wie wiele kalorien hat eine hostie?

Zu Besuch bei „Moot“, einer „new monastic community“ in London. Sonntagabend. (Meine Notizen zum Samstagnachmittag.) Wann sollte das noch einmal losgehen? 18.30? Wir sind sowieso zu früh und es gibt Kaffee und Tee und Kekse, und natürlich geht es auch um 18.30 nicht los. Macht nichts. Man sagt Leuten hallo, man fühlt sich ja schon fast zu Hause in diesem Kirchenraum, wenn man nur einmal einige Leute kennen gelernt hat. Die Freunde vertiefen sich in Gespräche. Da ich aber darauf gerade keine Lust habe, gehe ich schon mal in den hinteren Bereich beim Altar. Dort versucht vergeblich ein ehrwürdiges Chorgestühl Traditionalismus auszustrahlen ob der jungen Leute, die sich langsam dort einfinden. Hallo? In so ein Chorgestühl gehören ja sonst bitte schön Kleriker mit Liturgie-Klamotten oder Chorknaben in weissen Chorhemden mit Spitzen. (By the way, Ian: Do you really think white hoodies for the Moot-clergy look good? Why not dress in your everday clothes and then just put on the stole at the beginning of the eucharistic liturgy?) Stattdessen sitzen hier durch H&M bekleidete Menschen.

Und dann geht es doch irgendwann los: „We meet in the name of our Triune God – Creator, Redeemer, Sustainer.“ Es ist trotz frischer Sprache erkennbar eine Liturgie des westlichen Messtypus. Singen tun wir nur mit einer Handtrommel begleitet, was gut klappt und ein tolles Erlebnis ist, weil begabte Menschen dabei sind, die weitere Stimmen dazu erfinden. Unausweichlich dann eine Predigt – leider auch in einer catholischen Liturgie (Moot ist eine der wenigen Projekte, die aus dem anglo-catholischen Zweig der englischen Kirche erwachsen sind). Doch ich verstehe sprachlich den Mittzwanziger leider nicht, u.a. weil er nuschelt. Das Genre „Predigt“ ist sowieso nicht meins. Ich höre also nicht wirklich zu.

Zur Eucharistie stehen wir im Kreis eng um den Altar. Ian entschuldigt sich, dass statt Hostien (sie hatten keine mehr) auf der Patene kleine Pfannkuchen liegen, die noch vom Treffen vom Vortag übrig waren. Oh-oh, Kohlenhydrate und Kalorien! Ich vertraue darauf, dass das wirklich eine Ausnahme ist und nicht nur ein Trick, um lustig und frech rüber zu kommen. (Nein, ich glaube nicht wirklich, dass das Absicht war.) Wir singen das Sursum corda auf einem Ton und Ian improvisiert über unserem Halteton die Präfation. Die gesungenen Teile der Liturgie, Sanctus, Gloria (ja, es ist an diese Stelle gerutscht) und Agnus Dei funktionieren wieder mit der Trommel begleitet und einer einfachen Vor- und Nachsingen-Struktur. Das ist einfach, angemessen und schön. Wir empfangen das Sakrament, und die Liturgie findet ihren Schluss mit liturgischen Formeln, die man sonst auch kennt: „So let us go into the world loving all those we meet and seeking to discern God whereever we are led. – In the name of Christ. Amen.“

Immer noch um den Altar stehend einige Ansagen, bei denen man merkt, wie familiär es hier zugeht. Danach ist immer noch viel Zeit zum Klönen bevor es dann in den Pub gehen soll. Da wir allerdings zu Mittag woanders schon ein wortreiches Mahl hatten mit vielen neuen und fremden Leuten, verzichten wir für den Abend darauf, noch mehr neue Leute kennen zu lernen. Wir verabreden mit Ian aber in Kontakt zu bleiben und so.

Nun: Was ist anders, was ist besonders? Wenn man nicht nur sagen wollte: nichts, würde ich das so beschreiben: Leute unter 40 feiern gemeinsam Eucharistie und sie wollen was. Sie haben eine Richtung eingeschlagen. Eigentlich frage ich mich, warum es nicht noch mehr solcher Menschen gibt. Was ist das Problem?

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