robert schneider lässt ein unbekanntes bach-autograph finden (und wieder verlieren)

Gestern im Buchladen erstanden und im Laufe des Tages (vor allem auf Bahnfahrten in eine andere Hansestadt) durchgelesen: Robert Schneiders Novelle „Die Offenbarung“.

Der Hauptfigur, Jakob Kemper, scheitern alle Bemühungen, jemand zu sein. Komponier-, Dirigier- und pubertierende Eroberungsversuche hat er hinter sich. Als Organist (bloss ehrenamtlich) in seiner Geburtsstadt Naumburg, im Osten Deutschlands (weit ist er nie gekommen), macht er jedoch einen unglaublichen Fund: ein Autograph eines in der Forschung unbekannten Werkes von Bach. Wird ihm das nun die Türen öffnen, um endlich zu den „Grossen“, zu den „Angesehenen“, zu den letztlich als zynisch entlarvten Koryphäen der Bachforschung zu gehören?

Natürlich ist Jakob Kemper als stets scheiternder Kauz eine Sympathiefigur. Man fühlt sich als Leser wie ein Kind in einem Kasperletheater, wo man dem Simpel immer zurufen möchte: „Pass auf! Lass dir dein Glück doch nicht durch deine Unbeholfenheit durch die Lappen gehen!“

Als der Fund gemacht wird, lässt der Autor seine Hauptfigur erst einen hysterischen Tag verleben, bevor diese sich endlich hinsetzt, um die Seiten des Autographs anzuschauen. Als Leser ist man dann schon genauso fertig vor bis zum Äussersten gespannter Neugier. Sodann entspannt sich in der Handlung die Frage: Wird nun endlich alles gut für Jakob Kemper?

Schön ist es, von einem Autograph eines unbekannten Bach-Werkes erzählt zu bekommen. Unheinmlich ist diese Musik, die nur dem inneren Ohr erklingt (anders geht es in einem Buch ja nicht) und die denen, die mit ihr in Berührung kommen, Gesichte von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zeigt. Aber wie nützlich für das gewöhnliche Leben sind solche Ekstasen?

Doch, doch. Man versteht am Schluss sehr gut, was Robert Schneider zu Gehör bringen will. Es ist ernüchternd. Aber wir sind sehr dankbar, dass er uns das mit Humor und erzählerischer Sicherheit in einer Novelle gesagt hat.

Bei aufbau-verlag.de findet man eine Leseprobe.

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