nicht fliehen

Ich bin ein Liebender,
und vor seiner Liebe
bin ich nicht geflohen.

Ich bin ein Krieger,
und auf dem Schlachtfeld
bin ich nicht geflohen.

Obgleich mein Ziel der höchste Himmel war:
vor den Fallstricken der Welt
bin ich nicht geflohen.

Mit ganzer Seele ehrt’ ich den Propheten,
doch vor schlechten Menschen
bin ich nicht geflohen.

Die Wunden der Schlacht sind zum Sieg geworden,
weil ich vor den Schmerzen
nicht geflohen bin.

Ich schwimme in einem Meer von Nektar und bin mit Wonne erfüllt,
weil ich vor des Lebens Widrigkeiten
nicht geflohen bin.

Rumi

Auf spirituellen Wegen kommt man mit ganz einfachen Merksätzen aus, die man immer und immer wieder sagt. Hier ist es: „nicht fliehen“. Es ist eine Variation von dem, was ich im vorletzten Eintrag notierte. Dort bewegte sich die Wortwahl eher im Passivischen: Schweres schwer sein lassen, Leichtes leicht sein lassen etc. Hier ist mit der Aufforderung „nicht fliehen!“ allerdings deutlich, dass man manchmal etwas tun muss, dass man eine Anstrengung braucht, eine feste Intention, um präsent zu sein für das, was ist. Man muss sich hinstellen trauen, um die Dinge, Gefühle, Gedanken anwesend sein zu lassen. (NB. Im vorletzten Vers steht jetzt „Wunden“ statt „Wunder“. Ich habe es mal irgendwo abgeschrieben und kann mir vorstellen, dass sich da ein Fehler eingeschlichen hat.)

Mehr von Rumi: http://twitter.com/RumiQuotes

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