wenn man nicht gerade mönch oder bruce wayne ist …

Wann wird die Lebensform des Alleinseins endlich gesellschaftlich respektiert werden? – Ulf Poschardts Buch „Einsamkeit. Die Entdeckung eines Lebensgefühls“ hätte ein bahnbrechendes Plädoyer werden können. Jedoch bleibt bei allen gelungenen Skizzen, die die Lebensform der Einsamkeit ausleuchten, doch immer wieder die Zuordnung zu einem partnerschaftlichen Konzept. Dafür steht der Allgemeinplatz, dass nur der mit einem anderen gut zusammen leben könne, der gelernt habe, allein zu sein.

Wenn man nicht gerade Priester, Mönch oder Bruce Wayne (alias Batman) ist, kennt man als „normaler“ Einzelmensch oft seine Rolle schlichtweg nicht. Aber das muss jeder, der zu dieser Lebensform gerufen ist, oder sich bewusst für sie entscheidet, wahrscheinlich – ja, was sonst – allein für sich herausfinden. Wäre ja auch ein wenig widersprüchlich, wenn durch Poschardts Buch als Einsamkeitsbibel eine neue Massenbewegung (Hans Conrad Zander: „Einsamkeit für alle!“) entstehen würde.

Aber hätte Ulf Poschardt nicht trotzdem seine gescheiten Beobachtungen, die zu oft mit Single-Mutmach-Tipps angereichert sind, entschiedener nutzen können, um Einsamkeit und Alleinsein als Wert für sich hervorzuheben? Es begann doch so gut:

„Ich bin nicht immer einsam. Aber wenn ich es bin, nutze ich die Zeit. Es ist die Zeit, in der man wächst und lernt. Nicht gegen die anderen Menschen, sondern in innerer Unabhängigkeit. Einsamkeit richtet den inneren Kompass neu aus. Sie sortiert das Innenleben für die Begegnung mit anderen. Sie schont das soziale Netzwerk, anstatt es zu zerstören.

Ich geniesse Einsamkeit, weil sie immer endlich ist. Weil sie ein Freund und keine Krankheit ist. Und weil ich gelernt habe, mit ihr zu leben. Sie ist ein Kraftfeld, ein Ort von Ruhe, Schönheit und Konzentration …“ (S. 10f.)

2 Kommentare

  1. Christian

    Ich hatte mir auch viel von dem Buch versprochen, und war dann etwas enttäuscht, als ich es las. Ich habe ziemlich bald aus der Hand gelegt und nun steht es in guter Gesellschaft im Buchregal. Wenn du dich auch mit einem etwas trivialeren Plädoyer für das Alleinsein begnügst, dann kaufe dir einfach die neue Neon.

  2. beisasse

    ich habe es immerhin bis zum schluss dann doch gelesen, weil: das ist gegen die rezensentenehre, ein buch zu besprechen, das man nicht bis zum schluss gelesen hat. oder? dabei machen das die anderen ja auch nicht wahrscheinlich. – witzig find ich ja, dass du so ein magazin-leser bist. das ist für mich irgendwie wie fernsehen.

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