sich selbst wählen

Zwar wurde mir irgendwo einmal erläutert (Kierkegaard, Die Krankheit zum Tode?), dass wir uns nicht selber setzen können. Aber anders geht es nicht, glaube ich. Wenn wir uns und unser Leben nicht selber wählen, können (und brauchen) wir auch keine Verantwortung zu übernehmen. Wir müssen uns selber sagen, wer wir sind, denn nicht einmal Gott wird es uns sagen.

Es ist fahrlässig, unsere Selbstvergewisserung irgendwo aussen hin zu verlegen: Freunde, Partner, Beruf, Güter, Religion, Gott. Diese Dinge sind schwankend und selten eindeutig. Zwar sieht es in unserem Inneren auch nicht besser aus – auch hier gibt es nichts Beständiges. Aber ich ziehe es vor, meiner eigenen Unbeständigkeit ausgeliefert zu sein als anderen Dingen, die aussen sind und auf die ich nun wirklich keinen Einfluss habe.

Dies als Ergänzung zum gestrigen Eintrag.

8 Kommentare

  1. Waldy (Schrotty)

    Hi,
    interessante Gedanken.
    Überlege gerade nur, wenn es so ist, dass wir uns selber sagen müssen wer wir sind, woher wir dann wissen sollen, wer wir sind?
    Und da kommt für mich Gott wieder ins Spiel, der mir durch die Bibel zeigt, was er mit uns Menschen vor hat und wofür wir eigentlich da sind.

  2. beisasse

    willkommen im kellion! – doch, doch, wir können uns sagen, wer wir sind. wir erfinden uns selbst, z.b. beim bloggen, oder indem wir uns so oder so kleiden, indem wir uns präsentieren und darstellen.

    um auf der persönlichen ebene zu bleiben: was gott mit mir vor hat, ist seit jahren ziemlich undurchsichtig – da hielt ich es dann doch für besser, mein leben selber in die hand zu nehmen. irgendwie ist er nicht im stande, in klaren sätzen zu sprechen, die ich verstehen kann. – aber wenn das bei dir so klappt mit gott und bibel, ist es ja gut.

  3. wessnet

    Schade, dass es keine Pille gibt, auf der „Freier Wille“ steht.

    Nur selbige eingenommen: War das dann mein freier Wille? Und würde ich dann überhaupt wollen, was ich will, oder lieber wollen, was Gott will? Mir wird schwindelig…

  4. beisasse

    ja, das wollte ich auch noch einmal ergänzen: sein leben selber verantworten: ich bin überzeugt davon, dass eben genau das gottes ansinnen ist für mich. und auch für andere: dass sie ihren eigenen weg finden, der sie zur identität mit sich selbst führt.

    thorsten: meinst du, dass hinterrücks gott einem vorgaukelt, dass man etwas selber entschieden hat, während es eigentlich von ihm alles geplant war von langer hand? diese betrüger-mentalität würde gott zu einer zwielichtigen person machen. und der oft zitierte satz, dass der mensch zwar denke, gott aber lenke ist in diesem lichte eine aussage über einen zynischen gott.

  5. Waldy (Schrotty)

    Danke für die nette Begrüßung :)
    Was ich meine ist das was Gott mit dem Menschen grundsätzlich vor hat.
    Was Gott mit jedem einzelnen speziell vor hat ist eine andere große Frage. Hat Gott für jeden Menschen einen individuellen Plan? Ich denke nicht 100%ig. Er zeigt Richtungen und Rahmen auf, z.B. durch den Charakter durch die Gaben, das soziale Umfeld etc. aber 100%ig geplant, wen du heiratest, was du beruflich machst hat er denke ich nicht.
    Ein Buch das zu dem Thema sehr interessant ist: „Hilfe ich muss mich entscheiden“ von Garry Friesen – sehr empfehlenswert!

  6. andib

    Kann man sich selbst setzen, wo man doch nie einfach nur man selbst ist. Meine Person ist doch Innen und Außen zusammen. Also ich und meine Biographie und der ganze Rest der Welt. Der Standpunkt von dem aus ich denke, ist doch immer schon mehr als ich. Allein meine Art zu denken ist schon durch die Kultur meiner Heimat geprägt. Das christliche Abendland also z.B. vom Christentum. Gibt es einen Standpunkt ohne bzw. außerhalb Gottes, der dann „Mein Standpunkt“ ist? Ich glaube nicht.
    Allerdings hilft das nicht weiter sondern verkompliziert die Sache evtl. sogar. Andererseits sehe ich schon einen guten Punkt darin, mich in einer der größten spirituellen Traditionen der Menschheit zu bergen.

  7. wessnet

    Nein, nein, das war mehr eine Replik auf Waldy, um dafür zu sensibilisieren, auf welch dünnem Eis man sich bei dieser Argumentation bewegt. Und ein ernsthafter Ausdruck eigener Bedenken.

    Ich selbst habe auch das Ideal, Gott in allem fragen zu wollen. Ich erhoffe mir Antworten. Manchmal steht aber nichts an der Wand gekritzelt, und dann muss man selbst nach vorne gehen, eine Nachfolge ohne Vorausläufer im blinden Vertrauen. Schwierig, das alles…

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