nine lessons and carols – deutsch

Immer häufiger sieht man in Deutschland Kirchen oder Chöre, die in der Advents- und Weihnachtszeit zu „Nine Lessons and Carols“ einladen. So what? Eigentlich geht’s doch darum: Man trifft sich, hört Geschichten aus der Bibel und singt Lieder. Oder noch archaischer: Um’s Feuer sitzen, Geschichten hören und über das Singen sich in die Geschichten selbst hinein zu erzählen.

Macht doch mal so ein Hipster-Nine-Lessons-and-Carols im Wohnzimmer: Lest die neun Lesungen, die traditionell beim Carol Service am King’s College zu hören sind, und singt dazwischen ein paar Advents- und Weihnachtslieder. Und seid doch mal dabei ganz verrückt und singt alle Strophen von Paul Gerhardts „Wie soll ich dich empfangen“.

Hier die Reihenfolge der Lesungen:

  • Erste Lesung: Gott verkündet dem sündigen Adam, dass er das Leben des Paradieses verloren hat, und dass sein Same das Haupt der Schlange zertreten wird. Genesis 3,8-15.17-19
  • Zweite Lesung: Gott verheißt dem treuen Abraham, dass durch seine Nachkommenschaft alle Völker der Erde gesegnet sein sollen. Genesis22,15-18
  • Dritte Lesung: Der Prophet sagt das Kommen des Retters voraus. Jesaja 9,2.6-7
  • Vierte Lesung: Der Friede, den Christus bringen wird, wird vorausgesehen. Jesaja 11,1-4 (bis “Demütige der Erde”).6-9
  • Fünte Lesung: Der Engel Gabriel grüßt die Jungfrau Maria. Lukas 1,26-35.38
  • Sechste Lesung: Der Evangelist Lukas berichtet von der Geburt Jesu. Lukas 2,1.3-7
  • Siebte Lesung: Die Hirten gehen zur Krippe. Lukas 2,8-16
  • Achte Lesung: Die Weisen werden durch einen Stern zu Jesus geführt. Matthäus 2,1-11
  • Neunte Lesung: Der Evangelist Johannes legt das Geheimnis der Menschwerdung dar. Johannes 1,1-14

Näheres und weitere Entwürfe, die etwas mehr churchy klingen, dann hier in diesem PDF: Nine Lessons and Carols – Entwürfe Deutsch – Workshop

Liturgie-Nebenbemerkung: Im Wikipedia-Artikel zu den Nine and Carols hört es sich so an, als sei diese Form 1880 vom Bischof von Truro erfunden und 1918 am King’s College in seine heutige Fassung gebracht worden. Aber leicht kann man eine Verwandtschaft zur Osternachtfeier, zur sogenannten „Großen Vigil der Osternacht“ erkennen: Dort werden in einer Folge von neun Lesungen, angefangen von der Schöpfungsgeschichte bis zur Lesung des Auferstehungsevangeliums die Heilsgeschichte entfaltet, dazwischen sind Psalmgesänge vorgesehen. Hier, bei den Nine Lessons, beginnt es ebenso mit der Lesung aus der Genesis, über Abraham und die Propheten bis zu den Geburtsgeschichten aus Lukas und Matthäus. Kann also eigentlich nicht so schwer sein, an diese Tradition anzuknüpfen, die so gesehen nicht spezifisch anglikanisch ist, bzw. eben noch älter ist.

Ein Kommentar

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