Kategorie: listen

ich mag keine musik, weil sie menschlich ist

Joachim fragte mich letzte Woche wieder mal, warum ich eigentlich keine Musik höre. Ich vermute, das liegt daran, dass ich, wenn ich mir Musik (via YouTube / Spotify etc.) anhöre, dann mache ich das immer, immer nur, weil ich was für meine Arbeit „lernen“ muss. Ich hör mir daher auch Musik an, die ich nicht unbedingt persönlich „mag“. Ich weiß mithin einfach nicht, was für Musik ich „wirklich“ mag.

Heute morgen als ich mein Origami-Würfelchen faltete, dachte ich auch kurz: Ach, ich könnte mir ja Musik nebenbei anschalten. Hatte dann aber überhaupt keine Lust dazu, sondern wollte eher die Klänge der Stadt hören, die gerade aufwacht. Und dabei stieg auch so ein Ekel vor Musik in mir hoch. So ein Ekel vor Musik, weil sie so fürchterlich subjektiv und menschlich ist. Weil sie immer „was will“, weil sie einen immer „anfassen“ will oder so was. Ja, so in etwa.

den requisitenlosen ort aufsuchen

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Ich habe keine Übersetzung von “The Angel Gabriel from heaven came” gemacht, sondern einen neuen Text geschrieben. Der Kernsatz meines Textes ist “So kam uns Gott zur Welt als Kind durch nur ein Ja”. (Sorry, gesungen hört sich das viel flüssiger an – versprochen!)

Mich fasziniert die Idee, dass das Kommen Gottes an einem kleinen Wörtchen hängt, das irgendwo in einer bescheidenen Hütte von einem gerade mal heiratsfähigen Mädchen geäußert wurde: Ja.

Die Macht und der Zauber dieses Wortes wird auch entfaltet in der Notiz von Dag Hammaskjöld, die häufig als “Gebet” verstanden wird. Ich sah auch einmal die Überschrift “A Prayer for the New Year”. Die Notiz lautet: “For all that has been, Thank you. For all that is to come, Yes.”

Wer die kontemplativen Exerzitien nach Franz Jalics mal mitgemacht hat, weiß, dass langsam in die kontemplative Übung eingeführt wird. Das erste Übungswort ist natürlich kein streng gehütetes geheimes Mantra, sondern schlicht und ergreifend: Ja.

Ein anderes wirklich großartiges Verkündigungslied von John Bell, “No wind at the window”, hat auch in seiner letzten Strophe diese Pointe wie die junge Maria auf die Nachricht des Engels dann letztlich dem Boten die Antwort mitgibt: “Tell God, I say yes.”

Ich habe dazu ein Arrangement geschrieben, das wir auch dieses Jahr wieder bei den “Nine Lessons and Carols” in der Englischen Kirche in Hamburg singen werden. Dabei wird die Antwort Marias “Tell God, I say yes” mit einem “akustischen Spot” (durch einen harmonischen Shift) hervorgehoben und mehrmals wiederholt.

Mich fasziniert das Wort “Ja”, dieser Laut, der aus dem Öffnen vom engen, spitzen “I” zum offenen und verwundbaren “A” entsteht. Der Laut “I” ist für mich eher wie Keil, der durch meine Schädeldecke getrieben wird. Das “A” ist für mich im Brustbereich angesiedelt. (Ergibt das für irgendjemanden Sinn?)

Und doch: Ich weiß auch, dass man manchmal innerlich nur überleben kann, wenn man “Nein” sagt. Und wir sind bei der Unterscheidung nur auf uns selbst gestellt. Wir sind allein. Und wir müssen dabei allein sein. Es gibt die anderen, die sich wünschen, dass wir “Ja” sagen und dabei kaum – aber wie sollten sie auch, sie kennen und verstehen uns ja nicht! – unser Wohlsein im Blick haben. Aber wir sind allein. Und so hat auch John Bell die Verkündigungsszene mit null Requisiten ausgestattet: “No wind at the window, no knock on the door; / No light from the lampstand, no foot on the floor; / No dream born of tiredness, no ghost raised by fear; / Just an angel and a woman and a voice in her ear.”

Such diesen requisitenlosen Ort auf – um dein Ja zu finden, oder dein Nein. Ganz allein.

Anmerkungen und Links:

  • Der Engel Gabriel vom Himmel kam: Hier zum anhören und mitlesen. Noten sind abgedruckt in dem Regionalteil des Evangelischen Gesangbuches für die Nordkirche (unter dem Titel „Himmel, Erde, Luft und Meer“ erschienen).
  • „No wind at the window“ in einem eher gemeindetauglichen Arrangement von John Bell selbst ist hier zum anhören und mitlesen.
  • Unsere „Nine Lessons and Carols“ feiern wir in der Englischen Kirche in Hamburg dieses Jahr am Samstag, 10. Dezember 2016 um 18 Uhr.

„sacred harp“ ist irgendwie vintage und deshalb cool

Ja, ich mach eigentlich tatsächlich nur coole Sachen: Evensong mit Musik aus der Tudor-Zeit, meditieren in Sankt Peter in Köln und Fliege tragen. Einer uncoolen Gewohnheit gehe ich nur noch selten nach: Bloggen ist inzwischen irgendwie gähn. Das macht doch auch echt keiner mehr.

Die Frage ist, wie alt Sachen erst werden müssen, um dann wieder cool zu sein. Bei Sacred Harp, dessen Anfänge vielleicht im Neuengland von vor 200 Jahren liegt, kann man sagen: Jou, kann man wieder machen.

Sacred Harp ist keine Musik zum Zuhören, sondern zum Selbermachen. Die vier Stimmgruppen (Treble, Alto, Tenor, Bass) sitzen einander im sogenannten „Square“ gegenüber. Es gibt keinen Chorleiter, abwechselnd treten Menschen in den Square, sagen eine Seite an, jemand bestimmt die Anfangstöne und dann geht es los: „sol, la, fa, sol, la, fa, la, sol, la, sol, fa …“ In der Liedersammlung mit dem Titel „Sacred Harp“ sind die Noten in verschiedenen Formen („Shapes“ genannt) gedruckt, die mit vier verschiedenen Tonsilben gesungen werden. Erst nach diesem Durchgang werden dann eine oder mehrere Strophen gesungen. Volksmelodien mischen da mit Kirchenmelodien, durchweg werden gestapelte Akkorde präferiert, so dass ein robuster, archaischer Sound bei rum kommt. Musiksatztechnisch ist da so gut wie alles falsch. Wahnsinnig viele Infos hat die Homepage der Bremer Sacred Harp Gruppe.

Ich freue mich, dass Fynn nach Hamburg kommt, um einen Workshop dazu zu machen. Jeder kann da einsteigen. Wenn die Harmonien schon alle falsch gesetzt sind, kann man auch nicht wirklich noch falscher singen. Würde mich freuen, viele dabei zu haben:

Samstag, 17. August 2013, 10-17 Uhr
Singing from the „Sacred Harp“
Workshop mit Fynn Titford-Mock (Norwich/UK)

Anglikanische Kirche St Thomas Becket
Zeughausmarkt 22
20459 Hamburg
(U-Bahn „St. Pauli“, U-/S-Bahn „Landungsbrücken“)

Und ey, ihr Hosenträger-Hipster mit euren Herschel Supply Rucksäcken: Sacred Harp ist eure Musik! Ihr kennt das ja aus dem Manufactum-Katalog: „Es gibt sie noch, die guten Dinge.“

the huron carol (eine deutsche übersetzung)

Wenn wir zu Weihnachten wieder von Gottes Kommen in diese Welt erzählen, sind wir auch erstaunt, dass dieses Kommen Gottes nie aufgehört hat. Im Jahre 1643 hat ein Jesuitenpriester diese Geschichte wieder erzählt in einem Lied, das er in der Sprache der Huron-Indianer (im kanadischen Gebiet) verfasste. Im Jahre 1643 wurde Gott somit als Huron-Indianer geboren. Dieses Lied, das offensichtlich als Kanadas ältestes Weihnachtslied gilt, gibt es auch in einer englischen Version von 1926. Abgedruckt ist es zum Beispiel in „The Hymnal 1982“, dem Gesangbuch der Episkopalkirche (anglikanisch) in Amerika. Von dieser Textvorlage aus, verfasste ich folgenden deutschen Text:

1. Der kalte Wintermond hatt‘ alle Vögel schon verbannt,
da wurden Himmelswächter durch den Großen Geist gesandt.
Ihr Glanz war heller als ein Stern, / und Jäger hörten in der Fern‘:
Jesous Ahatonhia, Ahatonhia, Jesous Ahatonhia. (Jesus ist geboren.)

2. Ein Hüttendach aus Rinde barg das Kind so zart und fein.
Ein schon zerlumptes Hasenfell schloss seine Schönheit ein.
Die Jäger nahten gar nicht bang, / und lauter tönte der Gesang:
Jesous Ahatonhia, Ahatonhia, Jesous Ahatonhia. (Jesus ist geboren.)

3. Der neue Wintermond scheint nicht so rund und nicht so schön
wie jener Glanz, den ich um jenes schwache Kind gesehn.
Schamanen kamen von weit her / mit Gaben: Pelz von Fuchs und Bär.
Jesous Ahatonhia, Ahatonhia, Jesous Ahatonhia. (Jesus ist geboren.)

4. O Kinder aller Wälder, ihr des Großen Geistes Spross,
das Himmelskind ward euch geborn durch einer Mutter Schoß.
Kommt, singt dem Geist, der an euch denkt, / und durch dies Kind euch alles schenkt!
Jesous Ahatonhia, Ahatonhia, Jesous Ahatonhia. (Jesus ist geboren.)

Ich weiss: Warum soll man etwas in einer Übersetzung wiedergeben, was für einen anderen Kulturkreis gedacht war? Sollte nicht mit dem ursprünglichen Text einer nicht-europäischen Kultur die Weihnachtsbotschaft nahegebracht werden? Warum dann eine Rückübersetzung in eine europäische Sprache? Trotzdem: Durch die Übersetzung werden wichtige Fragen gestellt:

Ist uns bewusst, wie wir selber in deutschen bzw. europäischen Weihnachtsliedern die eigene Kultur in die Geburtsgeschichte eingeschrieben haben? Glauben wir wirklich, dass Gottes Kommen und In-Der-Welt-Sein universal ist? Wenn Gott als Huron-Indianer geboren werden kann, vielleicht kann er auch als kleines Mädchen geboren sein, oder schwarz oder asiatisch oder schwul. Wäre uns das sehr fremd? – Man sagt ja zu Weihnachten so oft: „Gott ist einer von uns geworden.“ Trotzdem dürfen wir nie behaupten, Gott gehöre ausschliesslich zu unserer Gang, zu unserem Clan, zu unserer Clique. Es wird immer ein Teil an dem Geheimnis sein, das uns schmerzlich fremd ist.

deck the hall with boughs of holly (ein deutscher text)

Deck the hall with boughs of holly
Ein Vorschlag, wie man es auf Deutsch singen könnte

1.
Schmückt das Haus mit grünen Zweigen, (Fa la la la la, la la la la)
dieses Fest ruft uns zum Reigen! (Fa la la la la, la la la la)
Füllt die Becher, leert die Fässer, (Fa la la, la la la, la la la)
dann erst wird das Singen besser! (Fa la la la la, la la la la)

2.
Heute fliesst der Wein in Strömen! (Fa la la la la, la la la la)
Lauter soll der Kehrreim dröhnen: (Fa la la la la, la la la la)
Singen, Trinken, Tanzen, Lachen, (Fa la la, la la la, la la la)
Freunde, das sind schöne Sachen! (Fa la la la la, la la la la)

3.
Keiner wird dies Jahr vermissen, (Fa la la la la, la la la la)
denn das neue will uns grüßen. (Fa la la la la, la la la la)
Zechend, lachend mit Geschmetter (Fa la la, la la la, la la la)
trotzen wir dem Wind, dem Wetter! (Fa la la la la, la la la la)

Yotin Tiewtrakul 2011

Textvorlage ist die Version, die in „100 Carols for Choir“ abgedruckt ist. (Da heisst es neben anderen Detailunterschieden statt des sehr verbreiteten „don we now our gay apparel“ in der dritten Zeile der ersten Strophe „fill the mead cup, drain the barrel“.) Weitere philologische Details: http://www.hymnsandcarolsofchristmas.com/Hymns_and_Carols/deck_the_hall.htm

Natürlich ist das sehr speziell. Aber habt ihr einmal versucht, das Englische zu singen? Da ich auf sehr viele mir fremde Wörter stiess, machte mir das nicht viel Spass. Es gibt durchaus viele Weihnachtslieder, auch deutsche, die bar jeglicher theologischen Information sind, aber „Deck the hall“ schiesst doch den Vogel ab. Was kennt ihr für Weihnachtslieder ohne Inhalt? Gibt es ein deutsches Gegenstück zu diesem Trinklied?

 

hark! the herald angels sing (deutsche übersetzung)

1. Boten rufen überall:
„Rühmt das Königskind im Stall!
Friede auf dem Erdenrund!
Gott und Mensch: ein neuer Bund!“
Wer die Neuigkeit gehört,
stimme ein in dieses Lied,
das die Engel uns gelehrt:
„Gott als Kind im Stall verehrt!“
Boten rufen überall:
„Rühmt das Königskind im Stall!“

2. Den Propheten einst schon sahn,
künden Engel heute an.
Eine junge Frau gebar
den, der vor der Welt schon war.
Heil dem Gott in Knechtsgestalt!
Ewigkeit sprang in die Zeit,
kehrte bei uns Menschen ein,
uns „Immanuel“ zu sein.
Boten rufen überall:
„Rühmt das Königskind im Stall!“

3. Friedensbringer unsrer Zeit!
Sonne der Gerechtigkeit!
Licht und Leben, Trost und Heil
unter seinen Flügeln weilt.
Seine Krone legt er ab,
reißt die Menschheit aus dem Grab.
Eine neue Welt entspringt
durch ein kleines schwaches Kind.
Boten rufen überall:
„Rühmt das Königskind im Stall!“

Yotin Tiewtrakul 2011
zu „Hark! the herald angels sing“ von Charles Wesley  u.a. ab 1739

Nie hätte ich gedacht, dass ich einen deutschen Text zu „Hark! the herald angels sing“ machen würde. Erstens gibt es genügend deutsche Weihnachtslieder, die man singen kann. Zweitens ist „Hark! the herald“ so eng verbunden mit der englischen Kultur, dass ich darum fürchten muss, von Kultur-Reinheits-Erhaltern Droh-E-Mails zu bekommen. Drittens ist die Textvorlage aus dem 18. Jahrhundert: Was soll uns diese Sprache noch sagen?

Nun ist es also keine Übersetzung geworden. Vielleicht ist mein Text auch nicht dazu gedacht, gesungen zu werden (obwohl ich sicher bin, dass es funktioniert). Man betrachte meinen Entwurf eher als eine Reflexion zum Thema „England – Deutschland“ bzw. zum Thema „Was ist anglikanisch?“. Reflektiert wird auch die Frage: Wieviel Archaismus und „Poetismus“ kann ich selber aushalten? Gestern sagte A. zum Beispiel zu mir, sie würde das Wort „Boten“ nicht mögen, das klänge so profan und unpoetisch. Aber ich selber mag halt irgendwie auch nicht so oft das Wort „Engel“ einsetzen, weil die Esoterik-Ecke in Bücher-Discountläden diese Mischwesen zwischen Himmel und Erde gezähmt hat.

Wenn ihr den Text auf Liederzetteln o.ä. benutzen wollt, gebt bitte – eigentlich ist das selbstverständlich – meinen Namen an. Vielleicht schreibt ihr auch eine E-Mail. Vorher. Und auch nachher, ob es funktionierte. Bitte verändert nicht ohne Absprache mit mir etwas an meiner Übertragung.

heute erheb ich mich

Zu dem keltischen Schutzgebet, das unter dem Titel „Breastplate of St Patrick“ bekannt ist, gibt es in England (Vorsicht: MIDI! – Kopfhörer absetzen oder Ton ausschalten!) das Lied „I bind unto myself today“. Da ich das niemals hätte übertragen können, habe ich mich hingesetzt und was anderes probiert. Dabei ist dann „Heute erheb ich mich“ bei heraus gekommen. Ich wusste auch schon beim Verseschmieden, dass ich die Melodie, die im englischen Melodie-Index „Iste confessor“ heisst, verwenden wollte. Die ist dann auch auf der Aunahme zu hören. Wenn man bekanntere Melodien verwenden will: Es passt auch „Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen“ (Evangelisches Gesangbuch 81), was aber ein wenig depri klingt. Oder auch „Christus, das Licht der Welt“ (Evangelisches Gesangbuch 410), was aber ein wenig zu sehr lalala klingt. Das dorische „Iste confessor“ ist herb und meiner Meinung nach doch passender.

maranatha

In den letzten Tagen mit einer Gruppe hier ausprobiert. Man kann es singen. Auch wenn sich 5 und 6 Schläge abwechseln. Und selbst, wenn die Gruppe eher ungeübt ist. Eigentlich braucht man dazu überhaupt keine Noten. Bevor man sich die Noten anguckt und es von den Noten lernen will, sollte man lieber versuchen, es über’s Hören zu machen:

nichts heiliges (an sich)

Wegen des letzten Eintrags witzelten Andi und ich an anderer Stelle über den eventuell ketzerischen Gehalt der Aussage „Da ist ja gar nichts!“ – Auch am letzten Samstag liess ich mich bei einer Café-Gesprächsrunde (zum Thema „lebendiger Umgang mit der heiligen Schrift“) zu einer ähnlichen Aussage hinreissen. Nämlich der, ich würde das Buch, „Bibel“ genannt, so für sich so wie es im Regal stehe ja eigentlich gar nicht für heilig halten. Ich spüre von dem Buch aus keinen besonderen Anspruch an mich. Es ist genau anders herum: Erst wenn ich es lese und die Worte dieses Buches laut werden lasse, und erwarte, dass es eventuell bedeutsam für meine Lebens- und Weltinterpretation sein könnte, dann erst können die gelesenen Worte „heilig“ werden. Jemand rief dazwischen: „Ja, aber dann könnte ja jeder Text heilig werden!“, woraufhin ich ihm mit einem knappen „Genau!“ bestätigte, dass dies durchaus kein Problem für mich darstellt.

Die Bedeutsamkeit und der „heilige Anspruch“ des Textes liegt genauer gesagt eigentlich weder in dem Gegenstand („Buch“) noch in meinem Lesen, sondern in dem, was sich zwischen dem Text und mir ereignet, in dem DAZWISCHEN. Hier wird übrigens das Stichwort der Beziehung, das ja in der Publikation „beziehungsweise LEBEN“ ein starkes Augenmerk erhält, tatsächlich fruchtbar. Es ist die Beziehung zwischen dem eventuell heiligen Text und mir, was Lebendigkeit erzeugt und nicht mein sklavischer Gehorsam gegenüber einem erstarrten religiösen Kodex aber auch nicht die Unterwerfung des Textes mittels meiner exegetischen Werkzeuge.

Später am Tag, beim Vortrag von Propst Horst Gorski, erwies sich meine Ansicht als offensichtlich mögliche evangelische Meinung. Dort ging er ähnlichen Gedankengängen am Beispiel der Rede von „heiligen Orten“ nach. „Da ist ja gar nichts!“ muss also nicht ausschliesslich als Ausruf buddhistischer Wahrnehmung von der Leerheit der Phänomene verstanden werden. Ebenso kann es ein evangelischer Zugriff auf die Dinge sein, die bloss funktional begriffen werden. (Pardon, dies ist ein Blog, ich bin kein Theologe, man verzeihe mir alle denkerischen Unzulänglichkeiten! Übrigens: Der Vortrag von Horst Gorski war sehr anregend! Ich empfehle ihn wirklich zum anhören! Titel: „Der Norden betet – Einsichten und Aussichten zur geistlichen Landschaft einer evangelisch-lutherischen Kirche im Norden“)