auf dem weg zum neuen das alte verlernen

Schlagen wir ein neues Kapitel auf. Vielleicht wäre es auch einmal nett, das neue kellion zu einem neuen Loft auszubauen – aber das werden wir sehen. Auf alle Fälle, ist es Zeit, nach neuen, anderen Formen der Heiligkeit zu suchen und zu forschen. Lange genug waren wollten wir vom Meister der Benediktsregel lernen, übten das Stundengebet und die Lectio, liebten die Liturgie und den Gesang. Nachdem wir Schiffbruch erlitten haben, Veleumdung und Feindschaft, Feigheit und Enge durch Mönche des Klosters N., ist deutlich genug: Dieser Ort muss gemieden werden – wenigstens für eine längere Zeit. Vor allem innerlich muss dieser Ort gemieden werden. Durch die räumliche Nähe und den kirchlichen und beruflichen Zusammenhang, in dem ich stehe, wird es nicht zu vermeiden sein, das Gelände zu betreten.

Wir müssen jetzt ganz engagiert danach fragen, was eine Spiritualität von Laien sein könnte. Es ist eigentlich vor allem die Neugier – und nicht die Verbitterung, die mich lockt, nach neuen Geschichten und Begriffen zu suchen. Und gleichzeitig befürchte ich, dass ich gänzlich unbegabt bin für die Art von Heiligkeit, die hier gefragt wäre. Ich denke da an Dorothy Day, der „katholischen Anarchistin“, oder an Madeleine Delbrêl, mit ihrem konkreten sozialen Einsatz. Aber irgendwie ahne ich: Etwas nicht zu können ist auf dem Weg der Heiligkeit der beste Ausgangspunkt.

Auf dem Weg dorthin, werde ich vielleicht auch einfach erst einmal damit beschäftigt sein, das Alte zu verlernen.

Nachtrag: Das Projekt, die Wolke des Nichtwissens erneut zu lesen, ist nicht aufgegeben. Der letzte Eintrag passt ganz gut zum Stichwort „verlernen“: vergessen und nicht-wissen

Nachtrag 2: Ich habe auch irgendwie gerade das Bedürfnis nach selbstverordnetem Autismus, deshalb ist die Blogroll entfernt worden.

Nachtrag 3: In den Kommentaren zu diesem Eintrag wird der Fokus revidiert: Das Verlernen steht im Vordergrund – das Neue wird von alleine erscheinen oder auch nicht. Danke, Markus, für die Kurskorrektur.

8 Kommentare

  1. Markus

    Ich verstehe immer den Sinn deiner Suche nicht. Wieso eine Spiritualtität der Laien, wieso neue Formen der Heiligkeit? Hältst du dich für einen Laien? Es gibt keine Laien, Kleriker auch nicht, das ist ein Sprachspiel, Wittgenstein lässt grüßen, es gibt auch keine Unheiligkeit. Was du suchst, ist weder innen noch außen in der Religion zu finden, weder in Meditation noch in Worten. Lass alle Hoffnung fahren, lass die Suche verdunsten. Et voilà le Maintenant.

  2. beisasse

    ja, ich verstehe. der grund für diese „bewegung“ ist wahrscheinlich, dass ich – wie der alte thomas mann – im grunde nach einer stinknormalen bürgerlichen existenz verlange, nach irgendeiner form, die (gesellschaftlich, in einer kirchlichen öffentlichkeit etc.) akzeptabel aussieht, wenn denn eine stinknormale existenz nicht möglich ist.

    danke für deinen einwand. im vordergrund steht weniger die suche nach neuem, sondern das verlernen des alten, das durchaus so weit getrieben werden kann, dass man mit leeren händen dasteht um zuletzt die auskunft zu geben: offene weite – nichts von heilig.

    und das neue – das wird sich von alleine zeigen oder auch nicht.

    dass es sich um ein (sprach-) spiel handelt bedeutet übrigens nicht, dass es nicht spass macht oder einen beschäftigt. man hat ja sonst nichts anderes zu tun in diesem leben.

  3. Markus

    Ja, so sehe ich das auch. Das Neue zeigt sich von alleine, wenn der Geist leer ist. Im Geist des Anfängers gibt es alle Möglichkeiten, im Geist des Experten nur wenige, sagt Shunryu Suzuki.

  4. Mailin

    Vielleicht geht es auch darum, das Alte wieder zu lernen? Wenn es verschwunden ist, wieder genau das Gleiche zu machen?
    Ich glaube, ich habe mich in den letzten Tagen zu viel mit Kunst beschäftigt, da kehrt ja irgendwann alles wieder, in neuer Blüte aus dem einen Samen…

  5. Andrea

    Was will ich sagen zu Eurem Reden? Die Hoffnung nicht fahren lassen! Oder doch?: Die gescheiterte Hoffnung einer neuen Hoffnung hoffnungslos überantworten?! Ja, so vielleicht, das gefällt mir.
    Vergessen lohnt nicht um der Leere willen, die daraus wächst. Wir sind keine wahrhaften Schüler des Zen. Leere ist nur die Basis, der Grund der Sehnsucht und der Bedürfigkeit. Das lohnt und darin der Aufschrei nach der Fülle Gottes, die nur er schenken kann. Die nur uns zugehört. Die uns ganz macht. Ihm zur Ehre.
    Du zweifelst, Beisasse, ob es da ein etwas oder einen jemand gibt, der etwas will – für uns. ?!? – Und doch, Bruder! Es steht in der Schrift, Evangelium vom vorletzten Sonntag: „Ich will es! Werde rein.“ Vielleicht ist es nur an uns, zu glauben, dass er es wollen kann, um es geschehen zu machen!

    Vielleicht dazu nochmal Madeleine – dann doch im Sinne einer „neuen“ Heiligkeit:
    „Wir andern, wir Leute von der Strasse, glauben aus aller Kraft, das diese Strasse, diese Welt, für uns der Ort unserer Heiligung ist. Wir glauben, dass uns hier nichts Nötiges fehlt. Denn wenn das Nötige fehlte, hätte Gott es uns schon gegeben.“

    Nichts Nötiges! Kein Kleid, kein Gürtel, kein Schuh, kein Oratorium, keine Mönchsgemeinschaft, kein Psalmengesang, nichts – sonst hätte Gott es uns schon gegeben!“

    Darum, hab Mut, Bruder, zum „Wenn Du es willst“ der Aussätzigen und: Lass dich überraschen!

  6. Markus

    @ Andrea

    Der Einzige, der hier irgendetwas zu wollen scheint, bin ich. Gott WILL nicht, er IST Wille. Gott will mich nicht heilen – wieso auch: Ich bin heil. Warum? Weil ich Gott bin. Das ist so einfach wie erschreckend, nicht wahr.

    Es bedarf nicht eines einzigen Schrittes auf IHN zu. Jeden Schritt, den du machst, machst du bereits in SEINEM Inneren. Es bedarf nicht eines einzigen „wenn du es willst, werde ich heil.“ Denn ER SELBST ist mein Heil- oder Unheilsein.

    Ehre, was soll das sein? Ist das dieser Gegenstand, um dessentwillen Soldaten sich die Birne wegschießen lassen? Redet mir nicht von Ehre. ER braucht mit vollkommen unumstößlicher Sicherheit keine Ehre. Und du – glaubst du, SEINE Ehre zu mehren? Nein, Ehre ist Sucht. Der Glaube, IHN ehre irgendetwas, ist die reine Verblendung. Wir wahren Schüler des Zen.

  7. beisasse

    das alte, das man verlernt und dann wieder macht ist aber ein wenig anders als das alte alte. denn es ist durch die zerstörung gegangen, mailin.

    „wir glauben, dass uns hier nichts nötiges fehlt.“ – dieser satz von madeleine scheint mir eine schnittmenge zu sein zwischen dem, was andrea und markus sagen.

    aber andrea hat es auf den punkt gebracht: ich zweifle daran, dass es einen planenden willen ausser mir gibt, der etwas für mich will. die bedürftigkeit wird nicht gestillt – nicht von aussen jedenfalls. sich „ihm“ hingeben scheint zeitverschwendung zu sein. überhaupt: überlegt mal, wieviel zeit ihr „gott“ schon gewidmet habt. also, langsam muss es doch mal reichen, oder? was ist denn das für ein gott, der wie ein sektenguru totale unterwerfung einfordert?

    ich bitte stellvertretend für andrea um nachsicht im gebrauch des wortes „ehre“. das kommt davon, wenn man mit jesuiten unter einem dach wohnt: man fängt an zu reden wie sie.

  8. Pingback: tanzender shiva « ein neues kellion

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