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wie schreibt man einen un-evangelikalen inklusiven worship-song-hit?

Und dann habe ich nach 20 Jahren Abstinenz doch mal wieder Lieder aus dem Worship Genre singen lassen. Man kann da sofort mitmachen (selbst mit meinem peinlichen Gitarrenstil). Ist halt catchy und cool. Was wir da inhaltlich singen, ist denen ja ziemlich egal. Für mich gab es allerdings sprachliche Fremdheitserfahrungen, und ich hab hier und da mal ein Wort verändert.

Die Tage drauf dann Fragen in meinem Kopf gehabt. Die ganze Zeit so: Was ist das, was diese Lieder so catchy sein lässt? Würde das mit anderer Sprache funktionieren? Wie würde man einen un-evangelikalen queer-welcoming Worship-Song-Hit schreiben?

Entdeckte heute Anfragen dann auch hier: Link bzw. Link (Merci, Daniel!) Aber fragte mich am Schluss wieder: Wie hört sich denn dann ein ehrliches Lied an, das unperfekt ist?

Bei Facebook unter dem Post dann einen Link zu Nathan Grieser gefunden (Merci, Benjamin!). Gleich beim ersten Track, den ich hörte („Together„), hatte ich einen ersten Anhaltspunkt gefunden:

Wie es verschiedene Gruppen (brother, sister, rival) aufruft, mit zu singen, durchbricht es das typische intime Zweiersetting (überirdischer Jesus-Boyfriend und lyrisches Popballaden-Ich). Bäm! Aha, ja – fühlt sich schon ganz anders an. Und dann diese grandiose Zeile: „Difference is the place where God is found.“

Werde diesen Song (und ich sehe ihn keineswegs als Worship-Song) jetzt mal überall ausprobieren, wo ich Musik mache. Dann sehen wir weiter.

nine lessons and carols – deutsch

Immer häufiger sieht man in Deutschland Kirchen oder Chöre, die in der Advents- und Weihnachtszeit zu „Nine Lessons and Carols“ einladen. So what? Eigentlich geht’s doch darum: Man trifft sich, hört Geschichten aus der Bibel und singt Lieder. Oder noch archaischer: Um’s Feuer sitzen, Geschichten hören und über das Singen sich in die Geschichten selbst hinein zu erzählen.

Macht doch mal so ein Hipster-Nine-Lessons-and-Carols im Wohnzimmer: Lest die neun Lesungen, die traditionell beim Carol Service am King’s College zu hören sind, und singt dazwischen ein paar Advents- und Weihnachtslieder. Und seid doch mal dabei ganz verrückt und singt alle Strophen von Paul Gerhardts „Wie soll ich dich empfangen“.

Hier die Reihenfolge der Lesungen:

  • Erste Lesung: Gott verkündet dem sündigen Adam, dass er das Leben des Paradieses verloren hat, und dass sein Same das Haupt der Schlange zertreten wird. Genesis 3,8-15.17-19
  • Zweite Lesung: Gott verheißt dem treuen Abraham, dass durch seine Nachkommenschaft alle Völker der Erde gesegnet sein sollen. Genesis22,15-18
  • Dritte Lesung: Der Prophet sagt das Kommen des Retters voraus. Jesaja 9,2.6-7
  • Vierte Lesung: Der Friede, den Christus bringen wird, wird vorausgesehen. Jesaja 11,1-4 (bis “Demütige der Erde”).6-9
  • Fünte Lesung: Der Engel Gabriel grüßt die Jungfrau Maria. Lukas 1,26-35.38
  • Sechste Lesung: Der Evangelist Lukas berichtet von der Geburt Jesu. Lukas 2,1.3-7
  • Siebte Lesung: Die Hirten gehen zur Krippe. Lukas 2,8-16
  • Achte Lesung: Die Weisen werden durch einen Stern zu Jesus geführt. Matthäus 2,1-11
  • Neunte Lesung: Der Evangelist Johannes legt das Geheimnis der Menschwerdung dar. Johannes 1,1-14

Näheres und weitere Entwürfe, die etwas mehr churchy klingen, dann hier in diesem PDF: Nine Lessons and Carols – Entwürfe Deutsch – Workshop

Liturgie-Nebenbemerkung: Im Wikipedia-Artikel zu den Nine and Carols hört es sich so an, als sei diese Form 1880 vom Bischof von Truro erfunden und 1918 am King’s College in seine heutige Fassung gebracht worden. Aber leicht kann man eine Verwandtschaft zur Osternachtfeier, zur sogenannten „Großen Vigil der Osternacht“ erkennen: Dort werden in einer Folge von neun Lesungen, angefangen von der Schöpfungsgeschichte bis zur Lesung des Auferstehungsevangeliums die Heilsgeschichte entfaltet, dazwischen sind Psalmgesänge vorgesehen. Hier, bei den Nine Lessons, beginnt es ebenso mit der Lesung aus der Genesis, über Abraham und die Propheten bis zu den Geburtsgeschichten aus Lukas und Matthäus. Kann also eigentlich nicht so schwer sein, an diese Tradition anzuknüpfen, die so gesehen nicht spezifisch anglikanisch ist, bzw. eben noch älter ist.

sacred harp – „musique concrète“

Vor einem Jahr passierte es: Ich traf bei einem All Day Singing in Delmenhorst (organisiert von Bremer Sängern) auf die Tradition der „Sacred Harp“. Ich sage nicht „die Musik der Sacred Harp“, weil es bei Sacred Harp nicht um Musik als einer Vorführ-Kunst geht, sondern um die Interaktion, die mit dem Gesangbuch „The Sacred Harp“ verknüpft ist. (Für den Feuilleton-Jargon meiner Studentenzeit, der hier jetzt folgt, entschuldige ich mich aufrichtig, aber ich kann nicht anders!)

Immer noch wird Musik, vielleicht wegen ihrer „luftigen“ Existenz, als etwas Unkonkretes, ja, als etwas Vor-Eschatologisches gesehen, was nur verweist auf ein Noch-Nicht. Ich denke an die Deutung der Musik Ernst Blochs als einen „Ruf ins Entbehrte“: Er nimmt den Mythos vom Gott Pan, der in Liebe entbrannt einer Nymphe nachstellt; sie wird dadurch gerettet, indem sie in ein Schilfgewächs verwandelt wird; er findet Trost als er aus einem Schilfrohr eine Flöte schnitzt. Musik wird hier erfunden als ein Sehnsuchtsruf. Oft beachtet man in dieser Deutung der Musik nicht, dass, auch wenn die Musik sich nach dem ausstreckt, was nicht verfügbar ist, sie selbst konkret da ist. Sie ist eben nicht weit weg, sondern ganz nah. Es mag sein, dass das Flötenspiel des Gottes die Angebetete vergegenwärtig. Würde er doch das Objekt der Begierde vergessen und der Musik selbst begegnen!

Der Zusatz „concrète“ erscheint redundant in dem Begriff „musique concrète“, wie Musikcollagen aus Tonbändern mit Geräuschen in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts genannt wurden. Musik ist immer nur konkret. Freilich, zu lange war sie bloß die zweite Wahl: Kriegste die Nymphe nicht, tröstet dich immerhin dein Flötenspiel. Wie viele Musik gibt es, die auf das Utopische bloß verweisen! Dankbar setzen Religionen und Diktaturen Verweis-Musik ein. Die Musik suggeriert das Paradies und soll es vorwegnehmen.

Nimmt man die vertonte fromme Lyrik in der Sacred Harp bewusster in den Mund, wird scheinbar daran angeknüpft: Wenn man micht gerade vom Sehnsuchtsland „Canaan’s Land“, das jenseits des Jordan liegt, singt, beschreibt man voller Zagen das Reich des Todes und der Hölle: „a land of deepest shade“. Trotzdem kann behauptet werden, Sacred Harp ist par excellence „musique concrète“. Sie ist präsent, sie wartet nicht auf etwas anderes, sie ist nie nur Dienstmagd einer Utopie, die verkündet werden muss. Warum und wie ist sie die konkrete, selbstgenügsame Erfahrung, der nichts fehlt?

Viel liegt an ihrer Körperlichkeit. Der Körper wird zum Beispiel durch das typische Taktschlagen involviert, manchmal erweitert sich das durch ein unwillkürliches Stampfen mit dem Fuß. Körperlichkeit ist auch durch die Lautstärke herausgefordert: Einerseits braucht es erheblichen körperlichen Einsatz um das kräftige Singen zu erzeugen, andererseits spürt man die durch die Schallwellen bewegte Luft ganz direkt auf der eigenen Haut. Auch das Setting spielt eine Rolle: Sacred Harp ist keine Aufführungsmusik, sondern eine Mitmachmusik. Es wird nicht an Phrasierung und Lautstärke geübt, nicht an Intonation gefeilt – das Mitmachen erfolgt immer sofort durch das Absingen der Shapes und den darauffolgenden Strophen. Dies geschieht im Rahmen z.B. eines All Day Singings oder einer Convention (zwei Tage) das nach geregeltem Protokoll abläuft. Auch dieses durchgehende Singen einen ganzen Tag lang fordert den Körper bis zu einem gewissen Grad der Erschöpfung heraus.

Der Körper ist das was er ist, er verweist nicht auf etwas anderes. In kaum einer anderen Musiktradition wird ihm Gelegenheit geboten, sich selbst als sich selbst zu erfahren.

Aber Sacred Harp ist eigentlich vor allem das Drumherum. Die kleine Hamburger Gruppe, die es seit letzten Sommer gibt, bekommt das jetzt freudig zu spüren, da jetzt Ende Mai die erste Sacred Harp Convention in Deutschland stattfinden soll. Es sind vor allem Sängerinnen und Sänger von der Bremer und Frankfurter Gruppe federführend beim Organisieren mit dabei. Und wir hier in Hamburg haben Unterkünfte gesucht und bitten um Mithilfe beim Mittagsbüffet, um unsere Gäste aus England, Irland, Polen, Schweden, Norwegen und den USA u.a. willkommen zu heißen!

Gesungen wird in der Kapelle des Ökumenischen Forums Hafencity/Hamburg. Kommt einfach vorbei! 31. Mai und 1. Juni 2014. Details gibt es hier.

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and am i born to die – ein würmermahl der leib

Ein Würmermahl der Leib,
geboren für die Gruft –
ist Tod denn alles, was mir bleibt?
Ich bebe, weil er ruft.

Nur taube Schemen wehn
im jenseits-dunklen Land,
wo Schatten hausen, ungesehn,
wo Namen unbekannt.

Was wird aus mir, wenn bald
mein Geist dem Leib entflieht?
Mein Los – ist’s strafende Gewalt,
ist’s Gnade, die mich sieht?

Und weckt Posaunenton
mich auf, vor ihm zu stehn,
dann seh ich vor dem Flammenthron
die Himmel untergehn.

Yotin Tiewtrakul 2013
nach Charles Wesley 1763

Was singt man da eigentlich die ganze Zeit bei Sacred Harp? Wichtige Textquellen sind offensichtlich die Gedichte von Isaac Watts und den Wesley-Brüdern, die in Deutschland niemand kennt (es sei denn, man gehört zu so einer Minderheiten-Kirche wie den Baptisten oder so). Oben ist eine Übersetzung, eher: eine Übertragung von den vier Strophen von „And Am I Born To Die“ von Charles Wesley, die z.B. bei dem Lied „Idumea“ (Seite 47 unten) abgedruckt sind. Die Worte werden aber auch für „World Unknown“ (Seite 428) verwendet, was darauf hindeutet, dass das ein beliebter Text gewesen sein muss.

Kein Mensch dichtet mehr solche Höllenangst-Kirchenlieder. Der Geschmack hat sich geändert. Ich glaube, heutige Kirchenlieder müssen den Blick noch mehr auf gegenwärtigen Aufgaben lenken, anstatt sich in Himmel- oder Höllenphantasien zu ergehen. Trotzdem ernst zu nehmen ist, dass viele Menschen Angst vor dem haben, was nach dem Tod sein soll. Der Tod ist nicht nur ein Symbol für das, was wir nicht kennen, er ist nicht nur eine Metapher für das absolut Unbekannte, sondern möglicherweise eine reale „Erfahrung“ von Nicht-Bewusstsein – und natürlich ist das erschreckend! Der Tod ist wirklich das Unvorstellbare. Durch Singen wird die Angst vor dem Unvorstellbaren aber gedämpft. Die Menschheit singt seit jeher gegen den Tod an. Ob das was hilft, ist eine andere Frage. Aber es ist auf jeden Fall ehrlicher als das Gesinge von schönen Paradies-Gärten oder Bei-Jesus-sein-Blabla.

  • Noch mehr Strophen von dem Wesley-Gedicht im Original bei hymnary.org.
  • Und ach, kommt doch zum Sacred Harp Workshop mit Michael Walker am Samstag, 28. September 2013, 10.00-16.30 Uhr in der Anglican Church of St Thomas Becket in Hamburg (Zeughausmarkt 22, 20459 Hamburg). Er kostet nichts! Flyer / Facebook-Event
  • Falls ihr an dem Tag nicht könnt. Die Hamburger Gruppe trifft sich jeden Dienstag am selben Ort zum Singen: sacredharphamburg.weebly.com
  • Offensichtlich macht der Bremer Gruppe die deutsche Version Spaß, hier ein Audio vom letzten Samstag während der Nacht der Kirchen in Hamburg. Danke, dass ihr gekommen seid, um was von der Sacred Harp zu zeigen und davon zu erzählen!

„sacred harp“ ist irgendwie vintage und deshalb cool

Ja, ich mach eigentlich tatsächlich nur coole Sachen: Evensong mit Musik aus der Tudor-Zeit, meditieren in Sankt Peter in Köln und Fliege tragen. Einer uncoolen Gewohnheit gehe ich nur noch selten nach: Bloggen ist inzwischen irgendwie gähn. Das macht doch auch echt keiner mehr.

Die Frage ist, wie alt Sachen erst werden müssen, um dann wieder cool zu sein. Bei Sacred Harp, dessen Anfänge vielleicht im Neuengland von vor 200 Jahren liegt, kann man sagen: Jou, kann man wieder machen.

Sacred Harp ist keine Musik zum Zuhören, sondern zum Selbermachen. Die vier Stimmgruppen (Treble, Alto, Tenor, Bass) sitzen einander im sogenannten „Square“ gegenüber. Es gibt keinen Chorleiter, abwechselnd treten Menschen in den Square, sagen eine Seite an, jemand bestimmt die Anfangstöne und dann geht es los: „sol, la, fa, sol, la, fa, la, sol, la, sol, fa …“ In der Liedersammlung mit dem Titel „Sacred Harp“ sind die Noten in verschiedenen Formen („Shapes“ genannt) gedruckt, die mit vier verschiedenen Tonsilben gesungen werden. Erst nach diesem Durchgang werden dann eine oder mehrere Strophen gesungen. Volksmelodien mischen da mit Kirchenmelodien, durchweg werden gestapelte Akkorde präferiert, so dass ein robuster, archaischer Sound bei rum kommt. Musiksatztechnisch ist da so gut wie alles falsch. Wahnsinnig viele Infos hat die Homepage der Bremer Sacred Harp Gruppe.

Ich freue mich, dass Fynn nach Hamburg kommt, um einen Workshop dazu zu machen. Jeder kann da einsteigen. Wenn die Harmonien schon alle falsch gesetzt sind, kann man auch nicht wirklich noch falscher singen. Würde mich freuen, viele dabei zu haben:

Samstag, 17. August 2013, 10-17 Uhr
Singing from the „Sacred Harp“
Workshop mit Fynn Titford-Mock (Norwich/UK)

Anglikanische Kirche St Thomas Becket
Zeughausmarkt 22
20459 Hamburg
(U-Bahn „St. Pauli“, U-/S-Bahn „Landungsbrücken“)

Und ey, ihr Hosenträger-Hipster mit euren Herschel Supply Rucksäcken: Sacred Harp ist eure Musik! Ihr kennt das ja aus dem Manufactum-Katalog: „Es gibt sie noch, die guten Dinge.“

gott erlauben, nicht da zu sein

Heute fragte mich jemand „Bist du Buddhist? Oder bist du Christ? Was für einen Glauben hast du?“ Und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich gesagt: Ich habe leider keinen Glauben.

Innerhalb zweier Wochen las ich mich einerseits durch Esther Maria Magnis‘ als „Religionskritik“ vermarktetes Buch „Gott braucht dich nicht“ als auch durch die Bücher von Peter Rollins „The Orthodox Heretic“, „The Idolatry of God“ und bin nun bei „Insurrection“. (Sorry, bin gerade abgelenkt von Käptn Peng – Der Anfang ist nah. Weiss jetzt gar nicht mehr was ich sagen wollte. Und dann tauchen im News-Stream auch diese ganzen Meldungen zum neuen Papst auf)

Rollins. Also so wie ich das verstanden habe, ist ein wesentlicher Punkt seiner „Pyrotheologie“, den letzten Schritt mitzugehen, d.h. auch Gott selbst dran zu geben, ihn zu verlieren, auf den Punkt zu kommen, wo die letzte Sicherheit wegbricht. Die Abwesenheit nicht bloß als Vorspiel zu sehen in einem Drama, wo der verloren geglaubte Held doch noch wiederkehrt. Die Abwesenheit als solche zu würdigen und ihr nichts wegnehmen, indem man schon von dem geglückten Happy End schwärmt. Warum ist das wichtig? Na ja, für mich ist das erst einmal erleichternd, dass ich mal sagen darf: Ich habe keine Erfahrung von Gott. Und: Ich habe eher die Erfahrung von Abwesenheit von Gott. – Und dann stelle ich mir halt vor, dass ich trotzdem irgendwie leben und arbeiten muss. Und dass durch diese Lücke vielleicht die Chance gegeben ist, dass der Andere wirklich auch der Andere sein darf, nicht so wie ich mir vorgestellt habe und nicht degradiert zu einem weiteren Deutungs-Ding, zu einer weiteren Sammelkarte zur Konstruktion einer erfolgreichen Identität.

Zu dem Stichwort „Pyrotheologie“ gibt es 300 Wörter von Tim.

warum dürfen wir gott nicht erlauben, nicht da zu sein? – kurze anmerkungen zu esther maria magnis‘ „gott braucht dich nicht“

Ich bin erst bei der Hälfte, und habe folgende Anmerkungen zu Esther Maria Magnis‘ „Gott braucht dich nicht“:

1. Warum macht sie sich lustig über die Menschen, die durch die Begegnung mit dem „Clown“, dem Schmerz, aufgehört haben, an eine „Geschäftsleitung“ zu glauben?

2. Warum ist sie so wahnsinnig unbarmherzig gegenüber den hilflosen Gedankenhülsen der Gott-Enttäuschten, anstatt ihre Wut konzentriert auf die Person zu richten, von der sie behauptet, dass sie unendliche Güte sei?

3. Der Titel scheint mir eine „Lösung“ anzukündigen, die an die Hiobserzählung anknüpft. Das ist Spekulation. Vorbeugend kann ich schon mal sagen, dass der Schluss des Hiobbuches eine Nullantwort ist.

4. Warum dürfen wir Gott nicht erlauben, nicht da zu sein?

bei der lektüre von „paradise lost“

bei der lektüre von „paradise lost“ (2013)

wir müssen ja nicht mal mehr rebellieren –
ganz von selbst hat er
den platz geräumt
ärgerlich nur, dass seine flaschenpost
immer noch an unsere strände spült,
als hätten wir da nicht schon genug dreck
40 watt lichtsignale eines längst erloschenen sterns

dies ist eine gedicht-antwort auf andreas knapp

der handfilter (zwei haikus)

der handfilter (haiku)

in der küche läuft der kaffee durch
zwischendurch schnell mal was andres machen
vergess ich ihn

der handfilter remixed (haiku mit bonus-zeile)

in der küche läuft der kaffee durch
zwischendurch schnell mal was andres machen
vergess ich ihn
wie ich dich vergesse weil du immer so lange brauchst

20. august 2012

music, a dreaming animal

Music is something you cannot write or speak about.

We have problems with this fact because music seems to be a foreign language for us. It tires us. Why should we sit in a concert hall and listen to sounds we do not understand?

But maybe the sounds do not want to have meanings, maybe they just want to be what they are: sounds. They do not force us to listen to them, they do not ask to be pressed on a compact disc and be sold, they know nothing from our world. In their naivety they do not even care if they are used for destructive aims or not. What is true about the indifferent sun and the indifferent (“For the Father makes his sun shine on bad and good people alike and gives rain to those who do right and those who do wrong.”) is also true about the sounds. Music is a dreaming animal, and it is an error when we think that we know anything about it.

Music just seems to be language (it is not), because people write music or perform music with instruments or voices. Of course the techniques of composition could be compared with constructing of syntactic sentences, but what about the meaning? The syntactic construction mostly is mistaken for the meaning, but the syntactic construction says nothing and means nothing. We expect performers to be good translators, but the sounds emerging from their mouths and hands and their whole bodies interacting with the environment – that becomes an autonomous living animal we call music. The meaning inherent in music proves to be untranslatable, the very matter of music is “untranslatableness”.

Sometimes we think that we have learned that secret and foreign language. We listen and are moved or shocked or soothed. Only it is not music which produces such effects. The meaning we understand is not the meaning inherent in music but a meaning which is an event happening in a moment between music and us. It is as if our attempt to understand anything creates the meaning which then covers the music and its no-meaning like a skin or a crust.

Individual’s minds touching and reading their skins or crusts like braille.
Reading aloud: but never the same words.
Very true: music, a dreaming animal, alone with itself.

Yotin Tiewtrakul, August 1995

Ich schrieb das vor siebzehn Jahren auf. Da war ich zwanzig. Weiss nicht mehr, warum das auf Englisch verfasst ist. Ich glaube, ich finde das immer noch so, was ich da gesagt habe.