senfkorn-kirche

Desmond Tutu sagte in einem Interview in dem Magazin chrismon (07/2007):

“ … Unser Erlöser sprach von Christen niemals als Mehrheit. Er nannte sie das Salz. Das ist aber nicht das ganze Mahl. Er nannte sie die Hefe, die Hefe ist nicht das ganze Brot, nur ein sehr wichtiger Teil. Manchmal sind wir so versessen auf Erfolg, dass wir vergessen: Unser Glaube kommt aus Gnade und nicht aus Leistung. Wir sind beeinflusst durch die Kultur des Erfolges.“

Sich als Minderheit zu verstehen kann auch leicht fanatisch wirken. Das ist hier aber nicht gemeint. Wie kann Kirche, statt verkrampft ihre Deutungsmacht zu verteidigen, zu ihrer eigentlichen Senfkorn-Substanz zurückfinden?

geschrieben von: Veröffentlicht unter kirche

10 Kommentare

  1. wessnet

    Desmond Tutu in allen Ehren, unser Erlöser sagt aber an einer nicht ganz unbekannten Stelle auch: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker…“

    Von diesem Auftrag aus verstanden ist der Minderheitenstatus nur Übergang, nicht Ziel, das Senfkorn nur der erstaunlich kleine Anfang eines überraschend großen Endstadiums. Interessant finde ich, dass im kleinen Senfkorn alles Große schon angelegt ist und das kleine Körnchen nicht mehr zu tun hat, als im Boden zu liegen und sich begießen zu lassen…

  2. erstersein

    Kann sein, dass sich ein Christ als Senfkorn fühlt – wenn er zum Beispiel in einer atheistischen Kollegenschaft arbeitet – kann aber auch sein, dass ein Christ schon ein bisschen sich als Baum fühlt – wenn er in einem mächtigen Kloster Mitbruder ist.

    Aber vielleicht ist er gerade dort ein Senfkorn – weil er seinen Mitbrüdern ein „Stachel im Fleisch“ ist, wenn er Machtmissbrauch anprangert.

    Nur so zum nachdenken
    Christoph
    http://erstersein.wordpress.com

  3. beisasse

    an thorsten: und ich dachte mit dem zitieren dieser autorität, käme ich so einfach davon :-) wenn man im erstgenannten bild bleibt, führt das befolgen des zweitgenannten verses witzigerweise zu einer versalzenen suppe. könnte eine bild-überschrift sein: „christen versalzen suppe!“

    an christoph: nett, dass du vorbei geschaut hast. ein guter hinweis, dass man beides sein kann – in je verschiedenem zusammenhang.

  4. beisasse

    die frage von chrismon lautete: „Das Christentum in Deutschland scheint in manchen Gegenden kaum mehr lebendig zu sein. Können Sie sich vorstellen, wie die Menschen in Deutschland mit ihrer Religion versöhnt werden können?“ – tutu hat die frage anscheinend in die richtung verstanden: wie können wir wieder lebendig = zahlreich = erfolgreich sein?

  5. inge

    wenn das salz als fester kompakter brocken am boden des suppentopfes liegen bleiben wuerde, dann waere salz in der suppe, die suppe waere fad, und wer aus versehen auf den salzbrocken beisst hat pech gehabt.
    wenn man am ende des brotteigknetens erst ein kleines quadratisches hefestück (am besten noch eingepackt in alufolie) in den teig presst, ihn gehen laesst und dann baeckt kommt ein harter fader fladen dabei heraus mit was kleinem ungeniessbarem in der mitte.
    man sollte zuerst die suppe (ohne salz aber mit allen anderen notwendigen guten zutaten) zubereiten, dann nicht zuviel und nicht zu wenig salz zugeben, fleissig umruehren, so dass sich das salz in der ganzen suppe gleichmaessig verteilt. salz bleibt bei diesem vorgang nicht salz, sondern aendert seine konsitstenz (aggregatszustand). es loest sich in der waessrigen loesung und transformiert so die ganze suppe von einer faden zu einer wohlschmeckenden.
    aehnlich ist es mit der hefe. die muss man schon beim teig machen dazugeben, dann durch langdauerndes kraeftiges kneten ueberallhin gleichmaessig verteilen, dann den teig an einem warmen ort mehrere stunden gehen lassen, dann backen. lecker brot fertig.
    vermutlich musste jesus seiner mutter oft in der kueche helfen.

  6. beisasse

    inge, du weisst aber, was das konsequenterweise bedeutet, oder? dass entsprechend dieser gleichnisrede leute, die zu jesus gehören, sich in die welt hinein verwandeln und so? das würden manche gar nicht gerne so verstehen …

  7. inge

    um ehrlich zu sein – ich weiss nicht genau worauf du hinaus willst, vielleicht kannst du etwas ausfuehrlicher werden und mir auf die spruenge helfen? gruss calvin

  8. beisasse

    na ja, einige würden ja wohl identitätsverlust befürchten, wenn man von „auflösen“ und „vermischen“ spricht – so wie man es vom salz und von der hefe tut.

  9. abitene

    bisschen seltsam ist das Zitat von Bischof Tutu schon, vielleicht aber auch nur, weil es so aus dem Zusammenhang gerissen dasteht. Jedenfalls denk ich schon, dass Jesus sich wünscht, dass die Christen die Mehrheit, ja, dass alle Menschen Christen werden und somit gerettet werden. So versteh ich das jedenfalls bei Lukas 13: „Außerdem sagte er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es ist wie der Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war.“

    Ansonsten, was die Gnade betrifft, sie ist ein Geschenk Gottes, natürlich, wie alles. Aber wir sind aktiv daran beteiligt, in ihr zu verweilen, dh sie nicht zu verlieren oder sie zurückzugewinnen. Das Christentum ist keine ‚passive‘ Religion.
    siehe unseren Artikel hier: http://wegwahrheitleben.wordpress.com/2009/08/30/seelenheil-in-gefahr/
    Gruss, abitene

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