ich bin unproduktiv

Hufi ist ja regelrecht in Aufräum- und Ordnungseuphorie. Auch ich liess mich von den Ideen von zen habits, die er verlinkt hat, dazu ermuntern, günstige Bedingungen für Klarheit und Ordnung zu schaffen. Meine Erfahrungen bzw. Fragen:

(1) Mein Vorbehalt gegenüber Organisations-Tipps besteht ja darin, dass nach meiner Wahrnehmung meine Arbeitsgewohnheiten und meine Kreativität selten nach zu abstrakten Ordnungs-Prinzipien (so wie man sich das wünscht) funktionieren. Die Frage ist also inwieweit sich Ordnungs-Prinzipien an mein eingeschränktes Verhalten (mein Gehirn ist etwas anderes als ein Computer) anpassen sollen. Und: inwieweit ich neue Gewohnheiten lernen kann, die auf Produktivität ausgelegt sind, d.h. inwieweit ich mich anpassen kann und soll.

(2) Vereinfachung scheint das Ausschlaggebende zu sein. Man muss einmal nur beobachten, ob man alles, was man auf seiner Tages-Zu-Tun-Liste schafft oder nicht. Wenn nicht, sollte man lernen, realistischer einzuschätzen, was man an einem Tag schafft. Und ich finde: Es ist weniger als man denkt. Und dann hat man es mit dem Problem zu tun, dass alle Welt nach mehr Produktivität schreit. Die aber von meinem Vermögen her unrealistisch ist.

(3) Also am besten noch einmal darüber nachdenken, was eigentlich das Ziel ist. Mehr Produktivität? Mehr Zufriedenheit mit dem Arbeitsergebnis? Spass an dem Arbeitsprozess selber? Oder was ist eigentlich aus der Arbeit „im Schweisse deines Angesichts“ geworden?

(Ich bin schon früher mal drauf gekommen, dass es für mich besser ist, alles an einem Ort zu sammeln als an vielen Orten: „erleuchtete menschen verwenden nur ein notizbuch für alles mögliche“.)

5 Kommentare

  1. wessnet

    Mal wieder BACH:

    Hatte am Wochenende in einer Biographie geblättert, die ich vor ca. 20 Jahren gelesen habe (ich suchte eigentlich nach dem Kapitel über die Symbole in der Notensprache), und blieb daran hängen, dass er in seiner Leipziger Zeit jede Woche eine Kantate geschrieben hat. Jede Woche! Zusätzlich zu dem sonstigen Kram als Thomaskantor!

    Aber welch ein Werk! Produktivität muss somit nichts Schlechtes sein. Die Frage ist, wie ich heute lebe. Ob ich mir bewußt bin, dass es ein Geschenk ist, heute leben und arbeiten zu dürfen. Dass ich mich heute entscheiden darf, dass zu tun, was heute dran ist.

    Ob Bach einen aufgeräumten Schreibtisch hatte? Schön fände ich das abstrakt auch, aber ist es wirklich wichtig?

  2. beisasse

    an hufi: ja, tue er das. also du, meine ich :-)

    an thorsten: ja, stimmt. wie hat bach eigentlich gearbeitet? hatte er eine ideen-sammlung? und notizzettel, wo er sich musikalische motive sammelte? – aber er war ja auch ein guter orgel-improvisator. war das aufschreiben also dann nur ein letzter arbeitsschritt von dem, was er „spontan“ sonst ausführte?

    im übrigen sollte man sich aber auch klar machen, dass zu seiner zeit auch der handwerkliche aspekt von musik nichts verachtenswertes war. und so zimmert der kompositionshandwerker eben seine sachen zusammen. irgendwo auch mit routine.

  3. Pingback: könntest du mal eben diesen blogeintrag lesen? « ein neues kellion

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