Getagged: Kirchenlied

heute erheb ich mich

Zu dem keltischen Schutzgebet, das unter dem Titel „Breastplate of St Patrick“ bekannt ist, gibt es in England (Vorsicht: MIDI! – Kopfhörer absetzen oder Ton ausschalten!) das Lied „I bind unto myself today“. Da ich das niemals hätte übertragen können, habe ich mich hingesetzt und was anderes probiert. Dabei ist dann „Heute erheb ich mich“ bei heraus gekommen. Ich wusste auch schon beim Verseschmieden, dass ich die Melodie, die im englischen Melodie-Index „Iste confessor“ heisst, verwenden wollte. Die ist dann auch auf der Aunahme zu hören. Wenn man bekanntere Melodien verwenden will: Es passt auch „Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen“ (Evangelisches Gesangbuch 81), was aber ein wenig depri klingt. Oder auch „Christus, das Licht der Welt“ (Evangelisches Gesangbuch 410), was aber ein wenig zu sehr lalala klingt. Das dorische „Iste confessor“ ist herb und meiner Meinung nach doch passender.

maranatha

In den letzten Tagen mit einer Gruppe hier ausprobiert. Man kann es singen. Auch wenn sich 5 und 6 Schläge abwechseln. Und selbst, wenn die Gruppe eher ungeübt ist. Eigentlich braucht man dazu überhaupt keine Noten. Bevor man sich die Noten anguckt und es von den Noten lernen will, sollte man lieber versuchen, es über’s Hören zu machen:

te magis novisse

Was wäre, wenn Jaques Berthier, der „Hauskomponist“ von Taizé mal etwas für die Jesuiten komponiert hätte? Folgende Zeilen stammen aus dem Exerzitienbuch von Ignatius, die Musik hat offensichtlichen Taizé-Klang (hier hören). Aber es funktioniert doch gut, oder?

Te magis novisse,
magis Te amare,
magis Te sequi,
Te Christe, Te Christe rogamus.

(Dich mehr erkennen,
dich mehr lieben,
dir mehr folgen,
dich, Christus, bitten wir.)

T: nach D. Böhler SJ, J.M. Steinke SJ (nach GÜ 104)
M: Yotin Tiewtrakul

Die Aufnahme habe ich in einem Morgengebet in der Krypta gemacht.

singet dem herrn ein bekanntes lied

Ich würde gerne wissen, was eigentlich gemeint war, wenn dazu aufgefordert wird, Gott ein „neues“ Lied zu singen (siehe Psalmen 96, 98, 149). Was konnte in einer solchen Kultur der Erinnerung und steten Wieder-Erinnerung, in einer Kultur, dessen Hauptmedium der Überlieferung nicht die Schrift ist, sondern Mund und Ohr, „neu“ bedeuten? Was wir allerdings unter „neu“ verstehen, ist kaum auszumerzen. Da sind wir einfach im 19. Jahrhundert stecken geblieben. Besonders im Bereich der Künste. Dort leben wir mitnichten in der Postmoderne, sondern immer noch unter dem Anspruch eines übersteigerten Künstlerbildes, der Originalität aus seinem eigenen Innenleben generieren soll. Singet dem Herrn ein postmodernes Lied.

„The hills are alive with the sound of music …
I know I will hear, what I’ve heard before …“
Rodgers/Hammerstein, The Sound of Music