berufungs-blabla

Bestimmte Wörter und ihr Verständnisfeld um sie herum lassen mich und einige Freunde inzwischen einen gequälten Gesichtsausdruck annehmen. Dazu gehört eindeutig das Wort

Berufung

Was fromme Leute mit diesem Begriff anfangen, ist eine Art Verzögerung dessen, was jetzt zu tun ist. Für sie scheint erst bei festgestellter Berufung eine Garantie gegeben zu sein, dass man jetzt losgehen darf, dass dann nichts mehr schief gehen kann.

„Ich glaube ganz sicher, dass Sie berufen sind.“ – Ich: „Ach, so? Warum denn?“ – „Weil Sie sich so vieles gefallen lassen haben auf diesem Weg.“ (Nicht der genaue Wortlauf, aber so ungefähr.)

Da fiel mir auf, dass mir zwar schon etwas an der Ermutigung liegt, die hinter diesem kurzen Wortwechsel steckt. Aber an dem Begriff der „Berufung“ liegt mir nichts. Leute, was bringt mir das zu wissen, „dass ich berufen bin“, wenn ich nicht jetzt tue und umsetze, was meine Aufgabe ist?

In dem Buch „Ich bin gerufen“ von Paulus Terwitte und Peter Birkhofer (Münsterwachrzacher Kleinschriften) sind zwar die Teile von Terwitte kreativ und anregend (ausserdem ist er eine Art Held für mich, da er in einem Zeit-Interview einmal sehr offen sagte: „Etablierte Ordensgemeinschaften halten gerne Ausschau nach Jugendlichen, die ihr System weiter unterstützen.“), aber die Abschnitte von Peter Birkhofer bieten Beispiele für Berufungspastoral-Blabla in Reinform.

Seht euch also vor: Einige Menschen, die beginnen, den Begriff „Berufung“ mit in das Gespräch zu bringen, wollen nur einen Aufschub eurer Aufgabe und dem, was ihr jetzt zu tun habt, bezwecken. Worum es eigentlich geht, wie Inge auch zu mir sagte, ist: entscheiden. Letztlich ist dies auch das Tun, das von unserer menschlichen Seite her gefordert ist.

9 Kommentare

  1. wessnet

    *singt* „Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde, heute wird getan oder auch vertan, worauuuuf es ankommt, wenn ER kommt…“

  2. wessnet

    ne, das ist ein uralter katholischer Schlager, wurde vor ca. 20 Jahren gerne in der khg Würzburg gesungen. Ich recherchiere mal, von wem das ist.

  3. wessnet

    Dank Netz geht sowas ruckzuck, hier der komplette Text mit Autoren:

    Jetzt ist die Zeit

    Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde.
    Heute wird getan oder auch vertan,
    worauf es ankommt, wenn er kommt
    Der Herr wird nicht fragen: Was hast du gespart,
    was hast du alles besessen? Seine Frage wird lauten:
    Was hast du geschenkt, wen hast du geschätzt,
    um meinetwillen?
    Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde.
    Heute wird getan oder auch vertan,
    worauf es ankommt, wenn er kommt
    Der Herr wird nicht fragen: Was hast du gewusst,
    was hast du Gescheites gelernt?
    Seine Frage wird lauten:
    Was hast du bedacht, wem hast du genützt,
    um meinetwillen?
    Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde.
    Heute wird getan oder auch vertan,
    worauf es ankommt, wenn er kommt
    Der Herr wird nicht fragen: Was hast du beherrscht,
    was hast du dir unterworfen? Seine Frage wird lauten:
    Wem hast du gedient, wen hast du umarmt,
    um meinetwillen?
    Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde.
    Heute wird getan oder auch vertan,
    worauf es ankommt, wenn er kommt.
    Der Herr wird nicht fragen: Was hast du bereist,
    was hast du dir leisten können?
    Seine Frage wird lauten:
    Was hast du gewagt, wen hast du befreit,
    um meinetwillen?
    Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde.
    Heute wird getan oder auch vertan,
    worauf es ankommt, wenn er kommt

    Musik: Ludger Edelkötter Text: Alois Albrecht

  4. beisasse

    also doch zu jung. smiley! der text ist ansprechend. – und die musik scheint wohl so zu sein, dass du dich nach zwanzig jahren immer noch dran erinnerst.

  5. inge

    vielleicht sollte man mal versuchen, bei allen angeboten, ueberschriften, websites … , welche mit „berufungs…“ anfangen, dieses mit „entscheidungs…“ zu ersetzten.

  6. inge

    in dem zeitinterview hat bruder paulus das ja praktisch gemach, sehe ich gerade. wer dem ueber den weg laeuft hat wohl glueck.

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