return of the original urheber

Da sind so welche, die sagen, dass sie „die Urheber“ sind. Mit meinem beschränkten ideengeschichtlichen Wissen denke ich an einige Komponisten des 20. Jahrhunderts, die gerade versucht haben, als Autoren zu verschwinden.

So ist der mathematische Regelgehorsam des Serialismus eine Kritik am Bild des Künstlers, der seine subjektiven Regungen zum Ausdruck bringt. Und John Cage gibt seine Verantwortung als Kompositions-Urheber ab, wenn er Zufallselemente wie Würfel oder I-Ging mit einbringt. Arvo Pärts Stücke folgen auch einfachen Regeln, die im Vorhinein gefasst werden. Pärts Schreibprozess ähnelt somit eher dem eines Mönchs, der im Skriptorium sitzt und eine Vorlage abmalt oder einen alten Text kopiert. Es ist „Fleißarbeit“, aber kein „Schaffen“ aus den eruptiven Untiefen einer gequälten Künstlerseele. Wie kommentieren die Neo-Urheber die Krise einfacher Identitätskonstruktionen? Und wie kommentieren diese Neo-Genies die Postmoderne als Epoche des Zitats?

Ich weiß nicht, wo wir uns jetzt befinden. Ich nehme an, die Sehnsucht nach „Authentizität“ ist so groß, dass man Photos mit Instagram macht, wo die Illusion des anfassbaren Papierphotos erzeugt wird. In Indie-Musik tauchen Instrumente wieder auf, die ohne Strom funktionieren: akustische Gitarre, Banjo, Glockenspiel, Cello, Trompete, Akkordeon etc. Okay, und diese  Tumblr-Blogs mit der „artsy“ Bebilderung „echter“ Gefühle (meist „miserable“ und bedeutsam), durch die sich der Hipster durchblättert. Okay, okay, okay. Vielleicht ist es nun also aus mit der Anything-Goes-Postmoderne. Aber die Herrschaft der verwalteten Welt scheint ungebrochen. Auf diesem Level nehme ich das Manifestchen „der“ Urheber wahr. Onkel Theodor wäre sehr enttäuscht!

3 Kommentare

  1. Pingback: kulturblog.net – Urheberrecht – Die neue Aufreger-Debatte
  2. kulturblogger

    Andererseits: so verwaltet konnte die Welt gar nicht sein, dass Onkel Theodor nicht gerne eine Professur bekleidet hätte. Und die Vorstellung des genialen Künstlers propagierte, der aus seine Werke aus der ästhetischen Wahrheit urhebt. Auch die Fleißarbeiter haben doch ganz gerne an dem verdient, was am Ende ihres Fleißes stand.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s