„letzte weihe“ und „am ende“

[Notiz 1]

„Wie heißt das noch mal, wenn das Noviziat vorbei ist und man, äh, weiterkommt?“

„Triennalprofess.“

„Und danach?“

„Ewige Profess.“

„Und dann?“

„Ähm, … der Tod? Aber das kriegen wir alle anderen auch.“

Ja, der Tod ist unsere letzte Weihe. Im Grunde genommen sind wir schon seit unserem ersten Atemzug zu dieser letzten Weihe berufen. Die Klarheit dieser Berufung ist unübertrefflich.

Markus fragt übrigens: Wohin geht die Flamme, wenn sie verlischt?


[Notiz 2]

Manchmal ist es so, als hätten Gottes Füße den Staub dieser Erde nie berührt. Denn würde er das alles hier kenne, müsste er das Projekt „Leben“ widerrufen. Stattdessen hält er an der Idee „Erde“ fest, als hätte er nie Gewalt und Folter und Tod erlitten. Nein, er wird gekreuzigt und behauptet steif und fest: Am Ende wird alles gut. Klar, dass am Ende alles gut wird, denn nach dem Ende kommt ja nichts mehr. Und dann – wenn dann nichts mehr ist – mag auch alles gut werden. Aber dann wäre es ja sowieso egal. Eigentlich möchten wir doch, dass es  j e t z t  gut ist.

7 Kommentare

  1. Mailin

    Ich glaube, dass nach dem Ende schon noch was kommt, oder besser: Es gibt gar kein Ende. Alles ist Verwandlung, die nicht aufhört. Glaube ich, weiß selbst nicht so genau, warum. Ehrlich gesagt glaube ich an gar kein Ende. Aber nachher wird es wie vorher sein, nur andersartig. Nicht besser, nicht schlechter, weil es das in der Ewigkeit nicht gibt. Da gibt es nur Sein. Oder so.

  2. Noah

    Im Hinblick auf den Tod kann ich mit den Begriffen der Weihe und Berufung wenig anfangen. „Jeder ist berufen“ ist da genauso sinnlos wie „Niemand ist berufen“ (aber jeden erwartet „er“ nunmal). Wem nicht ein Glaube hilft, für den ist der Tod wohl ein leidiger Mist. Jedenfalls solange er ein „Ich“ und ggf. darüber hinaus ein „Selbst“ wahrnimmt. Bezogen auf das Grundthema dieses Blogs (?) würde ich sagen, dass der Tod sich erst im Bewusstsein des „Nichts“ auflöst. Als Phänomen des unbewertenden Es-ist-nunmal-so („Alles an seinem Platz“) erscheint dies jedoch erst wieder nach dem Verlassen dieses „Zustandes“ (auch kurzfristig innerhalb einer Meditation), denn diese Wahrnehmung ist bereits wieder mehr als „Nichts“, ein Gedachtes. Das stellt m.E. die große Gefahr für Meditierer/Kontemplative dar: Das (oft unbemerkte) Herunterbrechen auf „Denkebenen“, „Sehebenen“ und „Kognitionsebenen“. Gleichzeitig bedeutet es aber auch eine Chance, denn das so Gedachte ist ein Glaube.
    (Ja, auch das „Wissen“ des Kontemplativen ist ein Glaube. Wer jetzt sagt „Siehste!“, der weiß wohl wenig über Wissen.).

    Ja, j e t z t soll es gut sein. Und darum ist der Tod in der Welt auch nicht wurscht.

    Mir scheint, ich äußere mich hier stets kritisch. Es sei angemerkt, dass ich diesen Blog s e h r g u t finde.

  3. beisasse

    mailin, ich fände das wirklich interessant zu wissen, warum man etwas glaubt oder nicht. vielleicht glaubst du an „kein ende“, weil (das ist jedenfalls dein letztes stichwort), es kein vorher und nachher gibt, sondern „nur sein“?

    noah, warum beurteit man gemeinhin den tod als leidigen mist? ich kann mir nicht vorstellen, dass der prozess des sterbens in meditationszeiten oder -zuständen „weg-geglaubt“ oder in ein nichts überführt wird. sterben gibt es wirklich. – was das für ein echo während der meditation auslöst, ist quasi „gegenstand“ und material des „dabei bleibens“. (ich hoffe ich habe dich ansatzweise verstanden.)

  4. Mailin

    Ja, ich fände es auch wirklich interessant, warum man etwas glaubt oder nicht, ich weiß es nur leider nicht. Ich denke, wir werden immer und immer wieder beeinflusst von irgendwelchen äußeren Einflüssen, Erfahrungen, die wir bewusst oft nicht mal wahrnehmen. Ich habe mir darüber oft den Kopf zerbrochen, weil man ja schon irgendwie objektiv sein will, aber was ist objektiv in diesen Dingen? Ich glaube, ich habe mir zu sehr den Kopf zerbrochen.

  5. beisasse

    mailin, wir werden beeinflusst, stimmt. aber wir selbst prägen sicherlich auch andere menschen. auch das fände ich spannend: was für dinge setze ich wohl anderen in den kopf? was vermittle ich anderen davon, was ich für das leben halte und was zählt?

    thorsten: ich hätte schon gerne ein ende. vielleicht ist das nur wunschdenken. alt werden und zufrieden sterben. was will man denn noch mehr?

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