konfessionsrassismus

unausweislich werden in münchen alte festschreibungen zementiert werden: was evangelisch sei und was katholisch, „was uns eint, was uns trennt“. dabei sind wir – auch in anderen hinsichten, nicht nur konfessionell – durchaus viel flexibler geworden.

ist man vorsichtig, wenn es um vermeintliche nationalgebundene mentalitäten („das ist so typisch deutsch/…/etc.!“) geht, wie kommt man dann dazu, einem konfessionsrassismus das wort zu reden, indem man katholiken nur zugesteht, nur-kultgebunden zu sein, und protestanten nur-verkopft. es ist diese festlegung von „nur“, die problematisch ist. es kann ja sein, dass es so etwas gibt wie „das protestantische prinzip“ oder einen kern katholischer identität. jedoch eine lebensgeschichte, eine biographie kann so vieles miteinander vereinen, was abstrakt voneinander unterschieden ist. und erlebt man in der entwicklung einer lebensgeschichte nicht auch, dass bestimmte festschreibungen sich auch auflösen können oder dass sich ein bestimmtes verständnis von der eigenen identität verändert? warum kann was heute „evangelisch“ genannt wird, nicht morgen schon ganz anders verstanden werden?

wer bestimmt, was deutsch ist? alle, die einen deutschen pass haben? wer bestimmt, was evangelisch ist? die weimarer ausgabe? wer bestimmt, was katholisch ist? der bischof von rom?

5 Kommentare

  1. giannina

    Ich glaube ich verstehe Deine Not damit und ich sehe auch wie man an diesem Problem geradezu verzagen kann. Andererseits hat mich früher, als die katholische Identität für mich eben wichtig war ebenfalls gestört wenn diese auf fragwürdige Weise der Ökumene wegen aufgelöst werden sollte. Dass Protestanten verkopft seien und Katholiken liturgieverliebte Romantiker, das hat mich als Vorurteil nie gestört – gestört hat mich aber wohl dass ich mich in der evangelischen Liturgie heimatlos fühlte, und das nicht weil ich ungern meinen Kopf benutzte. Letztendlich kreiste für mich das Konfessionsproblem immer um die Eucharistie. Ob ein Protestant sich ungern hübsche Jesusbildchen an die Wand klebt, war für mich immer zweitrangig. Aber gefragt werden muss auch nach einer Spiritualität. Neulich erzählte mir ein Protestant, die evangelische Spiritualität sei eine ganz andere, eine vernunftorientierte – ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung ob das so ist, denn unter evangelischer Spiritualität kann ich mir bis heute nichts vorstellen. Mich hat die Liturgie und der eucharistische Kult immer am meisten interessiert, am meisten angerührt, und da fühlte ich mich wenn überhaupt den Orthodoxen verwandt – bei Protestanten in Gottesdiensten kam ich mir eher vor als teilten die nicht mal meine Religion. Es ist seltsam, aber mir ist überhaupt nicht klar, bis heute nicht, wie das konfessionelle Treiben beendet werden sollte. Was nicht bedeutet dass es das nicht müsste.

  2. beisasse

    es sei jedem zugestanden, sich in einem fremden land fremd zu fühlen.

    ich leugne nicht die unterschiede. ich leugne nur, dass man festgelegt ist auf nur eine sache. und ich leugne, dass die unterschiede fest sind.

    es gibt eben menschen, die sich in der schweiz so wie in indien zu hause fühlen können. es gibt menschen, die mehrere sprachen sprechen können. es gibt in unserem land menschen, die verschiedene kulturelle identitäten in sich vereinen. und wir sind eher davon gelangweilt, wenn stereotype festschreibungen immer und immer wieder vorgebracht werden.

  3. klanggebet

    ja natürlich sind sie nicht fest. und natürlich ist fremdheitsgefühl erlaubt wegen identitäten, die sind nun mal heimat und manch einer hat eine heimat die sehr überschaubar gross ist.

    aber wenn man schon einen so schweren vorwurf wie konfessionsrassismus erhebt, dann finde ich sollte man auch ansätze zeigen die diesen kriegsschauplatz befrieden können. und das fehlt mir hier ein wenig, bei allem verständnis für die empörung.

    für mich als privatperson ist die frage gar nicht relevant, denn ich habe längst meine schlüsse gezogen, aber man kann ja nicht den kirchen die millionen menschen auf irgendeine weise vertreten, einen s0lchen vorwurf machen ohne anzudeuten wie identität zu retten und gleichzeitig zu öffnen ist.

    der silberstreif am horizont sozusagen – wo ist der?

    herzlich grüsst
    g

  4. beisasse

    das festlegen wird es wahrscheinlich immer geben. aber die flexibilität der menschen ist gewachsen. diese sind unbeeindruckt von alten rollenbildern. die kirchenleitungen können da gar nichts machen. denn es sind nicht „die da oben“, die die alleinige definitionsmacht haben.

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