Kategorie: fragen

can doubt be experienced collectively?

While certain faith communities are expected to believe on behalf of individuals („I don’t have to believe; my pastor does that for me“ as a chapter is called in Peter Rollins‘ „Insurrection“), Katharine makes a good point in saying that liberal church traditions (like Church of England or Lutheran churches in Germany) engage in intellectual or academic doubt but rarely know how to offer a space for individuals to enter into existential doubt.

I see this happening in both church communities where I work as a musician: We continue to use the language (meaning words, and symbols, and gestures etc.) and rhythm of our liturgy while we know that the „ordo“, the rhythm how our universe runs is much more complex. We say „Lighten our darkness, Lord, we beseech thee“ while our post-Auschwitz theology ponders about God’s absence. Yes, we know that our liturgy is just poetry, fairy-tale story telling where nothing bad can really happen.

Now, is it possible for communities to enter into „existential doubt“? Isn’t that something which rather happens to you, as an individual? Maybe you need the background of some belief system from which you can defect? Isn’t doubt always „somthing from which“? You wouldn’t „doubt into something else“, would you? Since doubt means opening to something else, to something which you didn’t know before, it’s clear why it is difficult for a collective to incorporate it somehow into their own belief system or liturgy or story telling. The only thing you could do probably is to kick them out of the nest. But which collective does that?

So … Walk. On your own. That’s okay.

gott erlauben, nicht da zu sein

Heute fragte mich jemand „Bist du Buddhist? Oder bist du Christ? Was für einen Glauben hast du?“ Und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich gesagt: Ich habe leider keinen Glauben.

Innerhalb zweier Wochen las ich mich einerseits durch Esther Maria Magnis‘ als „Religionskritik“ vermarktetes Buch „Gott braucht dich nicht“ als auch durch die Bücher von Peter Rollins „The Orthodox Heretic“, „The Idolatry of God“ und bin nun bei „Insurrection“. (Sorry, bin gerade abgelenkt von Käptn Peng – Der Anfang ist nah. Weiss jetzt gar nicht mehr was ich sagen wollte. Und dann tauchen im News-Stream auch diese ganzen Meldungen zum neuen Papst auf)

Rollins. Also so wie ich das verstanden habe, ist ein wesentlicher Punkt seiner „Pyrotheologie“, den letzten Schritt mitzugehen, d.h. auch Gott selbst dran zu geben, ihn zu verlieren, auf den Punkt zu kommen, wo die letzte Sicherheit wegbricht. Die Abwesenheit nicht bloß als Vorspiel zu sehen in einem Drama, wo der verloren geglaubte Held doch noch wiederkehrt. Die Abwesenheit als solche zu würdigen und ihr nichts wegnehmen, indem man schon von dem geglückten Happy End schwärmt. Warum ist das wichtig? Na ja, für mich ist das erst einmal erleichternd, dass ich mal sagen darf: Ich habe keine Erfahrung von Gott. Und: Ich habe eher die Erfahrung von Abwesenheit von Gott. – Und dann stelle ich mir halt vor, dass ich trotzdem irgendwie leben und arbeiten muss. Und dass durch diese Lücke vielleicht die Chance gegeben ist, dass der Andere wirklich auch der Andere sein darf, nicht so wie ich mir vorgestellt habe und nicht degradiert zu einem weiteren Deutungs-Ding, zu einer weiteren Sammelkarte zur Konstruktion einer erfolgreichen Identität.

Zu dem Stichwort „Pyrotheologie“ gibt es 300 Wörter von Tim.

warum dürfen wir gott nicht erlauben, nicht da zu sein? – kurze anmerkungen zu esther maria magnis‘ „gott braucht dich nicht“

Ich bin erst bei der Hälfte, und habe folgende Anmerkungen zu Esther Maria Magnis‘ „Gott braucht dich nicht“:

1. Warum macht sie sich lustig über die Menschen, die durch die Begegnung mit dem „Clown“, dem Schmerz, aufgehört haben, an eine „Geschäftsleitung“ zu glauben?

2. Warum ist sie so wahnsinnig unbarmherzig gegenüber den hilflosen Gedankenhülsen der Gott-Enttäuschten, anstatt ihre Wut konzentriert auf die Person zu richten, von der sie behauptet, dass sie unendliche Güte sei?

3. Der Titel scheint mir eine „Lösung“ anzukündigen, die an die Hiobserzählung anknüpft. Das ist Spekulation. Vorbeugend kann ich schon mal sagen, dass der Schluss des Hiobbuches eine Nullantwort ist.

4. Warum dürfen wir Gott nicht erlauben, nicht da zu sein?

warum ist küssen und beten so wahnsinnig wichtig?

Anja hat im Radio gesagt, dass der Durschnittsmensch hintereinander weg zusammengerechnet nur zwei Wochen für die Tätigkeit „küssen“ und zwei Wochen für die Tätigkeit „beten“ aufwendet. Und dann hat sie noch was gesagt. Und am Ende hat sie gesagt, wir sollten doch mal mehr Zeit mit Küssen und Beten zubringen. Fand ich süss. Anja ist Pastorin. Die muss so was sagen. Allerdings frage ich mich, warum wir nur so wenig Zeit mit Küssen und Beten verbringen, während wir wahnsinnig viel Zeit dafür aufbringen, uns über das Küssen und Beten zu „unterhalten“. Über das Küssen, über die Liebe wird nach wie vor gesungen, von Filmen des Genres „Romantische Komödie“ kann der Markt nicht genug kriegen und im Internet läuft ein Dauer-Pornofilm.

Gut, Beten kommt jetzt so direkt nicht im Normal-Wahnsinn der Welt vor. Religion ist eher so eine Art Drama-Queen, die große Auftritte braucht. Man fliegt mit Flugzeugen in Hochhäuser. Oder man lässt die Welt medial am Sterben teilhaben. So was in der Art. Da ist schon klar, warum man nur so wenig Zeit mit „Beten“ bzw. Religion zubringt. Viele religiöse Tätigkeiten oder Tätigkeiten, die mit Religion verbunden werden, macht man nur einmal im Leben. Die Message ist aber auch hier klar: Beten bzw. Religion ist wahnsinning wichtig!

Warum ist Küssen und Beten wahnsinnig wichtig? Ich nehme an, dass Küssen und Beten Techniken sind, die extrem wirksam sind, um sich in den Körper bzw. in die Gegenwart zu holen. Beim Beten ist dieser Aspekt leider ziemlich verschleiert, weil angenommen wird, dass die Anrede von einer Normal-Welt zu einer Ideal-Welt hin gerichtet ist. Eigentlich ist es genau anders herum: der oder die Betende wird von der Macht angeschaut, die er oder sie anspricht. Das ist die Grunderfahrung, die man existenziell sucht: Angesehen zu werden, gemeint zu sein. Und in diesem „Angesehen werden“ selber in die Gegenwart kommen, in den eigenen Körper zurück finden können, um ganz zu sein und „heil“ zu werden. Na ja, und das ist beim Küssen nicht anders. Nur dass der körperliche Aspekt einfach noch vordergründiger da ist. Küssen und Beten sind die universalen menschlichen Techniken des Ganz-Werdens in der Gegenwart.

Es gibt aber noch andere Möglichkeiten. Zum Beispiel die Meditation. Der Vorteil: Man kann das alleine machen. Wenn Sie keinen Menschen zum Küssen oder keinen Gott zur Hand haben (wie ich) – lernen Sie meditieren! Das hilft auch.

Aber im Grunde genommen liegt es nicht in den Tätigkeiten selbst – küssen, beten, meditieren. Eigentlich gibt es keine Tätigkeiten, die „wichtiger“ sind als andere. Um die Erfahrung des Ganz-Werdens zu machen, reicht – und ich behaupte nicht, dass das einfach ist – dass man bei der Tätigkeit anwesend ist, die gerade zu tun ist. Daher ist es ziemlich egal was man macht und wieviel Zeit man für irgendetwas aufbringt, so lange man versucht, schlicht „dabei zu sein“. Okay, und durch Küssen, Beten und Meditieren kann man das eben gut üben. Daher sind das schon wichtige Tätigkeiten, allerdings dann auch nicht so wahnsinnig wichtige. Aber wenn Sie Buddhist sind, wussten Sie das vielleicht schon.

der handfilter (zwei haikus)

der handfilter (haiku)

in der küche läuft der kaffee durch
zwischendurch schnell mal was andres machen
vergess ich ihn

der handfilter remixed (haiku mit bonus-zeile)

in der küche läuft der kaffee durch
zwischendurch schnell mal was andres machen
vergess ich ihn
wie ich dich vergesse weil du immer so lange brauchst

20. august 2012

the shape of belonging

Der Aufsatz „Discipleship and the shape of belonging“ von James Alison (in dem Sammelband „Broken Hearts and New Creations„, Seiten 54-72) sprach mich so sehr an, so dass ich hier mit eigenen Worten den Gedankengang nachzeichne, um zu sehen, ob ich es auch wirklich verstanden habe:

Durch Imitation lernt der Mensch als soziales Wesen zu handeln. Das haben wir so gut entwickelt, dass wir oft nicht merken, wie unsere Handlungen automatische Reaktionen auf Handlungen anderer Menschen sind. In solchen Situationen gibt es kein „Ich“, das aus einer Position der Freiheit heraus mit anderen interagiert. „Rather, the relatively stable ‚I‘ is a symptom of the massively successful social interactions which bring it into being and sustain it.“ (Seite 60)

Unsere „Selbste“ sind in dem Spiel der Imitation reflexiv, das heisst, wir sehen nicht nur die anderen, sondern auch uns selbst wie sie uns spiegeln. Wir lernen dabei nicht nur das, was die anderen uns beibringen wollen, denn das Spiel der Imitation ist so übergreifend, dass wir auch aufnehmen, was uns verschwiegen wird über uns, über die anderen und über die Welt. In solcher Gemengenlage ist unser „Ich“ auch ein „Wir“ und „Wer bin ich?“ ist die drängende Frage.

Zugehörigkeit („belonging“) ist gekoppelt mit Imitation, in der Bedeutung, dass wir eine Identität gewährt bekommen durch einen anderen. Dieses Spiel verläuft zyklisch: wir imitieren und erlangen Zugehörigkeit, wir fallen aus der Zugehörigkeit heraus und finden andere Vorbilder, die uns über unser Nachahmen Zugehörigkeit gewähren etc. Grundregel dabei ist Reziprozität, das heisst Gegenseitigkeit. Wie ich dir, so du mir etc. Das geschieht nicht nur über Gefälligkeiten, auch negative Gegenseitigkeit kann Zugehörigkeit unterhalten. Für verfeindeten Gruppen ist dies zum Beispiel von entscheidender Bedeutung. Der Zyklus beginnt bei der Imitation, die dann zur Rivalität wird, zu Gegnerschaft und dann zu Rache.

Die Jesusgeschichte durchbricht diesen Zyklus. Ein erster Unterschied ist, dass im Spiel der Imitation wir uns normalerweise zu Stärkeren und Erfolgreichen hin orientieren. Die Bewegung im Lebenslauf Jesu geht aber in die Erniedrigung und in die Schande und in den Tod. Hier öffnet sich ein Raum, der nicht von der übergreifenden Imitation infiziert ist. Auch die Grundregel der Gegenseitigkeit wird hier aufgehoben, weil dieser Messias behauptet, Leben zu gewähren ohne dass man etwas dafür hergeben müsste. Sein Ruf zur Imitaton („Nachfolge“, „discipleship“) fordert daher auch dazu auf, dieses freiwillige Geben und das „Gewähren umsonst“ weiter zu führen: Wenn du ein Mahl gibst, lade nicht deine Freunde ein, die dich dann wieder zurück einladen. Lade lieber Arme, Blinde und Lahme ein, die dir das nicht zurück erstatten können etc. (siehe Lukas 14,12-14)

Neben diesem „freiwilligen Geben umsonst“ entlarvt sich das normale übergreifende Spiel der Imitation als vom Tod und von Angst unterhalten. (Ich glaube, man kann es daran merken, dass eine erste Reaktion bei der Einladung zum freien Geben sehr oft ist: Und wo bleib ich dann dabei? Was hab ich denn davon?) Dieser Messias aber behauptet aber, den Platz der Schande, der Benachteiligung und des Todes bereits besetzt zu haben, so dass die, die in dieses neue Spiel des freien Gebens kommen, agieren können als hätten sie den Tod schon hinter sich.

Vier Momente dieser neuen Imitation/Nachfolge: entledigen („stripping away“), sprudelnde (?) Kreativität („spluttering creativity“), sich wenden („turning“), zugehören („belonging“).

(a) Der Prozess des Entledigens liegt im Verlust der Reputation und der guten Meinung, die andere über uns haben. Dies ist nötig, damit wir nicht mehr von der Meinung anderer gegängelt werden. „So we must pray in the one room in the house where no one can see us, … because we are esentially puplic puppets, and are run by the desires of others, and need to spend a lot of time in detox from the desires, voices, patterns of reward and expectation from those others in order to begin to hear the voice of One who is totally outside reciprocity, and is totally gratuitous.“ (Seite 67)

(b) Normalerweise lässt sich schnell Identität gewinnen, indem man eine Position bezieht, auf Meinungen reagiert oder sie provoziert. Darin liegt nichts Kreatives. „Well, how on earth am I to be creative of anything, if there is no longer anything for me to be over against? What on earth does it mean to be creative out of nothing? For it is only the things which are created out of nothing which have real meaning, stability and being. Anything created reactively is entirely dependent on what is already there, and is going out of being.“ (Seite 68)

(c) Anders als die Bewegung des „Entledigens“, schickt der Prozess des „Wendens“ einen dorthin zurück in seine Bezüge, allerdings ohne gegängelt zu werden vom Spiel der Gegenseitigkeit und Rivalität. „… it is a strange sense of being run by somewhere else, and so being able to start to return to life in the places and even groups of the old belonging without being frightened by them, or feeling reactive to hem, tor having to survive them.“ (Seite 70)

(d) Wie im Spiel der Imitation das „Ich“ eigentlich ein „Wir“ der anderen ist, die Identität gewähren, so ist es nun das „Ich“ des Messias, das mein „Ich“ konstituiert. Sein „Ich“ gibt mir „Ich“. Diese Zugehörigkeit zu Christus mündet nicht in Rivalität, weil die Grundregel der Gegenseitigkeit hier aufgehoben ist. „This form of belonging is not the ‚jealous ownership‘ of the owner who ties you down and makes sure that you do not do anything wrong … On the contrary, it is much more like the sort of ownership of one who does not care about being seen in himself at all, but wants to be recognised in the ones he has made vibrantly alive, creative, and caused to flourish.“ (Seite 71)

was kommt nach der integration?

Was kommt nach der Integration? Was hat es den assimilierten Juden gebracht, die sich in die deutsche Gesellschaft eingegliedert hatten, als sie verfolgt wurden? Ist man im Stadium der geglückten Integration und der Assimilation angelangt, geht das Spiel der Abgrenzung weiter. Die Formel dafür geht dabei so: So sehr sich der Jude auch deutsch herrichtet, es bleibt doch immer nur ein Nachäffen. Man schaue sich dafür als Beispiel Richard Wagners Aufsatz „Das Judenthum in der Musik“ von 1850 an. Meine Vermutung ist daher: Die Menschen, die jetzt über Integrationsverweigerer schimpfen, werden niemals zufrieden sein.

Ein Nebengedanke: Der Grund in dem stets latent vorhandenen Spiel der Abgrenzung liegt meiner Meinung nach in der verbreiteten Auffassung, alle Dinge hätten ein ihnen eigenes Wesen, das unveränderlich ist. Die deutsche Geistesgeschichte liebt dieses Wort. Es braucht mehr als nur eine Spass-Postmoderne, um das aufzuweichen.

Zweiter Nebengedanke: Meditierende machen eher die gegenteilige Erfahrung: Gedanken haben keine Essenz, sie haben „keine feste Konsistenz“, sie sind flüchtig. Meditierende sind eher darin geschult, „alles“ – entschuldigt diese grosse Wort – anzunehmen. Das eine ist so „gut“ als wie das andere. Ich kann es gebrauchen oder nicht gebrauchen, ich gehe damit um – aber seine Essenz interessiert mich nicht.

das schwere und das leichte

Ungeordnete Notizen:

Warum sollte das Schwere nicht schwer sein dürfen? – Denn auch das Leichte darf ja leicht sein. Stattdessen versucht man Leiden zu vermeiden. Und wenn einem Schweres begegnet, wird sich nur insoweit damit beschäftigt, dass man an ihm herumzuwerkeln versucht, um zu sehen, wie es wieder weggehen kann.

Warum sollte es nicht auch das Schwere geben? Und warum sollte das Schwere nicht auch schwer sein? Was für Methoden wollen wir lernen, damit das Schwere nicht mehr schwer sei? Wie unangemessen, das Schwere nicht als schwer zu empfinden!

Nur wenn man Schweres hinnimmt wie man Leichtes hinnimmt, ist man frei.

FUSSNOTE: Man muss ergänzen, dass es dumm ist, nichts gegen Leiden zu unternehmen. Hat man aber alles getan, was man selber dazu tun kann, um sein eigenes Leiden (und das anderer) zu mindern, geht es nicht anders, als durch das Tor zu treten und einfach zu erwachen.

transeamus

Und in deinem Leben ist Fülle, anders als du gedacht und gewünscht hast. Und die Sorte Fülle ist nicht selten Zumutung und unerträglich. Und es kommt zu dir, Gnade kommt ungefragt zu dir, reisst deine Haut auf, um sich mit deinem Blut zu verbinden. Und wenn du dich festhalten willst, wird es umso ärger. Keine Anstrengung, sich selbst zu verleugnen: Deine Biographie macht es schon von alleine. Ganz leicht wird es, wenn du plötzlich die Einsicht hast: Du agierst bloss Rollen aus, die du dir selber gewählt hast. Morgen schon bist du jemand anderes. „Sie gehen von einer Kraft zur anderen, dann schauen sie den wahren Gott in Zion.“ Und dieser Gott ist niemand anderes als