wir verdienen gutes

„Statt zu klagen, dass wir nicht alles haben, was wir wollen, sollten wir dankbar sein, dass wir nicht alles bekommen, was wir verdienen.“

Öhm, nö. Was soll das denn wieder heissen? Soll uns das etwa Angst machen? Es impliziert ja, dass wir nur Schlimmes verdienen? (Oder ist es jetzt entlarvend, dass ich es so gelesen habe?) Egal. Ich wollte nur mal sagen, dass wir Gutes verdienen. Das ist jetzt nicht gerade Ausgangspunkt reformatorischer Theologie, aber ich bin ja auch kein Theologe.

Hat denn kein Gott Erbarmen mit uns Menschen, die wir so gut wir können, versuchen zu leben? Hat denn kein Reinkarnations-Konzept Mitleid mit uns – in irrigen Vorstellungen gefangen und die Bürde des Karma tragend? Wir atmen, wir arbeiten, wir gehen schlafen und stehen morgens wieder auf. Manchmal nehmen wir das Schweigen des Sinns (Gott?) hin und suchen ihn trotzdem. Ist das nicht genug? Doch doch, wir sollten Gutes erfahren dürfen.

11 Kommentare

  1. kulturblogger

    Ja, wir sollten auch Gutes erfahren dürfen. Aber deine Lesart ist auch ein bisschen entlarvend, ja. Schließlich ist das Zitat nur eine Aufforderung zu positivem Denken. Es stammt übrigens von Dieter Hildebrandt.

  2. inge

    das scheint mir eine erstrebenswerte haltung: „wir verdienen gutes“. in einem hauskreis meinte jemand mal, dass gottes gnaden in unermesslichem ueberfluss ueber uns ausgeschuettet wuerden, und es kaeme auf uns an fingerhut oder badewanne zu sein. lasst uns also badewannen sein, auf dass man in der gnade baden kann! [jetzt habe ich geschickt und elegant die verknuepfung zu saunieren und ein bad nehmen hergestellt!?]

  3. wessnet

    Ich überlege gerade, ob deine entlarvende Interpretation nicht die eigentlich richtigere ist: Eigentlich nichts verdienen, aber doch das Wichtige bekommen – das ist doch Gnade…

  4. beisasse

    gibt es irgendwas, was uncatholisch ist, inge? – und thorsten: ja genau. dieter hildebrandts spruch ist eingetaucht in die pessimistisch-reformatorische sicht vom menschen. wir verdienen nichts gutes verdienen wir nicht.

  5. beisasse

    sorry (das wort des tages, 15ter sept 08), ich mein natürlich: „paulinisch-pessimistische sicht vom menschen“. keine ahnung ob die falsch ist. aber deprimierend. vermurksend.

  6. wessnet

    Sorry, das ist vielleicht oberflächlich, aber es gibt ja auch den Prediger, Sprüche, Genesis usw. Der Paulus (ich weiss nicht, mit wem Altbundeskanzler Schnidt, den ich sehr schätze, den vergleichen würde) ist halt ein alter Rhetoriker, aber bringt nur auf den Punkt, was auch andere Bibelautoren geschrieben haben.

    Und TROTZDEM erfahren wir doch häufig Gutes, oder? Was die Inge gesagt hat, gefällt mir: Ich will auch eine Badewanne Gnade. Nur kann man die sich nicht selbst einlassen…

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