zen und kontemplation ist mal viel cooler als stundengebet

Warum bemühe ich mich im Moment mehr um die Sitz-Meditation als um ein „ordentliches“ Stundengebet? Zunächst ist es sicherlich nachvollziehbar, dass bei meiner derzeitigen Lebensform als Einzelner sich weniger Formen des Stundengebetes eignen als die Sitz-Meditation. Das kann man einfach gut alleine machen. Stundengebet, liturgisches Beten, „Beten mit der Kirche“ ruft förmlich nach einer gemeinsamen Form. (Übrigens gibt es inzwischen einen weiteren Eintrag von Alex Kupsch zu Scott McKnights Buch zu diesem Thema: Alex Kupsch, Praying with the Church IV: Abschliessende Gedanken.)

Es gibt aber noch mehr Gründe. Einer davon: Geltungssucht. Zumindest sagte eine Freundin zu mir (ich „zitiere“ mal, was bei mir angekommen ist): „Ach Mann! Jeder, der heute spirituell etwas sein will, macht einen auf Sitzen, Zen oder Kontemplation. Aber keiner kümmert sich mehr um die Psalmen!“

Letzteres bezog sich nicht nur auf unser gemeinsames Stundengebet in der Hausgemeinschaft 2005-2006, sondern auch darauf, dass wir mal ein grosses Psalmenprojekt organisiert und durchgeführt haben: ein begehbares Psalmenhaus. (Photos gibt es auch noch davon.)

Da ist was dran mit dem Ehrgeiz. Dazu kommt auch noch, dass ich irgendwie denke: Stundengebet – das ist etwas, was Mönche machen. Ich mach das andere halt.

6 Kommentare

  1. Thomas

    Schade eigentlich, denn auch der einzelne Mönch macht was anderes als die anderen aus seiner Gemeinschaft. Und äußerte sich nicht kürzlich erst der Dalai Lama etwas erstaunt über den Hunger der Westler nach Fernöstlichem, wo doch auch der Westen seine Tiefen und Traditionen besitz?
    Freilich, es ist nicht wirklich von Belang, wie und wo man betet – einzig DASS man betet.
    Daher: weiterhin gutes Gelingen :o)

  2. beisasse

    gut, dass wir uns auf diesem wege einmal begegnen. auch für dein stundengebets-projekt wünsche ich gutes gelingen. und immer wieder einen anfang. übrigens sieht man es freilich der sprache nicht an: aber ich bin von meiner herkunft her durchaus kein westler. wenn ich mich zur sitz-meditation hinsetze ist das klischee schon erfüllt.

  3. Andrea

    Darum, Beisasse, sollst du Psalmen beten!

    Unbenommen „Sitzen“ ist in. Die wortarme Hingabe besticht durch Ideologiefreiheit, wähnt sich losgelöst von kirchlich-religiöser Gebundenheit, wehrt der überflutenden Wortfülle unserer Zeit, schafft Rückzug und Besinnung.

    Der Psalter hingegen ist ein schwieriger Freund. Kein Teil, der nicht auch von Gewalt, Frevel, Unrecht singt. Keine Poesie, der man sich schwelgend im Schönen hingeben kann. Immer segelt er hart an der Realität der alltäglichen Erfahrung.
    Es ist eine besondere Gnade, sich liebend auf ihn einlassen zu können, ja zu sagen in guten wie in bösen Zeilen. Sich hinein nehmen, durchwirken, umgestalten lassen vom Wort zwischen dem Psalmisten und seinem Gott. Die Liebe zu dieser widerständigen Rede ist nicht jedem gegeben. Viele bleiben hängen in der Kritik am Text, in Zustimmung für jenes und Ablehnung von anderem. Doch ich bin überzeugt, wirkliche Begegnung erwächst aus der Annahme des Ganzen. Wagen wir zu beten – und sei es nur weil Tausende vor uns es schon getan haben. Und aus Befremden wird Freundschaft. Und aus Freundschaft wächst neues Leben – durch und mit und in Ihm.

    Es braucht das still Werden in dieser Zeit. Aber es braucht auch Menschen, die reden können mit Gott und von Gott. Die Zeugnis geben von seiner Gegenwart in allem – Schönem wie Schwerem, im Loblied der Befreiung und in der Klage wider das Unrecht. Die die Mühsal des Psalters auf sich nehmen in ihrem eigenen Leben.

    Darum! Auf!
    „Hoffe auf den Herrn und sei stark! Hab festen Mut und hoffe auf den Herrn!“ Ps 27

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