aber blut muss fliessen

Seit ältesten Zeiten glaubt der Mensch, dass Heil nur zu vermitteln ist, wo Blut fliesst. Aber wie soll ein – existenzieller – Schaden, die Mangelerfahrung der Existenz durch ein Schlachtopfer zur Ganzheit finden? Das verstehe ich nicht. Das kaputte Spielzeugauto wird auch nicht wieder funktionstüchtig, wenn dafür ein anderes Spielzeug zerschmettert wird, und sei es ein noch so viel wertvolleres Gerät, etwa ein iPod. Vielleicht gibt es einfach irreparable Schäden. Und man kann sie nur aushalten lernen. Und dann muss auch kein Blut fliessen.

8 Kommentare

  1. Christin(a)

    Einige Gedanken – unsortiert: Blutsbrüderschaft, Blutsverwandte, vom selben Blut… Das Blut steht doch eigentlich schon seit jeher auch als Zeichen der Verbindung, was untrennbar zusammengehört (die Häuser, an deren Tür das Blut des Opferlammes war, blieben verschont…) Blut als Zeichen des Versöhntseins…
    Im jüdischen glaubt man, dass die Seele ihren Sitz im Blut hat, deshalb werden die Tiere geschächtet. Ziemlich brutal und makaber das Ganze. Und für unsere einigermaßen „zivilisierten“ Gehirnwindungen kaum nachzuvollziehen – vielleicht können wir das nur verstehen, wenn wir „archetypischer“ denken.
    War Jesus ein „Blutopfer“. Diese ganze Opfersache finde ich eigentlich hochproblematisch – doch eine Sicht wäre auch, dass danach Schluß war mit Opfern…
    Hm…???

  2. Alex

    nun – nicht, dass ich ein Fan von fließendem Blut wäre: aber kann es sein, dass es an der perspektive liegt? das blutopfer sorgt nicht für heilung eines subjektiv empfundenen mangels menschlicherseits, sondern als ausgleich einer ins wanken gekommenen ordnung, göttlicherseits.
    insofern kann ich die logik wenigstens nachvollziehen – auch wenn es heute nicht unbedingt die hilfreichste bilderwelt sein mag. oder?

  3. beisasse

    willkommen, christin(a) und willkommen, alex! – das stichwort „archaisch“ bzw. „archetypisch“ kann uns tatsächlich helfen, irgendwie eine verbindung zu diesem denken zu gewinnen. – und bei deiner darstellung, alex, wäre es so, dass wir zornige götter denken müssten, deren blutdurst gestillt werden muss. es ist eine projektion des menschlichen bedüfnisses nach rache, in die göttliche sphäre hinein verlegt.

  4. Alex

    ja, verstehe. glaube aber trotzdem, dass durch den tod jesu etwas wirklich passiert ist, ohne dass unsere beziehung zu gott, nicht die gleich wäre.

  5. beisasse

    ich glaube auch, dass der tod jesu eine zentrale rolle in unserem glauben spielt. aber die idee eines sühnopfers ist nicht meine erste wahl der interpretation.

  6. beisasse

    nicht ein rachsüchtiger gott muss besänftigt werden, sondern die menschen müssen überzeugt werden, dass gott ganz nah ist – ganz nah bei uns, bis in die letzte konsequenz des todes, bis in den sinnlosen tod durch ungerechtigkeit und gewalt.

    für die gegenwärtige zeit, ist diese interpretation sehr sehr wichtig, finde ich. denn: wir befinden uns auf einer schwelle zu neuer grosser gewalt. ein gott, der gewalt anwendet oder anwenden lässt, der nach genugtuung verlangt, kann uns vor dem clash of civilizations nicht retten.

    p.s. schau auch gerne in die kommentare zu dem anderen eintrag:

    https://kellion.wordpress.com/2008/06/19/keine-suhnopfer-nur-barmherzigkeit/#comments

  7. Pingback: nicht gerechtigkeit rettet uns, sondern verzeihen « ein neues kellion

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