur stellen und eine inkarnatorische Theologie zu leben suchen. Beispielsatz: – da bist du als Leser/in selbst gefragt. Benutz doch mal die Kommentarfunktion.

4 Kommentare

  1. Tino

    hab ich das so richtig verstanden, dass kontemplation die abwesenheit von denken ist und meditation das (anscheinend hermeneutische) nachdenken über einen bestimmten gegenstand/satz?

  2. beisasse

    1. abwesenheit von denken ist für menschen schlichtweg unmöglich. man sollte das eher so beschreiben, dass man sich stetig bemüht, sich zur gegenwart zurück zu wenden.

    2. ja, in christlicher tradition bedeutet „meditatio“ einfach nur nachdenken oder reflektieren.

  3. Tino

    zu 1. ich kann ganz gut einfach so vor mich hinstarren, ohne zu denken. zumindest ohne bewusst etwas zu denken ;-) nur hab ich dabei nicht das gefühl, mich zur gegenwart zu wenden

    zu 2. das is schön :-)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s