hat jemand meinen gott gesehn?

Eine Anleitung, was zu tun ist, wenn man seinen Glauben verliert, gibt es schon von dem von mir sehr geschätzten Hans Conrad Zander („Von der rechten Art, den Glauben zu verlieren“). Man hat mir davon erzählt und ich zähle mal seine „Verhaltensregeln“ nach diesem Referat auf:

  • 1. „Im Falle einer religiösen Lebenskrise gehen wir ausgiebig, regelmässig und genussreich schlafen.“
  • 2. „Im Falle einer religiösen Lebenskrise gehen wir recht häufig ins Schwimmbad oder in die Sauna.“
  • 3. Ausgezeichnet essen und ausgesuchte Weine trinken.
  • 4. „Im Falle einer religiösen Krise überlassen wir uns, falls wir katholisch sind, dem lösenden Fluss der Tränen. Falls wir evangelisch erzogen sind, versuchen wir wenigstens, ein bisschen zu seufzen.“
  • 5. Unsere Freunde besuchen, ihnen unsere Sorgen klagen und ihr Mitleid ungeniert geniessen.
  • 6. Sich vor sexuellen Nöten und Strapazen hüten.
  • 7. „Wenn wir unsere religiöse Überzeugung verloren haben, dann hüten wir uns davor, sie gleich durch eine andere Überzeugung zu ersetzen. Wir versuchen, wenigstens eine Weile ohne sie auszukommen.“

Der Tenor ist hier also „Wenn – dann richtig!“. Allerdings gibt es eine damit konkurrierenden Ratschlag von Meister Eckhart im 11. Kapitel seiner „Reden der Unterweisung“. Wenn man meint, Gott sei fortgegangen, so solle man sich ganz so verhalten wie sonst auch. Denn Gott könne man gar nicht verlieren. Es sei nur unsere Gefühlslage, die uns meinen lässt, wir würden Gott entbehren. Bei Eckhart gilt also: „Weiter im Text!“

Ich denke auch: Wir werden Gott noch oft verlieren müssen und unser Vokabular für unser Zu Ihm und Von Ihm Reden immer wieder zerstören müssen, damit er uns so erscheinen kann, wie wir es nicht meistern können. Immer muss er eine Überforderung bleiben müssen. Und ihn zu verlieren – davor soll man keine Angst haben. Ich denke da irgendwie auch: Es gibt hier dann für mich im Moment nichts mehr zu tun. Ist doch auch okay.

„Es gibt keinen gleich guten Rat, Gott zu finden, als ihn dort zu finden, wo man ihn abblitzen lässt fahrenlässt. Und wie dir war, als du ihn zuletzt hattest, so tu auch nun, da du ihn vermissest, so findest du ihn.“ (Meister Eckehart, Reden der Unterweisung, aus Kapitel 11 [Was der Mensch tun soll, wenn er Gott vermisst und Gott sich verborgen hat])

Nebenbei: Erinnert sich jemand an den Song „Hat jemand meinen Hund gesehn?“ aus der Sesamstrasse? War das mit Ernie oder hat das eine andere Figur gesungen? Ich bin im Netz bis jetzt noch nicht fündig geworden.

7 Kommentare

  1. inge

    …ein tip zur sauna: mit aufguss, danach eukalyptus-eisnebeldusche, dann solebecken-planschen, wenn möglich zu zweit hingehen

    [sind nicht die troestungen des heiligen geistes (-: folgende: „Freude , Freundschaft , Tränen , Schlaf , Bad , Gebet , Wahrheit“.? ]

  2. inge

    von meinem langjährigen lieblingsautor anton chechov gibt es zu diesem thema folgenden spruch:
    „ein krise kann jeder idiot haben, was uns zu schaffen macht ist der alltag“ ((-:

  3. Christin(a)

    …stammt nicht auch von Meister Eckhart sinngemäß der Ausspruch „GOTT ist immer da – nur WIR sind so oft weg…“ ???
    Nur Mut zur Leere!
    (… das Füllen übernimmt ER dann schon!)
    Gute Gedanken an Dich

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